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Der Orient · 1842-09-13 · Beilage zu Nr. 38 (13.9.1842) · p. Spalte 5-6

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Beilage zu Nr. 38 (13.9.1842)
Date
1842-09-13
Page
Spalte 5-6 (sequence 3)
Language
German
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5 Dr. Formstechers Religion des Geistes, beurtheilt von Dr. Hirsch. 6 träge Masse, die für allen Wechsel der Formen empfänglich ist, die Hyle. Ader sie ist nur dis zu einem gewissen Grade empfänglich für die Formen; weiter laßt sie dieselbe nicht zu. Denn so wie die alten Götter nur gefesselt sind, so ist die Hyle auch nur gefesselt; soll sie aber vernichtet werden, so laßt dieß das über Götterund Menschen und über die ganze heidnische Welt herrschende Schicksal nicht zu. Der physikotheologische Beweis ist die Bedeutung der griechischen Religion. Er ist der Dualismus von alten und neuen Göttern, zusammengehalten durch das blinde Schicksal; vom Gott und der Materie zusammengehalren durch eben dasselbe Schicksal, welches nicht zulaßt, daß der Gott.sich von der Materie adwende und eben so wenig es zuläßt, daß die Materie sich dem Gotte ganz füge. Irgend ein unüberwundener Rest muß bleiben. Er ist eben der Dualismus, der er mir dem cosmologischen Beweis an sich schon ist. Auf den Deos kommc die Seite der Zweckmäßigkeit in der Welt, auf die Ursache' für sich obne den Deos die Seite des Widerstandes gegen die Zweckmäßigkeit sowohl, als die Seite der Nöthigung des Deos, diesem Widerstand selbst wiederum Widerstand zu leisten. Weder Sokrates noch Plato kamen, weil sie eben griechische Philosophen waren, über diesen Dualismus hinaus und auch Aristoteles wußte ihn nur auszulösen, ohne ihn in einem hohem Princip aufzuheben. Dem Aristoteles ward die 'Seite der Hyle zur bloßen dwa^üg, zur bloßen Möglichkeit, die des ftsog zur svsQyeia und die Einheit Beider, die über Beiden schwebende höhere Nolhwendigkeit zur evTtlsKeta, zum Zweckbegriff als solchem. Die Welt toste sich ihm aber in Zweckbegriffe, nicht in den Einen Aweckbegriff auf und über diesen Zweckbegriffen schwebte immer noch ein unsagbares Etwas, eine blinde Nolhwendigkeit, die sie zusammenhnlt. jeder Seite hin, war aber damit wieder die Bedeutung des Wortes Gott aufgegeben. Die Energie ist nicht mehr ein weisheitsvoller Weltordner, der zu verehren wäre, .sondern nicht besser als die övm{iLg, nuc das eine, abstrakte Moment in der Wahrheit. Die Enrelechie aber ist wohl der Gott, d. h. die Macht, weil der Begriff des Einzelnen und im Einzelnen, aber nicht der Gott des Ganzen, oder Gott schlechthin. An die Stelle des alten und veralteten Heidenthums trat der Glaube an den wahren Gort, der ewig jung bleibt und. nie veralten kann, weil ec eben die Wahrheit ist. Auch hier mußte die Reflexion eintreten und sich fragen, was denn diesem neuen Glauben das Wort Gott bedeute? Von vorne herein stand fest, daß Gott nun nicht mehr weder eine blinde Naturnothwendigkeit, noch ein weisheitsvoller Demiurg — aus Gründen, die bald anzugeben sind — bedeute. Was denn? Man erfand dennoch ungeschickten ontologischen Beweis fürs Dasein Gottes. Er lautet: Wir haben den Begriff des allerrenlsten Wesens. Sein ist aber eine Realität, kann also dem allerrealsten Wesen nicht fehlen; folglich kommt dem allerrealsten Wesen auch das Sein zu. So bedeutet Gott das allerrealste Wesen , welches zugleich auch ist. Dieser Beweis ist unendlich besser als der kosmologifche und der physikotheologische, weil der Ausgangspunkt ein unendlich besserer ist. Dort war der Ausgangspunkt die Natur und daher blieb auch der Gott von der Natürlichkeit behaftet, entweder war er blos das Substrat der Natur, wie im kosmologischen Beweise, oder die Natur stand ihm immer noch als die .unbezwingliche, wenn auch gehemmte Macht gegenüber, wie im physi'kotheologischen. Hier aber ist der Äusgangspunkt der Geist, der Begriff, und daher wird auch zu dem Gotte, der der Geist ist, angelangt. Aber so, wie .er bisher auftrat, ist dieser Geist selbst geistlos. Was ist das für ein Begriff, der eines realsten Wesens? Durch diese einfache Frage ist dieser Beweis in Verlegenheit gesetzt. Die Bedeutung dieses Begriffes bleibt hier so unbestimmt, wie die vom Worte Gott. Was aber an diesem Beweise brauchbar ist, ist, wie gesagt, dieses, daß vom Geist, vom Begriff das Sein prädicirt ist.. Dem kos mologischen Beweise ist der Geist gar nicht vorhanden, dem physi'kotheologischen gilt er nur beschränkt und gehemmt durch den Ungeist, durch die Materie; hier aber ist der Geist schlechthin alle Realität. Es kommt nur daraus an, näher anzugeben, was denn der Geist sei und damit ist angegeben, was die Bedeutung des Wortes Gott sei. Der. Geist ist, aber nur so, daß er sich mit Bewußtsein selbst bestimmt, oder der Geist ist die Freiheit. Freiheit äst nicht Willkür, sonderndas sich selbst Bestimmen aus der Einsicht in die eigene Nothwendigkeit. Wo diese Einsicht fehlt, da fehlt auch das Selbstbestimmen, da kann allerdings noch ein Getriebensein stattsinden, ein Naturtrieb und daher eine Naturnothwendigkeit, aber keine Freiheit. Der Mensch ist nicht von Natur frei, sondern er soll und kann sich die Freiheit aneignen, er kann und soll immer und überall aus der Einsicht in die Nolhwendigkeit der Sache handeln. Weil er nicht frei ist, aber die Freiheit sich aneignen kann und soll so erkennt er sie alö feine absolute Macht, als seinen Gott. Damit wären wir aber > noch nicht über den Pantheismus hinaus. Die Freiheit ist schlechterdings die Macht des Menschen, aber hat sie auch eine Wirklichkeit unabhängig vom Menschen, oder ist das ihre einzige Wirklichkeit, die sie sich in der Menschheit giebt? Ist die Dialektik der Weltgeschichte eben so gut der Prozeß Gottes, worin er eben so zu seiner Wirklichkeit, weil zur Freiheit, kommt, als sie der Prozeß der Menschheit ist, wodurch diese zur Freiheit gelangt? Nicht durch einen salto mortale, oder durch einen Machtspruch, wie bei unserm Verfasser, ist diese Frage zu entscheiden, sondern da sie aufdiese Spitze betrieben ist, so muß sie in sich auch ihre Auflösung finden. Ueberblicken wir nochmals den Gang unseres Beweises. Der Mensch kann und soll sich die Freiheit aneignen. Aber weil er soll und doch nicht muß, so kann er auch die Freiheit sich nicht aneignen, aber nicht ungestraft, sondern er muß alsdann sich mit der Freiheit, mit Gott in Feindschaft setzen, er muß alsdann sündigen. Nur wenn er die Freiheit sich aneignen will, braucht er nicht zu sündigen, sobald er aber sie sichnicht aneignen will, muß ec sündigen. Aber wenn der Mensch die Macht hat, der Freiheit die Sünde vorzuziehen, diese Macht jedoch weder anwenden soll, noch sie anzuwenden braucht, so muß auch das Leben Gottes unabhängig von dem seinigen sein. Wenn Gott eine Macht verliehen hat, die gebrauch: werden kann, aber nicht gebraucht werden soll, so muß sein Leben völlig unabhängig von dem Gebrauche oder Nichtgebrauche jener Macht dastehen, sonst würde der Gebrauch jener Macht das Leben Gottes selbst beeinträchtigen, könnte also nicht von Gott selbst ausgehen. Umgekehrt ist der Gebrauch jener Macht, die

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