Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 37 (6.9.1842)
- Date
- 1842-09-06
- Page
- Seite 294 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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294 ßert haben, wie vor Kurzem seine Gegner, die Gemeindevorsteher. Warum kommt dies aber jetzt erst zum Vorscheine? — Uebrigens ist es kaum glaublich, daß Hoffmann die Materialien zu seinem Aufsatze erst nach dem 13. Juni gesammelt habe. Ware dies aber der Fall, warum blieb er nicht bei seiner brieflich ausgesprochenen Ansicht? In Bezug auf die Rabbinerwabl sechint in Berlin wenig Einigkeit zu herrschen, wie dies unter Anderm aus einer Einsendung in der Bert. Voss. Zeit, vom 18. August hcrvorgeht, wo sich ein Zweiunddreißiger (wohl ein Wähler?) über die unnütze Mühe des Wählens Lustig macht, da höheren Ortes (vom Vorstande?) bereits Herr Frankel (Dr. Frankel?) zum Rabbiner auserkoren sei. Auch in Breslau herrscht der unheilvolle Zwiespalt noch immer fort und eine Streitschrift wird von der andern verdrängt. Ich halte daher den Versuch, der in der H. N. Z. vom 18. August (von in. p. ** aus Schlesien) gemacht worden ist, die beiden Parteien mit ihren gegenseitigen Vorwürfen darzustellen, nicht für überflüssig. Man hat hier hin und wieder an dem Ausdrucke yicta causa Anstoß genommen und ihn durch ecclesia pressa ersetzt sehen mögen: aber der letztere Ausdruck dürste auf die Juden in so fern nicht paffen, als ihnen freier öffentlicher Gottesdienst gestattet ist; außerdem dachte der Vers, wohl an das bekannte yiclrix causa Biis placuit, sed yicta Caloui. — Außer der neuen Trennung unter den Breslauer Juden selbst dauert noch die alte kaufmännische Absonderung von den Christen fort. Bekanntlich kam das Verbot der Benutzung der Börse durch die jüd. Kaufleute in Breslau bei Gelegenheit des letzten königlichen Besuches zur Sprache. Da nun die Regierung die christlichen Kaufleute nicht zum Nachgeben zwingen kann, so sollen (nach der Spen. Zeit, vom 16. Aug.) die jüd. Kaufleute die Gründung einer eigenen Börse (eines Geschäfts-Versammlungs- Lokals) beabsichtigen. — Die bereits gemeldeten Todesfälle des Dr. Creizenach in Frankfurt a. M. und des H. Hartwig von Essin hier haben auch in andern Zeitungen (der erstere in der A. A. Zeit, vom 15. Aug. ausführlicher, der andere in der Voff. Zeit, und in der A. A. Z. vom 15. Aug.) von dort und von hier aus Erwähnung gefunden. — In der Beilage zur Voff. Z. vom 17. August ertönt der Stoßsiufzec eines Altgläubigen über die neuen Rabbiner, deren Emporkommen in Berlin er zu fürchten scheint. — Auf die Broschüre von Sachs (nicht Sachse) und Waller (nicht Wallor) kommen Sie wohl ausführlicher zurück. Auch der neue in Wien erschienene Kalender für Israeliten hat bereits in der Wiener Theaterzeitung No. 193 eine Analyse und vortheilhafte Beurtheilung erfahren. -- Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Gegenwart. Das Testament des Herrn Isaac Hartwig, genannt v. Essen, Oblrvorstehers der jüd.. Gemeinde und Mitglieds der Cultuscommission in Hamburg, (st. Aug. 1842.) Meinem Versprechen gemäß, theile ich Ihren Lesern hierdurch die genauern Data über das Testament des Herrn von Esten mit. Ich glaube dieser Mittheilung, hauptsächlich zur Erklärung des nähern Inhalts des Vermächtnisses, folgende Bemerkungen voranschicken zu müssen: 1) Herr von Esten war in Dänemark, und zwar zu Fried ericia geboren. 2) Der Verstorbene war ein strenger Anhänger des „alt- und rechtgläubigen Iudmthums," wie er es selbst in seinem Testamente bezeichnet. 3) Er war ein abgesagter Gegner jeder von der Form und dem Inhalte der Gebete abweichenden Reform, wiewohl er die in die Synagoge eingedrungenen und durch Indolenz zugelaffenen Mißbräuche abgestellt, wissen wollte. 4) Er war als Däne oer Emancipation überaus zugethan, wie aus manchen beiläufigen Aeußerungen, die er in den letzten Jahren seines Lebens gethan deutlich hervorgeht. Daran sollten sich recht viele seiner orthodoxen Glaubensgenossen ein Beispiel nehmen. Res. selbst hörte wenige Wochen vor seinem Tode ein mißklingendes Urtheil über die beabsichtigten preußischen Regierungsmaßregeln und eine beifällige Aeußerung über den beharrlichen und allseitigen Widerstand gegen .dieselben aus seinem Munde. 5) Herr von 'Essen lebte in der letzten Zeit von seiner geisteskranken Frau getrennt und hinterläßt keine Kinder. 6) Seine zahlreichen Wohlthaten beginnen seit 1839, dem Todesjahr seines Bruders, den er beerbte.