Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 39 (20.9.1842)
- Date
- 1842-09-20
- Page
- Spalte 609-610 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Meraturblall des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für Mische Geschichte und Literatur. M 39. Leipzig, den 20. September 184S. Handschrrftenkund e. Apergu über eine reichhaltige philosophisch-kabbalistische Handschrift der Kön. Bibliothek zu München. — Jüdische Alter thumsk und e. Die Beschneidung bei den Israeliten. Vom historischen, kritischen und medicinischen Standpunkt. H. Kritischer Standpunkt. 1. Spiritual! stisch-religiöse Ansicht. V. Dr. Jos. Bergson. (Fortsetzung.) — Schulrecht. Ueber bas Verhaltniß des Lehrers und der Schule in den früheren jüd. Gemeinden nach dem rabbinischen Rechte u. dem älteren Herkommen (Beschluß.) — Literarische Ankündigungen. Ap er §«*) über eine reichhaltige philosophisch-kabbalistische Handschrift der Kön. Bibliothek zu München. Wenn nächst den Bibliotheken zu Oxford, Parma und Leyden eine europäische Bibliothek eine reiche und ausgewahlte Sammlung hebräischer Literaturschätze darbietet, so ist es gewiß die königliche Bibliothek zu München. Die großartigsten und interessantesten Denkmale der blühendsten Epoche der jüdischen Literatur, nämlich der maurisch-spanischen, mit ihrem fruchtbaren Nachwuchs in Südfrankreich und Italien, theils Uebersetzungen aus dem Arabischen, theils jüdische Originalen in den anziehenden Fächern der Philosophie, der Naturwissenschaften und der Arzneikunde finden sich hier beisammen -— eine Sammlung, zu der in der Mitte des 15. Jahrhunderts Johann Albert Widmanstad, genannt Lucretius Suevius, einer der ruhmwürdigsten Vorläufer der orientalischen Studien, der auch hebräische Handschriften sammelte und Paulus Emilius, Paulus Fagius, so wie dm Juden Mose Lobia aus Krakau zu Abschreibern hatte, den Grund legte. Die Münchner Bibliothek zählt 313 hebräische Handschriften, darunter 134 Folianten, 155 Quart-, 11 Octav-Bände und 11 Rollenschristen fast alle aus der PrivaLsammlung Widmanstad's, die Albert V., der Großmü- Lhige, als er die churfürstliche Bibliothek anlegte, zugleich mit den Bibliotheken des praktischen Arztes Hartmann Schedel zn Nürnberg und der Grafen Fugger zu Augsburg ankauftin Bis jetzt sind diese Handschriften noch nicht genau und kritisch beschrieben, geschweige zur Aufhellung und Be- Abgedruckt im „Serapeum. Zeitschrift für Bibliothek^ rssenschastrc.", woraus er entnommen. Red. reicherung der jüdischen Literatur benutzt.und ausgebeutet worden; das neuerwachte Interesse für letztere ist noch zu jung, ein universeller Sinn für Literaturgeschichte, verbunden mit Uebersicht im Großen und Sorgfalt im Einzelnen, zu selten und die Masse der in Mitteleuropa und der Levante erschienenen Druckwerke zu groß, als daß man bis jetzt eine, genügende Lichtung und Sichtung d'es chaotischen auf Bibliotheken verborgenen Materials hätte erwarten können. Jedenfalls aber ist es ausser Zweifel, daß eine liberale und selbstlose Ausbreitung der sonst nutzlos verschlossenen handschriftlichen Schätze eins der wirksamsten Mittel ist, den wahren Fortschritt der Wissenschaft zu beflügeln und ihn von manchen behindernden Fesseln zu befreien. Die Münchner Bibliothek hat sich schon dadurch ein Verdienst um die Freunde der jüdischen Literatur erworben, daß sie Herrn Dr. Lilienth al die Durchsicht ihrer hebräischen Codices gestattet hat; die „bibliographischen Notizen über die Handschriften^der königlichen Bibliothek zu München", die dieser in der Allgemeinen Zeitung des Iudenthums 0 geliefert, sind zwar höchst mangelhaft und ungründlich, aber doch in Ermangelung einer umfassenderen Beschreibung eine dankenswerthe Arbeit, welche die Aufmerksamkeit auf jene Handschriften gelenkt, und das Streben, sie tiefer zu erforschen, angeregt hat. Wenn daher M. H. Landauer in dm Israelitischen Annalen vor dem Kataloge Lilienthals die ganze gelehrte Welt wie vor einem Irrgarten gewarnt, und verkündet hatte, daß Lilienthal nicht blos die Nummern der Codices verschrieben, sondern (was man auch ohnedem gewußt hätte) häufig ganz falsche Berichte gebe, 1) Literarisches und homiletisches Beiblatt der Allgemeinen Zeitung des Iudenthums 1838. 19. Mai Nr. 13. —. 1839. S. 604. 2) Israel. Annalen, herausgeg. von Dr. I. M. Jost 1839. 6. Dec. Nr. 49. 39