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Der Orient · 1842-09-06 · 37 (6.9.1842) · p. Spalte 587-588

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
37 (6.9.1842)
Date
1842-09-06
Page
Spalte 587-588 (sequence 6)
Language
German
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587 Sagen-Poesie. Rachel, ein romantisches Gedicht von Frankl. ' 588 geehrt? Erzeugt sie nicht eine lebendige Begeisterung, und bekundet sie nicht, daß wir an uns nicht verzweifeln und uns nicht aufgeben?" Wie kleinlich erscheint nicht dagegen die von Sal. aufgestellte Idee des Priesterreichs, der Weltreligion und des Reich es Gottes! welche apathische und negative Elemente liegen nicht in diesen Idealen gegen die Lebenskraft des schwelgerischen Wunsches um die Wiederherstellung eines jüdischen Reiches an einem ErdwinkeU — Aber „man muß vor Allem den Muth einer Meinung haben" sagt Alex. v. Humboldt, und wird diese auch unbesonnener Weise durch Reißen der Worte aus dem Zusammenhang zu Nichte und zu Wasser gemacht, so hat man sich doch seiner Pflicht vor dem Forum der Oeffent- (ichkeit entledigt. — (Beschluß folgt.) Sagen-Poesie. Rachel, romantisches Gedicht von Ludwig August Frankl. (Gratisbeilage zu dm „Sonntagsblättern".) Der Name Frankl ist im Gebiete des poetischen Schaffens von so trefflichem Klange, daß es gewiß nur der einfachen Anzeige des Erscheinens seiner „Rachel" bedürfen würde, um dem Gedichte die Aufmerksamkeit der Leser dieser Blätter zuzuwenden. Wir glauben indeß gerade der Stellung und dem dichterischen Berufe des Verfassers ein näheres Eingehen auf seine jüngste Schöpfung schuldig zu sein. Zuvörderst bietet dieselbe einen paffenden Anknüpfungspunkt dar, den Wunsch auszusprechen, die Wunderschätze, welche noch zur Stunde an dem Buche der Bücher unbekannt oder doch unbenutzt begraben liegen, recht fleißig durch dm Zauberstab der Poesie an das Sonnenlicht gefördert zu sehen. Wie die Bibel der Quell aller Weisheit und Lugend, so ist sie auch eine Hypokrene, die zu herrlichen Schöpfungen den begeistern kann, der mit geweihtem Sinne aus ihren heiligen Fluthen getrunken. Die Bibel ist ein ewiger Frühlingsgarten, mit köstlichen Blütben, Blumen und Früchten, nach denen der echte, gottbegabte Dichter nur die Hand auszustrecken braucht, um sie sich eigen zu machen und sie zu verpflanzen auf das Gesild seines gestaltenden Strebens und Schaffens. Die Bibel ist ein unergründliches Meer, auf dessen Boden poetische Geheimnisse und unermeßliche Schätze schlummern. Wem der Geist die lösende Zauberformel vertraute, der allein darf niedertauchen in die göttliche Liefe und zurückkehren mit blitzenden Kostbarkeiten an Gold, Perlen, Silber und Edelgestein. Solch ein geweihter Laucher ist Ludwig August Frankl. Seine „Rachel" ist eine werthvotte Perlenschnur, die er aus den Liefen der heiligen Schrift an das Sonnenlicht fördern konnte, weil ihm sein Genius die lösende Zauberformel zugeflüstert. Wir begrüßen das Gedicht mit der ganzen herzlichen Freude, welche eine Erscheinung, die uns durch und durch wohlthut, erwecken muß. Die Auffassung und Durchführung des biblischen Stoffes ist ungemein zart und dennoch lebenskräftig, verschwimmt nicht in jenem Dunstkreise, nicht in jener mystischen Nebelathmosphäre, in der die meiste.n alterthümlichen Dichtungssüjets zu zerfließen pflegen. Wenn die Poesie hinübergreift in die Dämmertage der Mythe, so. muß sie Gestalten, Körper, tastbare, kraftblühende Wesen ihnen zu entbilden wissen, soll ihr Streben Anerkennung finden. Diesen Forderungen ist in Frankls „Rachel" vollkommen genügt. Dabei ist die poetische Sprache äußerst weich, schmiegsam, klingend, orientalisch duftig, bilderreich ohne schwülstig zu werden; in der Malerei des Ausdrucks findet sie ohne sichtbare Gebärmühen das treffende Schlagwort, der Gedanke schürzt behend und anmuthig das passendste Gewand um. Man lese nur S. 12 die Strophen : In dem Wüstenoceane, Langsam in der Sonne Brand, Zieht die müde Karavane Hin zu der Egypter Land. Schwarzes Volk mit krausen Haaren, Weißem Lurban, buntem Kleid, Giebt beladnen Dromedaren Unter Liedern das Geleit. Aufgeschreckt im Wiudesfluge Jagt Gazellenvolk heran, — Und die Männer in dem Zuge Halten stumm die Zügel an. Bis sich von dem schlanken Volke Keine Spur im Raume zeigt, Und die aufgejagte Wolke Gelben Sands sich wieder neigt u. Das herbe Seelenweh, welches sich wie eine dunkle Ader durch das zerrissene, über den ganzen Erdball zerstreute Judenthum zieht, klingt elegisch düster aus dem Gedichte Frankls. Wie rührend schön sind die Strophen: Kanaan! du Land der Vater, Wo in Strömen Honig fließt, Wo ein ewig blauer Aether Sich um Eederwipfel gießt. Land der Harfen, Land der Psalmen, Gottverheißnes Wunderland, Aus dem Schatten deiner Palmen Ist dein Volk verbannt, verbannt! In der Erde heißen Wüsten, Ueber die Gebirge weit, Und an alle Meeresküsten Jst's verweht und HLngestreut. Und wie bitter wahr sind die folgenden: Aber, ach! zu lang geknechtet, Seiner Abkunft kaum bedacht, Arg verhöhnt und bös geächtet, Ruht's auf ihm mit finstrer Macht. Einen Abgott hat's erkoren, , Halb verbrecherisch, Lhöricht halb, Und wie damals — sinnverloren, Lanzt es um ein goldnes Kalb. In der PaffahnachL den Becher Füllt es fromm mit Purpurwein, Hofft, ein unsichtbarer Zecher, Stelle sich befreiend ein.

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