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Der Orient · 1842-09-06 · 37 (6.9.1842) · p. Spalte 589-590

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
37 (6.9.1842)
Date
1842-09-06
Page
Spalte 589-590 (sequence 7)
Language
German
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589 Rachel. Literarische Miscellei,.. Emendation. 590 Halbverstandne Weisen singt es In der Passahnacht hinan. Ach! wer bringt dein Volk, wer bringt es, Herr! zurück nach Kanaan?" Oeffmt.ihm die Länderpforten, Alle Hafen thut ihm auf! — Und es bleibt! ruft es mit Worten — Und es achtet nicht darauf! Mehrere Journale-, i welche Frankls „Rachel" noch -vor ihrem Erscheinen erwähnten, ließen vermuthen, ba{5. der.Titel der berühmten französischen Schauspielerin gelte. Aus dem Vorhergehenden ist klar.geworden, daß der Dichter die biblische Rachel, die Gattin des Patriarchen, zum Mittelpunkt sei-, ner Schöpfung genommen. .Ihr Grabmal schmückt das sauber gestochene Titelblatt. Die Widmung an die „erste S ch a uspielerin Frankreichs" felgt dann. Sie ist im Fluge des Enthusiasmus geschrieben, im Bewußtsein, daß, gleichwie wir Schmerz und Leid, Verachtung und Kränkung gemeinschaftlich zu tragen haben, auch Alles, was an Größe und Hoheit aus dem Judenthum emportaucht, als Glorie auf die Gesammtheit der Stammesgenossen zurückstrahle: Verschwanden unsres Stamms Propheten, Ein Abglanz blieb der Himmelsgunst: Viel Priester sind hervorgetreten Zum heiligen Tempeldienst der Kunst". Und nun möge nicht nur das kleine hier besprochene Heft, sondern auch Frankls treffliche Zeitschrift „Sonntagsblätter" als deren Beilage „Rachel" dargeboten wird, möge den Lesern des „Orients" zur wärmsten Beachtung anempfohlen -sein. Joseph Mendelssohn. Literarische Miscelle. - Der ewige Jude, als Volksroman des 16. Jahrhunderts. — Erduin Jul. Koch in seinem Compendium der deutschen Literatur-Geschichte (Bert. 790. 8. U. S. 244) sagt darüber: „Der Volksroman vom ewigen Juden, Aha sverus genannt, gehört wahrscheinlich schon in das sechszehnte Jahrhundert. Das älteste Zeugniß für dieses Ma'hrchen ist wahrscheinlich dasjenige, welches der Benedictiner Matthäus Paris aus dem dreizehnten Jahrhunderte in seiner Historia major. p. 339 und 827 aufstellt, woselbst dieser Wundermann C a r t a p h i l u s heißt. In den folgenden Zeiten wurde diese Sage wieder erneuert durch Paul von Eitzen, welcher 1598 als General - Superintendent zu Schleßwig starb. Dieser wollte ihn im Jahr 1547 zu Hamburg gesehen und gesprochen haben. Ueber diese Erscheinung ließ Chrysostomus Dudulaeus aus Westphalen eine besondere Relation zu Reval 614. rep. 634. rep. 661.8. drucken. Die mir bekannte neueste Nachricht gab I o. G e o. H a d eck im Jahre 1687 unter dem Titel heraus: iXatbanaelis Christiani Relation eines Wald bruders mit Namen Ahasverus ein Jude, welcher bei der Kreutzigung des Herrn Christi gewesen und von da annoch herum und leben soll. Von dem eigentlichen Volksromane, welcher unter dem Titel: Der immer in der Welt h e r u m w a n d e r n d e ewige Jude aus Jerusalem mit Namen A h a s v e r u s, w e l ch e r bei der Kreutzigung Christi gewesen und bisher durch die Allmacht Gottes beim Leben erhalten worden, s.4. et a. 8. erschien, findet man einen Auszug in Reich ards Bibliothek der Romane Th. VHS, S. 19—24. LH. IX, S. 39—103. Th. X, S. 111-167. Th. XI, S. 99—137. LH. XIJ, S. 83—141. Der ewige Silbe, Riga 785. 8. ist eine Umarbeitung des alten Romans mit einer satyrischen Wendung von Reichard. Bergl. eines Ungenannten historische Nachricht von dem ewigen Juden, worin daß derselbe niemals in rerum natura g ewesen grü ndlich gezeigt wird, Frkf. Lpz. 723. 4. und Diss. in qua lepidam fabulam de Judaeo immortali examinat Car. Antonius, Heimst. 760. 4. Emendatiorr. In dem Werkchen rnirv1 ranbirD, mit welchem uns Luzzatto vor zwei Jahren beschenkt hat, verstehe ich einen Vers nicht recht, wenn man ihn in der Gestalt läßt, die Hm die Leseart des geehrten und geschmackvollen Herausgebers verleiht. Seite. 61 nämlich lautet die erste Zeile des 8. Gedichtes: ~npo ’üd bv n:3jo „Als ich behutsam durch Granada zog". Die Ueberschrift zeigt uns schon an, daß dieses Lied einem Zufalle bei des DichteK Anwesenheit in Granada (])£*]) seine Entstehung verdankt. Allein abgesehen davon, daß die Juden des Mittelalters selten das Wort ji^n allein für Granada gebrauchen, muß man sich auch mit Recht fragen : was soll das müssige behutsam, vorsichtig, fürchtend hier bedeuten? Ich glaube, man wird mirs nicht übel nehmen, wenn ich hier ein Mal den schönen Moralspruch "HDn 1 n D D DIN1 übertrete und auch Andere auffordere, das-iNOQ hier aufzugeben. Ich fürchte mich nämlich nicht, zu behaupten, daß statt des letztern Wortes zu lesen ist, und ich berufe mich, statt aller Angabe fernerer Gründe, auf die Belesenheit vieler Leser, denen gewiß der Ausdruck pD**) für Granada sehr häufig vorgekommen ist. Daß in hebräischen Handschriften ein Wort wie t>DD leicht mit verwechselt werden kann, entschuldigt einen so großen Kenner des Hebräischen wie Luzzatto weniger wie jeden andern Herausgeber. Und doch halte ich diese Emendation für so nothwendig und so augenfällig, daß ich vermuthe, es haben sie viele Leser in ihren Studierstuben, vielleicht mancher schon öffentlich gemacht. Letzteres thue ich hier auf die Gefahr hin, daß mir schon einer zuvorgekommen sei, denn es ist in der Wissenschaft nützlicher, eine Sache zum zweitenmal als niemals zu hören. F. Lebrecht.

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