Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 39 (20.9.1842)
- Date
- 1842-09-20
- Page
- Seite 307 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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307 Arroganz aber über Alles hassend, kann ich nicht umhin, einliegende Zeilen mit der gehorsamen Bitte Ihnen zu behandigen, dieselben in der nächsten Nummer Ihres mit Recht allgemein geschätzten Blattes geneigtest aüfnehmen zu wollen. — Hochachtungsvoll empfiehlt sich Ihnen ganz ergebenst ' X ..*) Der Schluß der „Erklärung" des Herrn Dr. Ludwig Philippson in Nr. 37 der von ihm herausgegebenen „Allgem. Zeitung des Judenrhums" und die Unterzeichnung desselben als „Rabbiner" kann bei Jedem, der mit den hiesigen.-Gemeinde-Verhältnissen nicht vertraut ist, zu der Annahme führen, daß derselbe wirklich Rabbiner der hiesigen Israeliten-Gemeinde sei. Zwar schreibt der Herr Doctor, daß er „die Rabbinerfunctionen in ihrem ganzen Umfange bei hiesiger Gemeinde übernommen habe"; einer Uebernahme aber muß füglicher Weise eine Uebergabe vorangehen und von letzterer ist den hiesigen Gemeinde-Mitgliedern durchaus Nichts bekannt. Der Herr Dr. Philippson ist gegenwärtig bei hiesiger Jsraeliten-Gemeinde nichts weiter als Religionslehrer, der von Zeit zu Zeit in der Synagoge auf Religion und Moral abzweckende Vortrage hält, keinesweges aber — Rabbiner. Umis pro mulüs. Hamburg, 8. Septbr. (Wochenbericht über jüdische Verhältnisse. 1—8. Septbr.). Vor einem halben Jahre etwa bemerkte ich, und ich glaube mich nicht geirrt zu haben, daß Dr. Ave Lallemant bei Gelegenheit des in den N. L. Bl. geführten Ew.amipations - Streites es sich zuerst habe einfüllen lassen, auf die jüdischen Aerzte, deren Ruf schon im Mittelalter festbegründet war, einen Schatten werfen zu wollen. Dem Lübecker Advokaten ist jedoch der traurige Versuch, seine Fiktion plausibel zu machen, nicht eben gut bekommen. Dennoch will jetzt ein Anderer dieselbe Entdeckung gemacht haben — les beaux esprits se reucontrent — nur ist es diesmal kein Rechtsgelehrter, der seinem Vorgänger die Priorität derselben streitig machen könnte, sondern vielmehr — liorribile dictu — ein Arzt selbst. Dem Advocaten konnte man es noch allenfalls zu Gute halten, wenn er in der Gesch. der Juden im Mittelalter nicht speciell bewandert und auch, zumal da in seiner nächsten Umgebung keine jüdischen Aerzte eristirten, mit der Wirksamkeit und den Erfolgen deffelben nicht bekannt war, oder nicht bekannt zu sein sich die Miene gab. Aber was soll man von einem Manne denken, der, wie es der österreichische Arzt und Professor ") Der Schreiber dieser Zeilen, ein ehrenwerthes Mitglied der Gemeinde zu Magdeburg, hat sich mir genannt, und ich bin bereit dessen Namen dem Publikum zu übergeben, wenn seine Aussage sich nicht als der Wahrheit gemäß bewährt. Red. (Edler) von Rosas vor Kurzem gethan, die Vermehrung der jüdischen Aerzte in Oesterreich für einen Hauptgrund des Verfalles der Medizin im Kaiserstaate ausgiebt? Was man von einer solchen Lüge denken soll? Nichts Anderes , als daß auch hochstehende Männer, Männer in Amt und Würden, Männer von wissenschaftlichem Rufe, selbst auf die Gefahr hin, verspottet, verlacht und verachtet zu werden, aus purem Judenhasse und andern niedrigen Motiven sich nicht scheuen, das calumniare audacter; scmper (tarnen) aliquid Iiaeret zu ihrem Grundsätze zu machen. Eine so dreiste Verleumdung ist schon allein hinreichend, den, der sie ausgesprochen und der den edelsten Beruf bei sich und bei Anderen durch sie zu entweihen kein Bedenken trägt, mehr zu schänden, als alle jüdischen Aerzte, wären sie auch sammt und sonders Charlatane, es in Bezug auf die Wissenschaft zu thun vermöchten. Es war im Julihefte der medic. Jahrb. des österr. Kaiserstaates, wo Herr von Rosas unter der sehr kuriosen und naiven Ueberschrift: „Einige Quellen des Mißbehagens der heutigen Medizin" gegen die Juden eiferte. An diesem Mißbehagen (wohl eher an dem des H. Rosas als an dem der Medizin) soll nun vorzüglich die große Zahl jüdischer Aerzte schuld sein. — Abgesehen davon, daß von dem Mißbehagen einer Kunst oder Wissenschaft nicht die Rede sein kann und angenommen, es sei damit ein schlimmer Zustand, ein Verfall, ein Rückschritt gemeint, bleibt die Behauptung immer noch unerklärlich. Auch der Laie hat in der letzten Zeit weit eher und öfter von dem Wiederaufblühen der Arzneiwissenschaft in Oesterreich reden hören. Ich erinnere nur an die geistvollen „Wiener Briefe", die in unbestimmten Intervallen in der A. A. Z. zu lesen waren und in deren einem der Verfasser ausdrücklich rühmte, daß die alte Wiener Schule nicht untergegangen sei, sondern vielmehr durch jüngere geniale Männer einer Refurrektionsperiode entgegen gehe. Namentlich waren die Verdienste einiger Wiener Professoren hervorgehoben, und auch außerdem wurden häufig einzelne merkwürdige Operationen mit Namhaftmachung der dabei thätigen Aerzte in der Regel weitläufiger, als man es in einem politischen Blatte hatte erwarten sollen, beschrieben. — Aber wir wollen mit Hrn. Rosas, der die Sache besser kennen muß, darüber nicht rechten, wohl aber dürfen wir, da hierzu medicin. Kenntnisse nicht nothwendig sind, die Frage aufwerfen: Müssen denn die jüdischen Aerzte in Oesterreich nicht eben so gut ihren Studien obliegen, wie die christlichen? Oder sind sie vielleicht von jedem Examen frei? Oder examinirt man sie weniger strenge? In allen diesen Fällen läge ja aber die Schuld auch nicht an ihnen, sondern an der Regierung. — Eine Correspondenz der L. A. I. vom 25. Aug., aus der wir dies in Rede stehende Faktum entnehmen, führt unter And. zur Entgegnung auf die wahrheitswidrige 39 *