Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 39 (20.9.1842)
- Date
- 1842-09-20
- Page
- Seite 305 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Dritter Jahrgang. Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonmrt bei allen Löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für Mische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. M. 39. Leipzig, den 20. September 1843. Deutsch land. Berlin: Dr. Frankel; Krankenhaus. Berlin: Dr. Frankels Ernennung zum Oberlandesrabbiner und daran sich knüpfende Hoffnungen. Berlin: Bericht über Dr. Pinners Babylonischen Talmud. Magdeburg: Berichtigung, Dr. Ph klipp so n betreffend. Hamburg: Wochenbericht über jüd. Verhältnisse vom 1 — 8. Septbr. — Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Gegenwart. Literatur: Second coup d’oeil sin* radministration de Mr. Heymann etc. Par Levy. — Personalchronik und Miscellen. — LB. d. Or. Deutschland. II Berlin, 13. Septbr. Nach meinem vorigen Berichte schien es fast entschieden, daß Dr. Frankel die auf ihn gefallene Wahl abgelehnt habe, jetzt ist der Stand der Sachen ein anderer. Dr. Fr. hat nämlich noch nicht definitiv sich über die Annahme des hiesigen Rabbinats erklärt und dieselbe nur unter der Bedingung in Aussicht gestellt, daß seine Anstellung nicht auf 10 Jahre, sondern auf Lebenszeit erfolge; außerdem wäre es erforderlich, daß die Dresdner Gemeinde, welcher er noch vor Kurzem die Versicherung ertheilt, in derselben verharren zu wollen, ihm dieses Wort zurückgebe. Gestern wurde das Collegium der 32 zu einer Sitzung einberufen, in welcher der erstgenannte Punkt erörtert wurde. Einstimmig beschloß man, aus die Forderung des Herrn Dr. Fr. einzugehen. Dr. Veit, einer unsrer Gemeindevorsteher, verweilt noch in Dresden, und wird unmittelbar nachdem er vom Resultate der gestrigen Sitzung in Kenntniß gesetzt worden, Schritte bei der dortigen Gemeinde thun, um das letzte Hinderniß aus dem Wege zu raumen. Allgemein befremdend ist übrigens das Benehmen des Gemeindevorstandes in Bezug auf diese Angelegenheit. Die Mittheilung in der Voffischen Zeitung, nach welcher Hr. Dr. Fr. das Rabbinat nicht angenommen hätte, trug einen halbofsiciellen Character und erhielt diesen noch mehr, indem ihr von keiner Seite widersprochen wurde. Wozu dieses Diplomatistren und Hcimlichthun von Seiten unsres Gemeindevorstandes; gab es keine Mittel und Wege, um das betreffende Publikum von dem Stande der Sachen zu unterrichten, oder glaubt der Vorstand, sich diese Mühe sparen zu können? Das Vertrauen der Gemeinde steht ohnedies auf schwachen Füffen, man sollte sich hüten, es noch mehr zu erschüttern. Eine Behörde, welche in unsrer Zeit eine bedeutende Korporation vertritt, sollte das Bewußtsein haben, daß ihre Verhandlungen und Maßregeln keine Privatsachen sind und daß die Ansprüche ihrer Machtgebenden auf Kenntnißnahme ihrer eigenen Angelegenheiten nicht ignorirt werden dürfen. Das sogenannte Collegium der 27, die Finanzcommission unsrer Gemeinde, hielt gestern ebenfalls eine Sitzung, in Betreff des Gehaltes, das für den künftigen Rabbiner zu bestimmen. Noch verlautet nicht, wie weit diese Verhandlungen gediehen; die muthmaßliche Höhe der jährlichen Besoldung dürste sich auf circa 2000 Thalee belaufen. Erst jetzt hört man wieder etwas von dem hier zu erbauenden jüdischen Hospital für mittellose Alte. Die Beitrage wurden vor etwa 2 Jahren in kürzester Zeit zusammengebracht, die Ausführung des Projectes blieb aber bis jetzt verschoben, man hatte in einer angenehm gelegenen Thorstraße ein Grundstück ausersehen, um dort das Hospital zu errichten, mannigfaltige Bedenklichkeiten jedoch, welche sich dagegen erhoben, haben jetzt den Beschluß zu Wege gebracht, das Grundstück in der Oranienburger Straße, auf welchem das jüdische Krankenhaus befindlich ist, auch gleichzeitig zu diesem Zwecke zu benutzen. 39