Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 38 (13.9.1842)
- Date
- 1842-09-13
- Page
- Seite 297 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Dritter Jahrgang, Berichte, Studie« und Kritiken DaS Abonnement für ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen lob!. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Hrrausgcgeben von Dr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, das Literaturblatt rnitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßige 38» Leipzig, den 13. September 1842, Kritik des Kommissionsberichts der badischen 2. Kammer, über die bürgerliche Gleichstellung der Juden, v. H. B. Oppenheim. (Schluß.) — Deutschland. Wien: Der Professor von Nofas den jüdischen Aerzten gegenüber. Berlin: Verlauf der Rabbinats-Angelegenheit. Einweihung der Privatsynagoge des'Herrn Liebermann. Hamburg: Wochenbericht über jüd. Verhältnisse vom 25. Aug. bis 1.. Septbr. — Lickt- und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Gegenwart: Die Sache der Juden. Eine sehr günstige Beurtheilung Philippsons. <Scdluß), Das Hamburger Judenreglement von 1710 (Schluß). — LB. d. Or. nebst Beilage. Kritik des Kommisfionsberichts der Badischen zweiten Kammer, über die bürgerliche Gleichstellung der Juden. Von H. B. Oppenheim, Docent in Heidelberg. (Schluß.) Wenn aber Einzelne sich ausschließen, so bringt dieses Schisma natürlich die Staatsgewalt in die Verlegenheit, wie sie sich dieser neuen Sekte gegenüber zu benehmen habe, ob sie dieselbe dulden und dann für sie längst bestehende Staatsgesetze umändern, oder ob sie dagegen verfahren soll, was jedenfalls der peinlichste Schritt ist, weil er die Heuchelei zur Pflicht erhebt. Man übersetze den Fall auf unser Gebiet, so hat man das, was Hr. Dr. A., ein Geistlicher, im Namen der Staatsgewalt, nicht fürchtet und verfolgt, sondern wünscht und durch allerlei moralische Coerzitiv-Maßregeln und Vorspiegelungen erreichen möchte. Er sagt, es gelte hier nur Thatsachen anzuerkennen, aber warum erkennt er sie nicht an durch sein unbedingtes Votum für die Emanzipation? — Ein besserer Christ als Hr. Z., b c Lamartine,,- sagte schon vor zehn Jahren: Der Staat hat nur ein Mittel, die Religion zu schützen, nämlich sie nicht zu berühren, nur ein Mittel, das religiöse Bewußtsein nicht zu beunruhigen, nämlich es zu achten. Die Religion wird durch Verfolgung unterdrückt, durch Gunst verderbt.-Louis XVI. hat Heuchler, der Convent nur Märtyrer gemacht! — Freilich versichert Hr. A. seine HH.Collegen, „daß nicht blos hartgläubige Juden und Nothhändler ihm den Wunsch ausgesprochen hätten, man möge sie ungestört bei ihrem Cultus belassen" — (gewiß wir Alle! aber haben die Noth- Händler einen eigenen Cultus?!) — „und versichert hätten, diese Emancipation sei nichts Anderes, als ein Versuch von Einzelnen, wodurch das Joch, welches sie in Folge der Ungleichheit der Glücksgüter auferlegt haben, noch schwerer und drückender werdet Diesen Schutz zum Anfang zu machen, hält Hr. Z. im Namen der Commission für nöthig. — Er kämpft also gegen den Versuch von Einzelnen, ein Joch, welches ein Folge der Ungleichheit von Glücksgütern ist.-Welcher Radi/ kalismus! Sie wollen doch kein agrarisches Gesetz, HerrStadtpfarrec? — Erschrecken Sie uns nicht mit Ihrem Kampfe gegen Vorrechte! Nein, Vorrechte sollen Sie nicht begünstigen; aber von was für Vorrechten ist hier die Rede? — von den Vorrechten der reicheren Juden über die ärmeren, — worin bestehen diese? etwa darin, daß es dem vermögenden Juden zur Religionspflicht gilt, den zehnten Theil seines Einkommens seinen darbenden Mitbrüdern zu geben. Ein anderes Vorrecht kenne ich nicht, und dieses gewiß nicht drückende wird besonders streng von den Frommen beobachtet, denen Hr. Z. den Segen seiner Emancipation gerade entziehen will. — Kurz, mir scheint diese Furcht vor dem Versuch, ein Joch von Glücksgütern permanent zu machen, einzig und, allein in des'Berichterstatters Kopf gespuckt zu haben, aber gewiß nicht in dem eines Juden. -Der ganze Passus scheint vielmehr eine versteckte Art, die 1200 M. Christen vor der angeblichen Geldaristokratie der 20,000 Juden zu warnen, was freilich aus direktem Wege nicht wohl anging, da etwas später die größere Armuth der Juden gerügt wird, welche ihre Aufnahme in den Gemeindeverband unräthlich erscheinen lasse. — Was ist das für ein Vorrecht, für ein Joch der Glücksgüter? — Wahrhaftig, dieses Motiv ist entweder der Unredlichkeit entsprosien, oder einer politischen Begriffsverwirrung, die für des Berichterstatters Committent'en wenig Tröstliches bietet, und um so kläglicher ist, als Hr. Z. sich zur liberalen Partei zählt. — Aber, was folgert Hr. Z. aus dem Allem? — Daß die vollen staatsbürgerlichen Rechte nur denen gestattet werden sollen, welche — dieselben verlangen. Natürlich kann die Ausübung eines Rechts Niemanden aufgezwungen werden; somit gehört ein Recht factisch nur dem, der es verlangt, 38