Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 37 (6.9.1842)
- Date
- 1842-09-06
- Page
- Seite 291 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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291 sicht also dazu gehört, hier mit Erfolg aufzutteten, wird Jeder leicht selbst einsehen. Die herannahenden Festtage lassen aufs Neue und recht lebhaft einen Uebelstand empfinden, der sich schon in früheren Jahren fühlbar machte, die Beschränktheit nämlich unsrer Synagogenraume. Für den gewöhnlichen Besuch an Sabbat- und andern Festtagen reichen sie vollkommen aus, treten aber mit den „furchtbaren Tagen" des Frömmigkeits-Paroxismus auch die Jndifferentisten an, dann kann die . große Gemeindesynagoge kaum das Drittel der Mitglieder faffen, und die übrigen müssen sich dann auf die bestmöglichste Weise durch den Besuch kleiner Privatsynagogen behelfen. Der Vorstand hat, wie man hört, diesen Uebelstand jetzt ernstlich in Erwägung gezogen und geht mit dem Plane um, ein neues, großes Gotteshaus zu errichten. Einstweilen müssen wir es frommen Privatleuten Dank wissen, wenn sie in ihren Hausern Raume zur gottesdienstlichen Benutzung eröffnen. So hat ein Herr Liebermann in seinem neuerbauten Hause eine sehr geschmackvolle, und ziemlich geräumige Synagoge statt einer früheren engen und dumpfen Betclause errichten lassen; am nächsten Freitag wird, wie wir hören, die Weihung stattsinden, und ich werde nicht saumen, Ihnen darüber zu berichten. Hamburg, 25. Aug. (Wochenbericht über jüdische Verhältnisse. 18—25. Aug.). Von Dr. Pinners Talmud mit der Uebecsetzung ist jetzt Bd. I. 93 Bogen Folio erschienen. — In der L. A. Z. vom 14. Aug. (ebenso in der Berl. Voss. Zeitung 33. Aug. und in der Beil, zur Spen. Zeit, vom 15. Aug.) findet sich ein Inserat mit der Unterschrift: Mehrere Mitglieder der hiesigen (Berliner) Gemeinde, in welchem sich dieselben für eine ausgedehntere Konkurrenz um das Oberrabbinat in Berlin erklären und außer den beiden bisher Vorgeschlagenen fden Doctoren Frankel (in Dresden) und Holdheim (Schwerins besonders die Herren Dr. Adler (Hannover), Wolff (Kopenhagen) und vor Allem wegen seiner Verdienste um das Schul- und Erziehungswesen und seiner geistlichen und gelehrten Befähigung Dr. Herxheimer (in Bernburg) unter die Zahl der Bewerber ausgenommen zu sehen wünschen. — Ein am 28. Decbr. 1841 geschehener Erlaß des großherzogl. badischen Ministeriums des Innern, der vor wenigen Tagen von Freiburg im Breisgau aus durch die großherzogl. badische Regierung des Rheinkceises veröffentlicht wurde, erklärt die Juden für nicht verpflichtet, zu den Kosten für die Unterstützung der christlichen Armen beizutragen. —• Das Journal des Debats. vom 11. Aug. bringt in seinem Feuilleton eine F. Barriere Unterzeichnete Recension über mehrere numismatische Werke. Eines derselben, dessen mit vielem Lobe gedacht wird, rührt von Edmond Halphen in Paris her und führt den Titel: Polices snr le Diamant, PEmeraud, ie Rubin, les Turquoiscs, les Perles imes und verdient hier nicht etwa nur feines jüdischen Verfassers wegen, sondern auch wegen der Bemerkungen erwähnt zu werden, die sich auf die Kenntniß und Geltung der Edelsteine bei den alten Hebräern (wahrscheinlich auch über den Handel und das Verfahren mil denselben bei den späteren Juden) beziehen. — Der wie es schien, bereits ins Stocken gecathene Kampf gegen den Artikel des Dr. Hermes in der Kölnischen Zeitung vom 6. Juli ist jetzt wieder in vollem Gange. Dr. Hermes hat nämlich wiederum, und zwar noch leidenschaftlicher und widersinniger, am 30. Juli geantwortet; daraus hat die Rhein. Zeit, eine Erwiederung von Dr. Philippson in Magdeburg (wo, beiläufig erwähnt, jetzt schon 22 Expl. der Rhein. Zeit, gehalten werden) erhalten, die aber erst nach geschehener Abkürzung in derselben erscheinen soll. Einstweilen spricht sich ein altgläubiger Jude in der Beilage zur Rhein. Zeitung Nr. 226 vom 14. Aug. ** aus Hannover mit Ernst und Würde gegen Dr. Hermes aus, den Vorwurf des Christenhasses von allen Juden ohne Unterschied der rituellen Ansicht abwälzend. — Weit ausgezeichneter und für jeden Juden lesenswerth ist der Aussatz: die Sache der Juden von Dr. Karl Nauweck in dem Beiblatte zu derselben Nummer (226) der Rhein. Zeitung, der auch im Orient abgedruckt wird. Wir reichen dem wackern Kämpfer brüderlich die Hand, der unsere Sache direkt neben die der Preßfreiheit stellt. Auch hier wird gegen Hoffmann gestritten. — Kalender und Jahrbuch für Israeliten auf 5603 ist so eben in Wien mit Beiträgen v» Dr. Philippson, Dr. Jost, Joseph Wertheimec (in Wien), Mannheimer (eine Predigt), Dr. M. Sachs (in Prag), Ludw. Aug. Frankl (dem Sänger des Colombo, Red. des Sonmagsblattes tt. in Wien), M. E. Stern und Dr. Jacob Auerbach erschienen. — Als ein gewiß alleinstehendes Faktum ist zu erwähnen, daß Prof. Valentin in Bern sicherlich als der erste Jude im Schweizerlande, der diese Auszeichnung erfuhr, kürzlich ein Fackelständchen und ein Lebehoch von den Studirenden erhielt. — Mit Bedauern haben wir den am 1'/. Aug. erfolgten Tod des Landrabbiners Romann in Cassel vernommen. Der Verstorbene hatte fein Amt etwa 6 Jahre bekleidet. Ungeachtet er den Gottesdienst wider Erwarten Vieler meist in der alten Weise fortbestehen ließ, zollte man doch seiner gewissenhaften Frömmigkeit allgemeine Anerkennung. Schon aus seiner Wahl, noch mebr aber aus seiner Amtsführung geht deutlich die Grundlosigkeit der von manchen Seiten gehegten oder bloß singirten Furcht hervor, als müsse die Emancipation die Grundfesten des Judenthums erschüttern. — Das Judenthum beweist aber dadurch, gleich dem Individuum, seinen Charakter, daß ihm Glück und Unglück nichts anhaben können, ja daß-selbst ein plötzlicher Wechsel — das gefährlichste Experiment bei dem Uebergcmge aus der Knechtschaft 37 *