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Der Orient · 1842-09-06 · 37 (6.9.1842) · p. Spalte 583-584

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
37 (6.9.1842)
Date
1842-09-06
Page
Spalte 583-584 (sequence 4)
Language
German
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583 Beleuchtung des Schriftenwechsels zwischen Dr. Frankel u. Dr. Salomon, v.Dr.Jolowicz. 584 beabsichtigte Gottesreich sich seiner Verwirklichung näherte oder davon entfernte. Dabei aber war den Propheten das den größten Theil der Gesammth.eit „Durchwehende und Durchdringende" auch nicht ganz gleichgültig, das Volksbewußtsein war ihnen vielmehr heilig, und darum i kleideten sie die ihnen offenbar gewordene Gottesstimme in das Gewand der Volkssprache, der Volksgesi'nnung und beschrieben die Erlösung d. h. das verwirklichte Gottesreich nach den jeweiligen Begriffen und Vorstellungen der großen Gefammtmasse des Volkes. Daher auch jene mannigfache Verschiedenheit in den Verkündigungen des Gottesreiches bei ältern und jüngeren Propheten, und Spinoza bemerkt ganz richtig in seinem truet. tlieol. polit. cap. 3. „da auch die Propheten, wenn sie von dieser nur die wahre Tugend betreffenden Auserwählung sprechen, Vieles von Opfern und andern Ceremonien, und von der Wiederaufbauung des Tempels und der Stadt Jerusalem einmischten, so wollten sie, nach dem Gebrauche und der Natur der Weissagung, geistige Dinge .unter dergleichen Figuren erklären, und den Juden, deren Propheten sie waren, die Wiederherstellung ihres Tempels und Reiches, welche zur Zeit des Cyrus erwartet wurde, zugleich damit ankündigen" (S. 113 nach der Berthold-Auerbach'schen Uebersi). Wenn demnach der Erlösungsglaube in seiner Wahrheit ausgefaßt werden soll, muß immer erst die Erwählung Israels und ihre nähere Bedeutung für dieses Volk und deren Vechältniß zu. anderen Völkern klar und deutlich gemacht werden; denn ohne diesen festen und sicheren Angelpunkt bleibt jedes noch so geistreiche, pathetische Deklamiren über Erlösung, als einen Sieg der unterdrückten Freiheit über die Barbarei der Jahrhunderte, ein Fischen im Trüben, das keinen erklecklichen Gewinn für die Gegenwart, und keinen sicheren Rath für die Zukunft absetzt. Hr. Dr. Sal. fühlte das wohl und bestimmte deßwegen die Erwählung, als eine Erhebung Israels zum Priestervolk, dem die Aufgabe gestellt ist, das Gottesreich über die ganze Erde zu verbreiten; insofern ist ihm auch die Zukunft Israels nicht an eine Erdscholle, an einen Winkel der Erde, und wenn ec noch so viele wohlthuende Erinnerungen hervorzurufen im Stande ist, gebunden. Aber Hc. Dr. Fr. umgeht den ganzen Begriff der Erwählung und bestimmt wiederholentlich und nachdrücklich die Erlösung als ein Hervortreten einer' Selbstständigkeit und einer freien Volksthümlichkeit Israels'(Orient 359—64), und auf Sal.'s Frage, daß nicht abzusehen sei, wie diese Idee mit dem ' Streben nach bürgerlicher Gleichstellung, ohne mit sich selbst im Widerspruch zu gerathen, in Einklang zu bringen sei? (S. 23 d. Sendschrb.) beruft sich Hr, Fr. auf die unter österreichischer Herrschaft lebenden griechischen Unterthanen, denen der Wunsch nicht verargt ward, daß ein freies Griechenland sich wieder erhebe (S. 359), ohne zu bedenken, daß wie Hegel (Phil. d. Gesch. S.9) schon sagt: „Im Gedränge der Weltbegebenheiten hilft nicht ein allgemeiner Grundsatz, nicht das Erinnern an ähnliche Verhältnisse, denn so etwas, wie eine fahle Erinnerung, hat keine Kraft gegen die Lebendigkeit und Freiheit der Gegenwart"; ohne zu bedenken, daß Israels Beruf durch Lehre, Schrift und Geschichte anders bestimmt sei, als der der Griechen. — Aber meint Hr. Fr. (S. 363) „die Idee der Selbstständigkeit hat Lebenskräftiges, erhöht die Anhänglichkeit an den Glauben und die Glaubensbrüder, begeistert zur Freiheit, zur Thatigkeit und lehrt Sklavensinn und Selbsterniederung vermeiden. Wahr, sehr, wahr! und die Israeliten haben es in den Makkabaischen Freiheitskriegen bewiesen, wie groß und unendlich die Macht des Glaubens an eine politische Selbstständigkeit ist, wie begeisternd die Hoffnung auf eine freie Volksthümlichkeit auf die Gemüthec der Unterdrückten zu wirken vermag. Allein der Glaube an eine nationale Selbstständigkeit, die Hoffnung aus eine freie Volksthümlichkeit ist seit damals aus Israel geschwunden, und, wie ich mit göttlicher Hilfe bald in einer größeren Arbeit „das Judenthum in seiner Idee und in seiner Erscheinung" nachzuweisen Gelegenheit haben werde, mußte schwinden, so Israel den Beruf seiner Erwählung erfüllen und seine und der Welt Erlösung herbeiführen sollte. Hc. Fr. fährt (S. 361) fort: „diese Idee greift unmittelbar ins Leben ein und hat unstreitig viel Kräftigeres als die Resignation, die Alles dem Himmel anheimstellt; sie.hat aber auch mehr Berührungspunkte mit dem Leben und steht ihm näher als die Idee, des Priester re ich es". Dem ist geradezu zu widersprechen. Im Leben der Juden findet diese Idee schon seit achthundert Jahren keine Berührungspunkte mehr und statt aller Weitläufigkeiten mögen hier die Worte eines Mannes angeführt werden, die von ganz Israel als unbezweifelte Wa hr hei ten angenommen werden, ich meine die Worte R. Jehuda Ha-Levi's in seinem weltberühmten Buche Kusari Theil II. §. 23 u. 24 (S. 128 —131 meiner und Cassel's Ausgabe) ^). Nachdem daselbst der israelitische Meister seinem königlichen Convertiten alle nur möglichen Vorzüge Palästinas geschildert und die beseligenden Erinnerungen und Hoffnungen, die sich an dies heilige Land knüpfen, dargethan und durch Bibel- und Talmudstellen bekräftigt hat, läßt der Vers, den Kusari fragen: nm p DK tiDwn mn mpon -jnftiD d^d nrin jw >T)in nimm wn n*o fron o pa V Drn^öw.nnw ‘pn nn irn rfcyo rb rv*n n1? row nawn o pDani „demnach thust du ja deinen Pflichten gegen das Gesetz Abbruch, wenn du nicht diesen Ort zum'Ziele deines Strehms, zu deiner Wohnung machst. Und doch sagst du: „ „Erbarme dich über Zion, denn es ist das Haus un- 3) Er schrieb den Kusari km Jahre 1140 und schon bei den Alten heißt es ♦ nDK D^?n mW '*1 nDY'. —

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