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Der Orient · 1842-09-13 · 38 (13.9.1842) · p. Spalte 601-602

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
38 (13.9.1842)
Date
1842-09-13
Page
Spalte 601-602 (sequence 5)
Language
German
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601 Polemik über das H. Gebetbuch zwischen Dr. Frankel u. Dr. Salomon. Bon Dr. Iolowicz. 602 gesprochen werden", ohne dem Publikum zu sagen, daß Sal. bald im nachsten'Satze darauf seinen Ausspruch in den Worten erläutert: „Ob der Hohepriester in Gewändern von diesem oder jenem Preise gekleidet gewesen; ob das von Gold oder Linnen den Dienst! verrichtete; ob die Opferthiere hier, oder dort gestanden; ob er auf die eine, oder die andere Manier sieben gezählt, das kann doch wahrlich nie und nimmer die Tiefen des Gemüths erfassen, selbst wenn ich die Handlung aus einem höheren Gesichtspunkt betrachte!" — Richtiger wäre der Tadel wegen Weglassung des in der rnny vorkommenden Sündenbekenntnisses, welches übrigens am Versöhnungstage oftmals genug gesagt wird, gewesen; doch dürfte auch dieser keineswegs auf eine so verletzende Art, wie Hr Fr. es gethan, vorgetragen werden. 12. Auf Sal. Frage (S. 36. d. Sendschrb.) „Warum Hr. Fr. in seinem Gutachten ganz und gar die deutschen Gebete und deutschen Gesänge ignorice?" antwortet dieser (Orient 377.) „bei meiner Aeußerung: das neue Gebetbuch enthalte des Trefflichen und wahrhaft Erhebenden viel und giebt sich in ihm an mehren Seiten eine tiefe, hinreißende Gemüthlichkeit kund" hatte ich die deutschen Gebete und besonders das rrDTH im Sinne". Gewiß eine treffliche Antwort auf des unbesonnenen und spöttischen Salomons Fragen! — 13. Hr. Fr. kommt (S. 378—82) auf die Widerlegung des Sal. Ausspruches, „es hätte nur an dem geistlichen Stolze unserer neuen und neuesten Rabbiner gelegen, daß der Hamb. Tempel noch keine Nachahmer gefunden, denn diese Herren haben sich trotz dem, daß sie das neue Gebetbuch als acht jüdisch anerkannten, doch nicht, bei vorgenommenen Verbesserungen des Gottesdienstes in ihren Gemeinden, mit der Direktion und den Predigern des Tempels in Verbindung gesetzt, um zu berathen, wie das Gebetbuch wohl abzuändern, zu verbessern und so einzurichten wäre, daß die Unebenheiten ausgeglichen, die Trennung vermindert werde, dergestalt, daß etwa fünf, zehn, zwanzig Gemeinden dieses einen, so umgeacbeiteten Gebetbuches sich bedient hätten; ja, weil der geistliche Stolz es nicht dazu kommen ließ, darum hat fast jede bedeutende Gemeinde einen eigenen Gottesdienst" (51. d. Sendschr.) und indem er ein Langes und Breites über die Aufgabe des Rabbiners beibringt, erhebt er endlich folgende Klage: „der Tempelritus nahm fremdartige Elemente auf, die zwar an sich gut, aber aus dem jüdischen Gottesdienste nicht hervorgegangen auf den jüdischen Gottesdienst nicht zu pfropfen waren; es schien beim Entstehen des Tempels mehr auf Beifall von außen abgesehen, als daß das religiöse Bedürfniß der jüd. Glaubensgenossen befriedigt werbe. Der Tempel selbst hatte jede Verbindungslinie abgeschnitten, da er sich auf eine Höhe versetzte, welche die Gemeinden nicht erreichen konnten, nicht erreichen wollten." Es ist nun zu fragen, welches sind denn die fremdartigen Elemente, die der Tempelrims ausgenommen hat? Sind es etwa Orgel, Ehorgesang, deutsche Gebetstücke, portugiesische Aussprache des Hebräischen, das Vorlesen der Tora in einem dreijährigen Cyklus, allsabbatliche Predigt, Ruhe und Ordnung während des Gottesdienstes? Nun wenn dem also ist, so haben ja auch die Gemeinden Prag, Wien, Dresden, München, Töplitz, Kassel, Fürth?c. fremdartige Elemente in ihrem Ritus, und in dem Mehr und Weniger weichen diese Grmeinden unter einander ebenso ab, als der Hamburger Tempel von dem zu Seesen und dem einst in Berlin bestandenen. Oder sind die in den Tempelritus ausgcnommenen portugiesischen Piutim, die Amtsttacbt der Prediger, die Zulassung der Mädchen zum Gottesdienst die fremdartigen Elemente, „die zwar gut, aber nicht aus dem jüdischen Gottesdienst hervorgegangen, also auch nicht auf den jüd. Gottesdienst zu pfropfen sind"? Ich muß gestehen, ich weiß es nicht. — Aber „der Tempel hatte sich aus eine Höhe versetzt, welche die Gemeinden nicht erreichen konnten, nicht erreichen wollten". Und was war die olympische Höhe, auf die er sich setzte und wodurch er — man merke es wohl, noch mit den heutigen neuen und neuesten Rabbinern — jede Verbindungslinie abschnitt? Er schied alle Ketzerverfluchungen und Verwünschungen aus den Gebeten aus, und gestattete nicht in seinen Räumen bas Hersagen von nichtssagenden, für das Gebet bedeutungslosen talmudischen Piecen, wie inw und miBpn DlüD. Hat es nicht demnach „der Tempel bei seinem Entstehen mehr auf Beifall von außen abgesehen, als daß das religiöse Bedürfniß der Glaubensgenossen befriedigt werde!?" „Mußte sich nicht demnach noch im Jahre 1836 beim Entwerfen eines Planes zu einer allgemeinen Synagoge in Leipzig, wo übrigens der Tempelverein gern gegen ein Aequivalent die Orgel aufgeben wollte, mehr als je bewähren, durch welche unausfülldare Kluft der Tempel von den anderen Gemeinden getrennt sei..!?" Man muß aufrichtig sagen, diese Consequenzen sind eben so logisch richtig, wie die, daß die Redaction des neuen Gebetbuches aus rein localen Gründen keine Veränderungen sich erlauben durste, die Rabbiner aber bei ihren Reformationen wohl auf ihre Localgemeinden Rücksicht nehmen müssen (Orient S. 378.) 14. Zum Schluffe der Erwiederung (S. 382) sucht Hr. Fr. die Veröffentlichung seines Gutachtens dadurch zu rechtfertigen, daß er sagt: „es sei ihm vorgekommen, als lege die Direction nur das dem Gebetbuche Günstige dem Publikum vor, schiebe aber das Ungünstige bei Seite." Dieser Grund ist in sofern etwas unrichtig, als ein vor dem Gutachten durch die allg. Zeitung des Judenthums veröffentlichter Correspondenzartikel aus Hamburg ausdrücklich berichtete: Die Direction würde sämmtliche eingegcmgene Gutachten in einem besondern Buche abdruk-

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