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Der Orient · 1842-09-13 · Heft 38 (13.9.1842) · p. Seite 298

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 38 (13.9.1842)
Date
1842-09-13
Page
Seite 298 (sequence 3)
Language
German
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— 298 — um es zu gebrauchen. Aber warum soll es nur diesen gestattet werden? — Abgesehen davon, wie unpraktisch, wie schwer ausführbar eine solche Scheidung ist, daß dabei z. B. die Bevorzugten durch eine Art von Legitimationskarte oder so etwas Aehnliches stets würden den Beweis Lei sich führen müssen, ob sie aufgeklärt und einaneipirt sind, abgesehen ferner von dem Widerspruch solcher Forderungen gegen jedes gesunde Staatsrecht, — ein Franzose würde sich über derlei ängstliche Distinetionen zu Lode lachen! — Was soll zum Beispiele mit den Kindern der Zurückgebliebenen geschehen? Laßt Ihr ihnen die freie Wahl, so ist damit die Brandfackel der Sektirerwuth in das Innerste der Familien geschleudert: haben sie nicht die Wahl, so begeht Ihr eine Grausamkeit, eine unrechtliche Härte! Wie wäre ein solches Dilemma zu lösen? Der alte Vorschlag verlangte eine General-Synode, oder, wie von Rotteck sagte, eine National-Repräsentation." — In diesem Ausdruck lag freilich schon der unauflösliche Widerspruch zwischen der Bedingung und dem Ziel des Strebens. Aber die ganze Idee einer Synode war noch bei weitem vernünftiger, als die des Hrn. Z. Dann hätten doch die Juden in Waden gemeinsam handeln müssen. Damals wollte man oder gab doch vor zu wollen: Eine Sekte badischer Juden zur Emancipation, den fremden Juden gegenüber. Die badischen Juden wiesen dieses schlaue Vernichtungsproject zurück, weil sie politische Ehren nicht mit sittlichen Unehren erkaufen wollten. — Zwar stand schon dem ganzen Plane unabweisbar entgegen, daß die Juden kein Kirchenregiment besitzen, sondern nur eine freie, aber gemeinsame kirchliche Entwickelung, an deren Spitze die Rabbiner stehen, aber nur mit dem moralischen Ansehen ihrer Persönlichkeit bekleidet, so daß die ehemaligen Beschwerden über rabbinischen Gewissenszwang, welcher der zeitgemäßen Ausbildung der Juden entgegenstände, seitdem entschieden verschwunden sind. — Also lag in dem alten Plan einer Synode eine'Unmöglichkeit; iw'dem--neuen Vorschlag des Hrn. Z. aber liegt leider Möglichkeit, aber eine von der niederträchtigsten Art! Wie leicht finden sich nicht 10 und abermals 10, die sich für reformirte Juden erklären. Der Weg vom stolzen Behaupten des Rechts für Alle zum stillen Verläugnen des eignen ist hier so geebnet, so schlau ausgeschmückt, daß er rasch zurückzulegen ist, wie der Uebergang vom Guten zum Bösem — Und was wird damit gewonnen? Ein Sektengeist, der bis in das Kleinste sich spaltet: so viel Sekten als Individuen; einen religiösen Parti k u l a ri s m u s, ja Individualismus, der das ganze heilige Wesen der Religion, das Göttliche in gemeinsamer Erhebung zu empfinden, untergräbt, ja aufheot! In dieser Forderung widerspricht Hr. J. stärker dem christlichen Staatsprincip, als jemals die Partisane des Iudenthums gethan. Wenn die Juden einen solchen Plan je im Kopse erwogen hätten, wer zuerst hätte ihnen innere Zerfallenheit vorgeworfen?! Nein, das kann kein Ernst mehr sein! Der grausame Spott tantalischer Anerbietungen wird nach 12 Jahren sein Ende erreicht haben; wir bauen auf eine erleuchtete Majorität! Das Unbegreiflichste dabei ist noch, daß Hr. Z. das Iudenthum, selbst mit dem Talmud, so wunderschön findet, und doch noch nicht ganz zufrieden gestellt ist.-- Ausdrücklich findet er keine Schwierigkeiten, keine Schattenseiten, weder in der Religion, noch in der Moral, noch in den moralischen Zuständen der Juden. — Worin denn in aller Welt? — „In den rein äußerlichen Verhältnissen!" — Diese sollen ja gerade durch die Emancipation geändert werden! Aber was versteht er unter äußerlichen Verhältnissen? Die Criminalgesetze, also zuletzt doch den Talmud, oder dessen Einflüsse! Wie kann man aber ein Buch abschwören, das nach Hrn. Zülligs eigener Ansicht vortrefflich ist, und nach unserer, einen rein exegetischen Werch hat, den es schon durch seine historische Berechtigung, auch der strengsten Kritik gegenüber nicht ganz verlieren kann. Nachdem der Bericht auf diese Weise sich genügend widersprochen, fragt er nach — der Berechtigung der Juden. Diese Frage ist direkt aus dem Paulus verschrieben, und ebenso die ungünstige Antwort, daß die Juden dennoch eine Nation wären. Rieß er's gründliche Widerlegung wird zwar stellenweise auch eingeschaltet und zwar mit lobender Anerkennung (zum Zeichen der vielseitigen Belesenheit des Hrn. Berichterstatters). — Hr. Z. nimmt aber das Gänze nur „metaphorisch", und setzt uns metaphorisch, aber im Ernste, vor die Thür! . Solchem Unwesen gegenüber regt sich die unwillige Frage, ob Hr. Z. Ernst oder Scherz getrieben? Der eine Fall wäre unwürdig, der andere undenkbar. Denn entweder müßte Hr. Z. die Juden durchaus als Fremde verjagen, oder die Frage ganz anders lösen, nicht aber auf absolute Gründe sie relativ ausschließen. Herr, laß diesen Kelch an mir vorübergehn! Für die Zulassung zu Gemeinderechten hat Hr. Z. neue Auswege entdeckt, z. B. die Juden wären zu arm, um mit in dieselbe Gemeinde ausgenommen zu werden, es sei gar theuer, in den jüdischen Himmel zu kommen. Bekanntlich machen aber große Ausgaben nicht arm, weil sie immer im Vcrhättniß zur Einnahme stehen, sondern kleine Einnahmen. Ferner ist der Wohlthätigkeitssinn der Juden so bekannt, .als „das Joch ihrer Glücksgüter", welches ihnen unter dem drohenden Namen von Geldaristokratie oft vorgeworfen worden ist. Aber eine Enmulirung der Armenkassen ist so wenig nöthig, daß sie an vielen Orten noch nicht zwischen den verschiedenen christlichen Confessionen hergostellt ist, ja sie würde vorläufig dem Sinne ' vieler frommen Stiftungen widersprechen. Die Mildchätigkeit der Einzelnen gleicht hierbei gewöhnlich die Mißverhältnisse aus. — Endlich (3tenö) fühlt sich Hr. Z. gar verpflichtet, die Christen gegen Gefahren und Beleidigungen von Seiten der Juden zu beschützen. Dieses oft widerlegte, ganz gedankenlose Bruchstück alten Judenhasses, um so unsinniger, als politischer Druck sicherlich sehr wenig gegen Nothhandel und Wucher vermag, mag hier billig übergangen werden. Der Corporationsgeist der Juden kann doch nicht so fürchterlich sein, wenn Viele (siehe oben) über das Joch der Glücksgüter sich selbst bei Hrn. Pastor Züllig beklagen, und von der Emancipation nur noch stärkeren Druck befürchten. Was aber hierbei emgeschoben ist von den Absonderungsgesetzen der Juden, die als beleidigend gegen die Christen angesehen werden können, so erlaube mir Hr. Z., daß ich eben die kurze Rede eines seiner Hon. Amtsbrüder, eines gemüthlichen, alten dänischen Landpredigers zum Schluß entgegenstelle, die vor Jahren gehalten ward, als es galt, den Juden den Eintritt in die dänische Ständeversammlung zu erringen: „Man hat gesagt, die Juden wollen nicht mit uns essen. Ist das auch ein Grund, einen Menschen auszuschließen, weil er lieber aus eigenem Topfe ißt? Ich halte es für eine grvße Ungezogenheit, Jemandem Speisen aufnöthigen zu wollen, die er nicht vertragen kann. Und weil wir Dänen seit jeher gerne gesohlten Speck essen, sollten wir uns freuen, daß die Juden nicht Alle miressen! — --In der Ständeversammlung soll übrigens nicht gegessen, sondern geredet und gewirkt werden, und von dem Gastgebote des Commiffarius kann man wegbleiben, wenn die Speisen schlecht sind/oder sich an den Wein halten. Aber zu Hause muß ein Jeder Erlaubniß ha-

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