Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 39 (20.9.1842)
- Date
- 1842-09-20
- Page
- Seite 306 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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306 Berlin, Ende August. (Verspätet.) Alea jacta est, rufen wir mit jenem bekannten römischen Feldherrn aus, und hoffentlich haben auch wir einen glücklichen Wurf gethan. Die Wahl hat bereits statt gefunden und Dr. Frankel ist zum Rabbiner creirt. Zwar hat es an Kabalen und Ranken von Seiten der Orthodoxen und Indifferenten nicht gefehlt, um dem achtbaren Streben der Bessergesinnten Hindernisse in den Weg zu legen, aber nichts vermochte unseren geehrten Vorstand in seiner für Jugend und Alter gleich heilsamen Bemühung zu hindern. Dem Himmel sei Dank, der Akt ist vorüber. Das Gute erstarkt in sich selbst und gedeiht oft zum Erstaunen Aller, trotz der mannigfachen Anschläge , die man gegen dasselbe macht. Wir sind weit entfernt, hier die einem Jeden von selbst einleuchtenden Vortheile zu schildern, welche dieser Schritt zunächst für unsere Gemeinde haben wird, vielmehr wollen wir zeigen, wie die Wahl eines Dr. Fr. zum Oberrabbiner Hierselbst für sämmtliche jüdische Gemeinden des preußischen Staates höchst ersprießliche Folgen haben muß. Wie sehr es im Interesse des Judenthums liegt, dem Unfuge Schranken zu setzen, der in Folge der Erlaubniß, den Collegiis auf der hiesigen Universität, ohne sich das Zeugniß der Maturität erworben zu haben, beiwohnen zu dürfen, von so vielen und namentlich jüdischen jungen. Leuten getrieben wird, kann nur derjenige beurtheilen, der da weiß, wie selten das Verdienst gewürdigt, wie oft hingegen Unwissenheit und Arroganz den Sieg über Gelehrsamkeit und Bescheidenheit davon trägem Jene obscuren Subjecte, deren Benennung als Charakterisirung ihres Berufes uns übrigens schwer wird, die wir aber unter dem Namen D^im, unter welchem sie gewöhnlich vegetiren, anführen wollen, erkaufen sich oft, nachdem sie einige Jahre, wahrend welcher sie dem ckolee far nienle gehuldigt, unter dem Namen eines Studenten existirt haben, von irgend einer Universität den Doctortitel und als doctores bullaü wissen sie sich dann, trotz ihrer Unwissenheit, durch Jntriguen und Machinationen zu Rabbinern empor zu schwingen und sich einen Vorzug vor denjenigen zu verschaffen, die mit Fleiß und Eifer regelmäßige Studien gemacht haben. Zwar beabsichtigen wir durchaus nicht, denselben alle Erfahrung abzusprechen z wir geben zu, daß sie die Ueberzeugung gewonnen haben, das Studium des Talmuds allein genüge den Ansprüchen der Jetztzeit nicht; wir geben ferner zu, daß sie schon ziemlich weit in jene Afterphilosophie eingedrungen sind, die auch das Heiligste zu profanist'cen weiß, ja daß sie sich eine bedeutende Fertigkeit erworben haben in der Kunst, vor den Augen Anderer Frömmigkeit zu erheucheln, ohne daß in ihrem Inneren auch nur der geringste Funke von Religiosität glimmt. Aber reichen diese Fähigkeiten hin, um als Rabbiner fungiren zu können? Wahrlich, so lange die Rabbinenstellen mit solchen Subjetten besetzt werden, ist es kein Wunder, das Nacht in Israel bleibt, kein Wunder, daß das Judenthum sich weder in den Augen unserer Glaubensgenossen, noch in denen der anders Denkenden Achtung verschaffen kann. Aber dem Himmel sei Dank! eine bessere Zukunft bricht an und bald drangt ein heiterer und heller Tag jene Nacht in den Hintergrund. Eine Flamme echter Religiosität, genährt von dem Oele wahrer, wissenschaftlicher Bildung leuchtet uns in der Person des zum hiesigen Rabbiner gewählten Dr. Fr.z ec wird die Unwissenheit brandmarken und sie nach Gebühr in ihre Schranken zurückweisen. So können wir uns zu dieser Wahl von Herzen Glück wünschen und mit Recht dürfen wir in ihr den Keim einer uns Allen frommenden Zukunft sehen. Ihr aber, die ihr im Finstern wandelt und jene verfehlte Bahn eingefchlagen habt, lasset ab von eurem irrigen Wandel und werdet weise, auf daß ihr euch selber zur Ehre und ganz Israel zum Nutzen gereichet! W.... Berlin, im Septbr. Unter dem Titel: „Talmud. Bcibii 5 Babylonischer Talmud. Tratten Berachot, Segensprüche. Mir deutscher Uebersetzung und den Commentaren Raschi und Tosephoth rc. Von Dr. E. M. Pmner", ist vor kurzem hier der erste Band der langst angekündigten Ausgabe des Talmud mit deutscher Uebersetzung von Dr. Pinner erschienen. Die Wichtigkeit dieses viel besprochenen und gewünschten Gegenstandes veranlaßt uns, Einiges über den Inhalt dieses Bandes (93 Bogen gr. Falio) hier mitzutheilen. Er enthält: 1) Einleitung in den Talmud, worin alle Grundprincipien der Methodologie und Exegetik des Talmud in hebräischer und deutscher Sprache abgehandelt sind. Außerdem ist die Einleitung zur Mischna von Maimonideö nach dem arabischen Manuseripte hier mitgetheittz 2) Trattat Berachot. Die Mischna ist mit deutscher Interpunktion und durchgehend mit Vocalen versehen. Die Gemara ist ebenfalls interpungirt und ohne alle Abbreviaturen, auch ist sie mit den ältesten, besten Ausgaben und mit den vorhandenen Manuskripten auf das genaueste verglichen, und sämmtliche Varianten sind an jeder Seite bemerkt. Der Commentar Raschi ist mit Quadratschrist und ohne alle Abbreviaturen gedruckt. Der Commentar Kosephot ist, wie der vorhergenannte, interpungirt, wodurch die Verständlichkeit desselben um Vieles erleichtert ist. Die in beiden Commentaren vorkomwenden fremden Wörter sind übersetzt und erklärt. An jeder Seite des Textes find die schwierigsten Wörter nach ihrer Analogie mit den orientalischen oder occidentalischen Sprachen erklärt, wobei das rein talmudisch Abweichende angegeben ist. Nächstem ist an jeder Seite ein hebräischer Commentar, ähnlich dem Mendelssohn'schen zum Pentateuch, beigesirgt, dem sich zuletzt der Commentar des R. Ascher, mit Verbesserungen und Erklärungen der Halacha, sowie der Commentar des Maimonides, Meharschal und Meharscha anschließen. In Hinsicht des Typographischen und der Correktheit läßt das Werk nichts zu wünschen übrig. Wir zweifeln nicht, daß der Herausgeber, der bereits 15 Jahre mit unermüdeter Thätigkeit und rastlosem Eifer an diesem Werke gearbeitet hat und kein Opfer scheute, um es ins Leben zu rufen, die verdiente Anerkennung finden wird. Pr. St. Z. Mkagdebukg, 9. Septbr. Hochgeehrter Herr Redakteur! An das alte: ante omuia veritatem ainamus denkend und die Wahrheit über Alles hochschätzend,