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Der Orient · 1842-09-06 · Heft 37 (6.9.1842) · p. Seite 290

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 37 (6.9.1842)
Date
1842-09-06
Page
Seite 290 (sequence 3)
Language
German
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290 ster Winter aufweisen können, -- „daß Ln den 40 Jahren ihrer Gleichstellung die Juden sich in allen Fächern menschlicher Lhätigkeit hervorgethan, ausgezeichnet und die 3^r- Läumdungen ihrer Gegner auf das siegreichste wiederlegt hätten." — Ein leichtsinniges Land dieses Frankreich! — Hr. Z. also gehr nicht auf die einzelnen Punkte der Rechtsungleichheit ein, sondern er berathet, als handle es sich erst darum, den ersten Juden in Waden aufzunehmm. Diese lobenswerrhe Gründlichkeit macht ihn auf der andern Seite sehr ungründlich. — Seine erste Frage ist: wollen die Juden wirklich die Emanzipation? — Dieser Einwurf ist zwar nicht ganz neu, aber — in der Thal! — er scheint mir doch die Frucht einer über alle Grenzen hinausgehenden Gewissenhastigkeit. Ich bin überzeugt, daß, wenn die Juden dieselbe wirklich nicht wolllen, man ihnen dieselbe gewiß schon aufgedrungen haben würde. Wenn diesesmal nur eine Stadt darum petitionirt hat, so geschah das, weil es jetzt nur noch darauf änkommt, den Anstoß zur Verhandlung zu gehen, da die anderen Gemeinden schon so oft und so zahlreich ihre Ansprüche und Bitten geltend gemacht hatten, und man den Juden im Gegentheil nur allzuviel Rührigkeit und Aufdringlichkeit für ihre Sache vorwirft. Gottlob! so erniedrigt sind die Juden nicht durch den Druck, dessen schändliche Folgen allerdings nur durch den Kampf um die Freiheit ausgewogen werden, daß sie diese nicht schätzen, ersehnen, und um alle Güter der Erde erkaufen sollten Diejenigen, welchen die Emanzipation kein egoistisches Interesse ist, bleibt sie doch ein allgemeines; aber die wenigen Herrmhuter-Seelen unter den Juden, welchen das öffentliche Leben oder die Gemeinschaft mit der Nation ein Gräuel wäre, werden freilich die Vortheile der Emanzipation nicht genießen, sie wird ihnen aber auch keine Nachtheile bringen. Und diese haben eben so wenig mitzusprechen, als die Elenden aller Nationen, welche aus Liebe zum Geistesdruck ihre heiligsten Interessen selbst verrathen. Haben die Griechen kein Recht auf die Freiheit besessen, weil etliche Kodjobachils sich den Türken verkauften?! — Und sollen denn die einzelnen Juden nach der Majorität emanzipirt werden, oder verlangt für die Gewissensfreiheit an sich ein Recht für das Judenthum, ein Rechts welches eben so wohl den Christen gehört und selbst zu Statten kommt! — Denn es ist das entschiedenste Interesse eines vernünftigen Christenthums, hier eine Religionsfreiheit anzuer- Lennen, deren Nichtanerkennung den Geist der Unduldsamkeit und des Pietismus erzeugt, dessen natürlichste Folge das entgegengesetzte Extrem ist, Auswüchse nemlich, wie die „Freien" in Königsberg und Berlin. Angenommen, daß das ganze Christenthum wirklich meiner solchen Entwickelung zueilte, — worüber ich mir natürlich kein Urtheit erlauben darf, — so wäre dagegen von Staatswegen nicht einzuschreiten. (Beschluß folgt.) Deutschland. II föetlt-n, 30. Aug. Die Verhandlungen, welche den ersten TheiL der gestrigen Sitzung des Wahlcollegiums füllten, bezogen sich wiederum auf bereits erörterte Gegenstände und sind zu wenig interessant, als daß es der Mühe verlohnen sollte, sie zu berichten. Nachdem man die Liste der Wahlcandidaten dadurch verringert chatte, daß nur diejenige:;, zum Ballotement gelassen werden sollten, die mindestens 5 Stimmen (durch Aufstehen und Sitzenbleiben entschieden) für sich hätten, schritt"man zur eigentlichen Wahl. Aus der Reduction war die Liste folgender Gestalt hervorgegangen: Frankel, Herxheimer, Sachs, Adler, Wolfs. Ueber diese Herren wurde ballotirt und es hatte Sachs sieben weiße Kugeln, Wolff acht, Herxheimer zehn, Adler siebenzehn, Frankel zwei und dreißig (gegen drei schwarze Kugeln). Zwei Wähler, die Herren Rieß und Alexander Mendelssohn enthielten sich bei der Abstimmung über Frankel der Abgabe ihrer Kugeln. So war also die Wahl mit ziemlich entscheidender Majorität auf den Mann gefallen, den man schon langst allgemein dazu designirt glaubte. Der Vorstand erklärte, daß er sofort bei dem Dr. Frankel die nöthigen Schritte rhun, und von dem Erfolg derselben die Gemeinde benachrichtigen werde. Hoffen wir, daß Dr. Fr. nicht durch Ablehnen des ihm zu machenden Antrages unsre Gemeinde neuen Wahlumtrieben Preis geben werde; denn wenn diese auch das Gute hatten, die allgemeine Theitnahme wiederum auf das Iudenthum, das man entweder vornehm ignoricte oder wirklich im Drange der Geschäfte vergessen hatte, hinzulenken, so haben doch andrerseits Leidenschaft, Partheisucht, Obscurantismus und Egoismus die Gelegenheit nicht versäumt, sich geltend zu machen und eine Verhandlung, welche die heiligsten Interessen Israels betraf, mit niedern Zwecken zu confundiren. Hoffen wir ferner, daß mit dem Erscheinen des Dr. Frankel ein Geist des Friedens und der Versöhnlichkeit in die Gemeinde einziehe, und von der einen Seite keine affectirte Gleichgiltigkeit, von der andern keine böswillige Oppositionssucht sich seinem Wirken entgegen stelle. Hoffen wir aber auch, daß Dr. Fr. es sich angelegen sein lassen werde, den Geist unsrer Gemeinde kennen zu lernen und den Standpunkt unsrer religiösen und socialen Verhältnisse richtig auszufassen, nur wenn er das thut und danach seine Handlungen regelt, kann ihm ein gesegnetes Wicken in Aussicht gestellt werden. — Die Berliner Gemeinde ist, eine die man sui generis nennen könnte, in Rücksicht auf die heterogenen Elemente, die sie vereint: krasse Orthodoxie neben entschiedenstem religiösem Nihilismus und allen möglichen andern consesstonellen Schattirungen, erstaunlichste Unwissenheit und feinste sociale und gelehrte Bildung, .kurz überall Entgegengesetztes und Getrenntes und in alle dem nur ein einziger allgemeiner Zug, der zu witzeln und zu widersprechen. Wehe dem, der das Unglück haben sollte, hier durch irgend einen persönlichen Mangel, durch irgend einen äußerlichen, auch noch so unbedeutenden Verstoß noch Gegenstand der Spottsucht geworden zu sein; ihm ist jede weitere Wirksamkeit abgeschnitten, wenn erst ein don mol eines berühmten Witzboldes über ihn circulirt, denn es fehlt dem Berliner überhaupt an jener unbefangenen Fröhlichkeit, die lachen kann und den belachten Gegenstand dennoch ehrt, wenn er es verdient; ihm ist verlacht und moralisch zertreten ein und dasselbe. Wie viel Vor-

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