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Der Orient · 1842-09-06 · Heft 37 (6.9.1842) · p. Seite 292

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 37 (6.9.1842)
Date
1842-09-06
Page
Seite 292 (sequence 7)
Language
German
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292 zur Freiheit ihm nicht schadet. Trotz der Emancipation hat sich das Iudenthum in Kurhessen erhalten. Demnach sind auch die auf falschem Wege, die da vermeinen, das Iudenthum sei eine Ruine, die vom Luftzuge germanischer Freiheit angeweht, zusammensi'nken und deren Trümmer gänzlich verschwinden würden. Von seiner Amalgamation mit dem Christemhume kann aber auch bei vollständiger Emancipation nicht die Rede sein. — Nach einer größeren Korrespondenz der L. A. Z. v. 24. Aug. ( Qp SBecItn) liegt der Gekger-Tiktinsche Streit jetzt der geistt. Behörde (d. h. wohl dem Berliner Oberconsi'storium) zur Entscheidung vor. Man glaubt zwar nicht an ein. günstiges Resultat für Tiktin, findet aber doch auch Geigers Ansichten mit der Würde und dem Ernste echter Religiosität wenig verträglich. Der (sehr willkürliche) Schluß, den sich der Cocresp. aus. dem ganzen Streite zu ziehen erlaubt, lauft auf die Empfehlung eines jüd. Consi'storiums und eines konfessionellen Gerichtes, besonders aber auf Gestaltung von Cocporationen hinaus. — Die Rhein. Zeit, vom 22. Aug. theilt aus Berlin mit, daß dort kürzlich ein Jude bei der Stadtverordneten-Wahl auf.die Liste gekommen und durch die Majorität gewählt worden sei. Der Vorsitzende habe aber die Wahl wegen der Religion des Gewählten annullirt, worauf sofort die jüd. Wähler aus der Versammlung mit dem Bemerken geschieden waren, daß sie in Zukunft bei gleicher Veranlassung nicht mehr erscheinen würden. — Allmahlig tritt Alles/ was sich den erhabenen Zeitideen anschließt, auf unsere, Seite. Bald wird es. dahin gekommen sein, daß.die Juden nicht mehr um ihre Vectheidigung besorgt zu sein nöthig haben werden. — In der Denkweise.der philosophisch-, kritisch- und politisch-publicistffch reg- und strebsamen Geister Deutschlands bereites sich ein merkwürdiger Umschwung vor, der das bisherige Urtheil über die Stellung und die Bedeutung der Juden inmitten der europäischen Civilisation über den Haufen werfen wird. Schon jetzt nehmen christliche Schriftsteller jede Gelegenheit wahr, um ihre Ansicht über die Emancipationsfcage klar und unumwunden auszufprechen, während man vor noch 10 Jahren die Erscheinung gewahrte, daß von demselben Thema in Zeitungen und bei festlichen Zusammenkünften nur leise, ängstlich, blöde, mit sichtbarer Scheu vor Unpopularität die Rede war. Die Sache der Juden hat aufgehört ein Noli me tangere §u fcm. Während früher selbst liberale Zeitungen jedem Aufsatze zu Gunsten der Juden ein kleines ^ntiäoturn Nachfolgen ließen und nach der ersten jüdischen Replik den Streit durch die Erklärung beseitigten, der Unpartheilichkeit nunmehr hinlänglich Genüge geleistet zu haben, zieht man jetzt die schwache Logik, das heillose Borurtheil, die giftigen Schlußfolgerungen zu wiederholten Malen und immer unbarmherziger vor das Forum der öffentlichen Kritik und Mcral. — Ein Beispiel dieses lobenswerthen Dranges, in den verschiedenartigsten Combinationen der jüdischen Sache zu gedenkenliegt uns eben in dem nenesten Hefte der „Preußischen Provinzialblatter" (Archiv für vaterländische Interessen oder Preußische Provinzial-Blätter. Herausgegeben von O. W. L. Richter. Neue Folge. Jahrgang 1842. Erstes oder Juli - Heft. Königsberg 1842 bei Theod. Theile. 80 S. 8.) vor Augen. In einem Aufsatze über die Zigeuner heißt es dort (S. 25): „Wenn die Schilderung, welche die Chroniken jener Zeit (des 15ten Jahrhunderts) entwerfen, noch nach 4 Jahrhunderten Zug für Zug auf unsere heutigen Zigeuner paßt, so'begegnen wir, zur Rechtfertigung des Interesses, welches dieses. Volk stets in Anspruch nahm, zunächst einer uralten, mit den tiefsten Zügen eingeprägten Nationalität; daß sie nur der Orient verleiht, dafür liegt uns ein anderes Beispiel nahe. Jahrtausende hindurch wurde .den Juden' die Volkschümlichkeit durch eine gleichsam , inkrustrirende Gesetzesreligion bewahrt, der die Schrift , eine unerschütterliche Grundlage bot; darum nannte sie Mahomed Volk des Buches und Hegel Volk des Geistes. Völlig in sich abgeschlossen, verachteten die Juden im krassesten Nationalegoism alle Anderen, so wurden sie die allgemein Verachteten und nothwendig verächtlich." Und S. 30 sagt derselbe Verfasser in der nämlichen Abhandlung: „Ein Merkmal unserer Zeit ist die Richtung nach dem Gleichförmigen. Durch die erleichterte Wegeverbindung kommen die Entferntesten in nächste Berührung, nehmen von einander an, legen gegen einander ab, bis zuletzt einer genau wie der andere aussieht, ohne daß-Vaterland,. Stand, Beschaftigung, Wissen und Glauben die geringste Variation hervocbringt. In wie vieler Beziehung ist die nähere Verbindung der Menschen vortrefflich und ersprießlich; aber es bleibt gewiß, daß Europa immer einförmiger, langweiliger, daß es unpoetischer wird. Bald werden wir auch keine Juden mehr haben, diese so hochinteressanten Orientalen : und wenn man nur von ganzem Herzen ihre volle Emancipation wünschen kann, — es bleibt dennoch Schade um die Juden!"...— Diesem Uctheile reihe ich das einer hochgebildeten christlichen Dame an, die sich über die Juden (in Amsterdam) also vernehmen laßt: „Die Juden bewohnen, wie in Frankfurt a.. M. einen eigenen Stadttheil. Das schachernde, eigenthümliche Volk, das weder rücknoch vorwärts schreitet, das von einem Tage zum andern lebt, immer hofft, immer arbeitet, immer wartet, das die Sitten des Orients in den Norden verpflanzt hat, zählt hier an 22,000 Köpfe. Ich möchte , für meinen Theil, daß die Juden emancipirt würden, sie würden anders, besser, edler, kühner, großmüthiger sein, wenn sie. freier waren. Es ist mir oft gewesen,'als seien wir Christen selbst Schuld an all dem Kleinigkeitsgeiste, über den wir uns,, den Juden gegenüber, beschweren. Man sperre eine Pflanze in einen engen, schattenreichen, kalten Ort, oder man gebe ihr

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