Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 39 (20.9.1842)
- Date
- 1842-09-20
- Page
- Seite 311 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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311 Personalchronik und Miseellen. Ich habe mtch kürzlich gegen eine feierliche Lossagung vom -Talmud erklärt. Ern Dr. F— ist entgegengesetzter -Meinung und hat schon im Jahre 1832 seine Gründe auseinandergesetzt, die er jetzt im Frankfurter Conversarionsblatt vom 26. Aug. von Neuem abdrucken läßt. Die (sehr lange) Überschrift des Aufsatzes, dessen Inhalt mich übrigens nicht im mindesten überzeugt hat, lautet: Die Notwendigkeit einer öffentlichen und authentischen Lossagung von der Autorität des Talmuds, von Seiten derjenigen Israeliten, welche praktisch nicht nach dessen Grundsätzen leben und wirken. — Ein Vortrag, gehalten im Jahre 1832 zu Darmstadt vor der ersten Versammlung des Vereins zur Verbesserung des Zustandes der Israeliten im Großherzogthume Hessen von Dr. F—. E. C. Von Elmshorn, wo, wie in Friederieia, das Testament des Herrn v. Essen (die für hiesige Gevatterschaften ausgesetzten Summen, deren ich gedachte, sind zu 3Zinsen bei der Gemeinde deponirt) bereits bekannt ist, wird im Itzehoer Wochenblatt vom 26.Aug. über die Inhumanität der dortigen Christen geklagt, die den Juden, wie schon früher die Teilnahme an Bällen, Gilden, Klubbs und Grönlandsfahrern, so jetzt noch die an den Sängervereinen vrrweigern. Dagegen wird der Kammerherr von Stemmann, Administrator der Grafschaft Ranzau, wegen der Leutseligkeit, die er bei seinem am 19. Aug. stattgesundenen Besuche der seit einem halben Jahre neubegründeten jüdischen Schule an den Tag gelegt, sehr gepriesen. Die Rhein. Zeit, vom 25. Aug. bringt wiederum eine Correspondenz aus dem Hannoverschen (**), in welcher mit großer Klarheit dargethan wird, daß, wenn den Juden in der Bundesacte gleich dieselben Rechte wie den Protestanten und Katholiken zugestanden worden wären, auch das Volk, ohnehin seit der westphäl. Zeit mit dem Gedanken der Gleichstellung der Juden vertraut, ihre Emaneipation als lutt ae~ compLi betrachtet und jedes Vorurtheil gegen sie bereits längst abgelegt Hatte. Aber man habe es auf die Ab- und Aussonderung der Juden abgesehen; mit ihnen fange man an mit den Bauern werde man endigen. Es liege im Interesse und im Sinne der Aristokratie, über getrennte Corporationen das Scepter der Willkür zu schwingen, darum sei Wachsamkeit, Widerstand, kräftige Gegenrede nöthig; und zumal der Christen Sorge müsse es sein, die Pläne der Aristokratie zu vereiteln. Laufe die Freiheit der Juden Gefahr, so sei auch die des Bürgers und Bauern nicht sicher. — Ich glaube, daß in dieser Ansicht — die ich nur dem Sinne nach wiedergegeben habe — das Alleinrichtige sich findet. Ja, ich halte es, wenn die unheilvolle Tendenz der Pietisten durchdringt, für unerläßlich, daß die vorurtheilsfreien Christen im Gegensätze zur Regierung den würdigen Juden ein weit größeres Vertrauen und ein freundlicheres Entgegenkommen zeigen als bisher. In der Beilage zur Spen. Zeitung vom 26. Aug. findet Dr. I. A. Frankel in Berlin die Entzifferung der hebr. Inschrift in Worms bedenklich. Im Jahre 276 seien wohl noch keine Juden in Deutschland gewesen u. s. w. Die zuerst in der Düss. Zeit, mitgetheilte Unterredung zwischen Ludwig Philipp und dem Baron Anselm von Rothschild ist, wenn nicht als singirt, doch als stark interpolirt zu betrachten. Im Telegraphen No. 133 spricht sich St. (Dr. Stern- Heim?) in einer Ree. über Rosenkranz's Skizzen sehr kräftig über den Charakter und die Aukunstshoffnuugen der Juden aus. Auch er findet größeres Heil für sie in der Hinneigung zu den liberalen Principien als zur christlichen Orthodoxie. — Da wir es doch nicht Allen recht machen können, so erwählen wir das bessere Theil, wenn das Gewissen unser Leitstern bleibt. Ein Dr. Gottsche in Elmshorn sucht die Anklage eines Juden im Itzeh. Wochenblatt No. 34 in der neuesten Nummer (35) desselben zu widerlegen. Er behauptet, die Statuten stellten den Juden kein Hinderniß gegen die Theilnahme der Juden an den Liedertafeln entgegen und es habe sich bis jetzt kein Jude gemeldet, könne also keiner zurückgewiesen sein. Er behauptet dies im Namen mehrerer Liedertäfler. — Bei der jüngeren Liedertafel in Berlin hat jedoch vor Kurzem eine die Juden ausschließende Partei gesiegt. — Neu erschienen find (Hamburg bei Berendsohn): Predigten im neuen israelitischen Tempel zu Hamburg gehalten von Dr. N. Frankfurter. Erste Abtheilung. Festpredigten. 4 Thlr. Dem Vernehmen nach erheben sich auch in der hochdeutschen Gemeinde zu Altona Kit einigen Wochen laute Stimmen für Herstellung größerer Otdnung und Ruhe in der Synagoge und für Einführung des Chorgesanges. Den Juden (nicht minder auch den Christen) in Damascus sollen wieder Verfolgungen von dem habgierigen Pascha Ahmed daselbst drohen. » * Die kleine, durch Nahrungslosigkeit heruntergekommene und fast ganz verarmte jüdische Gemeinde zu Moisling (im Lübecker Landgebiete) hat nach No. 35. der N. L. Wl. dem Hülssverein zu Lübeck für Hamburg 100 Mark zugesandt. Was doch der unschuldigen Religion alles aufgebürdet wird! Im „Hamb. Correspondenten" No. 194 dieses Jahrganges liefet man in einem Bericht über die Göttinger Universität Folgendes : -Ewald lehrte die morgenländische Literatur in Göttingen mit dem ungetheiltesten Beifall rc> Um so empfindlicher mußte sein Verlust sein n. „Schade" fährt der Berichterstatter fort, „Schade, daß die Religion es verbietet, einen jungen Israeliten zum Professor zu ernennen, der als gelehrter Kenner des Sanskrit wie als Sprachforscher überhaupt schon mehrfach bekannt geworden ist." Was soll man zu dieser mehr als naiven Aeußerung sagen? soll man darüber lachen oder weinen, oder beides? „Die Religion" nicht die religiöse „Verfassung", nicht die „Kirche", nein, die Religion „verbietet", einen gelehrten Sprachforscher an der Universität Göttingen in den Fächern, deren er kundig ist, doeiren zu lassen, weil er Israelit ist! Welche Religion verbietet das? die natürliche Religion? die geoffenbarte? die christliche Religion? die jüdische? die muhamedänische? Das muß doch eine Kuriose Religion sein, die so etwas Vernünftiges, Zweckmäßiges, Heilsames für Stadt und