Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 38 (13.9.1842)
- Date
- 1842-09-13
- Page
- Seite 299 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2360092-2360201-2360240--2634-3529651- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
299 bcn, seinem eigenem Kochbuche zu folgen.' Co kenne ich einen. Juristen, der niemals Numpuddmg ißt, und dennoch wirklicher Geheimer Iustizrath geworden ist! — Zudem, wenn die Juden nicht mit uns speisen mögen, so. essen darum Viele von uns um so lieber mit ihnen. Will man aber Jemandem etwas an's Kleid flicken, so fällt man auf die dümmsten Dinge. Jetzt klagen wir, daß. sie nicht Alles mit uns essen; Lhäten sie es aber, man würde bald schreien, daß sie uns Alles wegäßen. — Multorum thesaurus muledicentia! — Das paßt auch auf die andern Einwa'nde: so sagt man, sie sollen eheliche Verbindungen mit schönen Christenkindern nicht mehr scheuen, und sich nicht länger gesellschaftlich absondern! — Dieser Vorwurf kann aber die Juden höchstens zur Hälfte treffen, denn zur Ehe gehören zwei. — Das Sanhedrin vom Jahr 1806 hat erklärt, daß das Gesetz nur die Ehen mit abgötterischen Völkern verbiete. Der Talmud erklärt förmlich, daß die neuen Völker (und also auch die christlichen) nicht als solche zu betrachten sind, denn: „Wie wir, beeen sie den Gott des Himmels und der Erde an" u." Deutschland. — ’Aficpl ö' dv&QCQ7tcov cpQEöiv d{M7tXcr/.lca ’AvctQi&iiaTOi y.QEkaav7aL. Find. Olymp. VII. Wien, Anfang Aug. In Betreff Ihrer Aufforderung, Ihnen über den im Zulihefte der medicinischen Jahrbücher Oesterreichs enthaltenen Artikel, durchweichen der Rückschritt der Medicin in Oesterreich-bewiesen wird, meine Meinung zukommen zu lassen, zeige ich Ihnen im Voraus an, daß ich mich viel zu schwach fühle, mich darüber genauer auszusprechen: dies erfordert einen befähigteren Mann, der eine tüchtige Feder gewandter zu führen versteht; doch da Sie es denn durchaus wünschen, so mögen einige Bemerkungen genügen. Es ist sonderbar, daß gerade der Herr Professor Edler von Rosas die ersten vier der wichtigsten Gründe, wenn wirklich ein Rückschritt der Medicin in Oesterreich vor sich geht, so kurz und so lau behandelt, und im fünften, daß sie durch die jüdischen Aerzte bedingt sei, unerschöpflich scheint; denn ec versprach.doch eine Fortsetzung, welcher versteht sich von selbst ein Schluß folgen muß (l). Ein genaues Urtheil könnte derjenige abgeben, der auch genau die Motive kennt, welche den Herrn Professor zur Abfassung eines Artikels vecanlaßten, der ihn in den Augen der vorurtheilsfrei denkenden Welt in ein schiefes Licht stellen muß. Hat der Hc. Prof, jenen Aufsatz im Aufträge geschrieben und wurde ihm befohlen, den fünften Grund vorzugsweise zu behandeln, dann muß ich ihn bemitleiden; denn wenn er bei seiner Stellung als Professor durch Gründe und Nebenabsichten sich zur Abfassung eines solchen Aufsatzes herbeilassen muß, ist er wirklich zu bemitleiden. Hatte er ihn jedoch aus einem — dann aber unverkennbar von Spiritualismus umflorten — nein, ganz verdunkelten ■— Ueberzeugung sein sollenden inneren Antriebe geschrieben, dann bemitleide ich wich; denn ich habe den Herrn Prof. v. Rosas bis jetzt als. einen vorurtheilsfreien, mit gesundem Menschenverstände begabten Gelehrten gehalten. Wer jene zwei Blättchen oberflächlich übersieht, möchte etwa glauben, daß sie der Herr Professor nach reinen christlichen Grundsätzen geschrieben, doch scheint es nur so zu sein. Es ist bekannt, daß alle Nationen, welche die Einheit GvlteS. anerkennen, alle Menschen als Kinder eines Gottes, als Brüder, als Nebenmenschen betrachten. Nun tritt Hr. Professor Rosas auf, und beweist in wenigen Worten mit seiner (un-) tiefen Gottesgelahrcheit, daß der Jude nur seinen Glaubensgenossen als Freund, jeden Andern aber als Feind betrachte. Durch denselben auf Unsinn, auf Zelotismus, und wer weiß auf wie viele unrichtige Ansichten basirte Grundsatz, welcher den Hrn. Prof, zu einem solchenBeweise geleitet hat, muß man auch ihn als Feind anderer Confessionisten betrachten (dum er erkennt doch nur seine Glaubensbrüder als Freunde); dann wehe dem Türken, dem Juden, oder dem mit jüdischen Gesichtszügen begabten Christen, der in schlichter Einfachheit und redlicher Denkungsweise zu dem 5pnu Prof, kommt, um seinen Beistand in Augenkrankheiten in Anspruch zu nehmen. Und mit Recht dürften alle Türken, Juden und alle mit jüdischen Gesichtszügen begabten Christen, welche selbst durch die Natur des Nebels unter seiner Behandlung das Augenlicht verloren, nun auftceten, und ihn, würden sie nicht besser, rechtschaffener und edler denken, des Meineides beschuldigen. Der beste Rath,- der ihm für die Folge zu geben wäre, würde etwa der sein: er möge eine Proclamation ergehen lassen, vermöge welcher derjenige, der seinen Beistand in Anspruch nehmen will, sich früher mit seinem legalen Taufscheine bei ihm ausweise, widrigenfalls müßte er, der Hc. Professor, in steter Zerworfenheit mit seinem Innern sein, und bei dem Weggehen eines jeden Patienten müßte in ihm die Gewissensfrage aufsteigen: Habe ich dem als meinen Freund christlich, d. h. menschlich gerathen? >— Hatte er aber, was auch einige seiner christlichen Verehrer behaupten wollen, diesen Artikel nicht in rein christlicher Absicht geschrieben, so muß ich doch diejenigen Lügen strafen, welche Vorgaben, daß ihn der Neid dazu verleitet; denn ein so hochgestellter Professor wird es doch nicht nöthig haben, den jüdischen Arzt zu beneiden. Jedenfalls ist aber diese Vorgabe für den jüdischen Arzt nur lobenswecth; denn Neid setzt immer ein Verdienst voraus, und so muß es doch immer unter den jüdischen Aerzten auch verdienstvolle geben. Dieses gesteht mitunter auch der Herr Professor, um sich aus bis jetzt noch unbekannten Gründen ein Hinterpförtchen zu lassen; aber dennoch, weil vielleicht manches aufkeimende Talent, das zufällig ein Jude sein mag, nicht mehr seinen Ansichten huldigt und diese Meinung etwa gar öffentlich, ausgesprochen — tritt er nun auf, und donnert unter Schmähungen, daß durch die jüdischen Aerzte 38 *