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Der Orient · 1842-09-03 · 36 (3.9.1842) · p. Spalte 565-566

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
36 (3.9.1842)
Date
1842-09-03
Page
Spalte 565-566 (sequence 3)
Language
German
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565 Dr. Formstecher: Die Religion des Geistes. Literarische Correspondenz: Creizenach. 566 Welt geäußert hätte; daß die Schöpfung der Welt ein Akt der puren Willkühr Gottes war? Wahrlich weiter nichts als die pure Willkür unseres Verfassers; avzog ecpct, weiter wüßten wir nichts hier anzuführen. Mit der Bescheidenheit, von Gott nichts wissen zu können, hat es bekanntlich auch wenig auf sich;! denn sie hört ja in demselben Augenblick auf, Bescheidenheit zu sein, als sie sich so bescheiden gebärdet; sie versichert uns ja, daß es der Weltseele auch ein Leichtes gewesen wäre, NrchttWelkseele zu sein, d. h. sie weiß - viel mehr als die andern Menschenkinder von Gott zu wissen sich bescheiden. Im Grunde ist es weiter nichts als der allbekannte cosmolvgische Beweis fürs Dasein Gottes, den unser; Verfasser uns giebt, nur auf moderne Weise zugestutzr. ^Das Neue nämlich soll das sein, daß auch vom Menschen ausgegangen und Gott zur Ursache des Selbstbewußtseins und der Willensfreiheit gemacht wird und daß dann die alte anselmsche Redensart, die bei unserm Vers, eben nur Redensart bleibt, mit unterläuft: Gott muß diese Eigenschaften, Freiheit und Selbstbewußtsein, besitzen, sonst wäre er ja unvollkommener als der Mensch. Es ist dieses nur eine Redensart, denn wenn, wie gesagt, Gott nur als Ursache dieser Eigenschaften begriffen wird,- so berechtigt schon die einfache Einsicht in das logische Verhältniß von Ursache und Wirkung nicht mehr, Gott auch noch diese Eigenschaften anderswo als in der Menschheit zuzuschreiben. Gott ist nicht unvollkommener als der Mensch, denn er besitzt diese Eigenschaften, aber nur in der Menschheit; er besitzt die Menschheit; sie ist nichts ohne ihn, aber er ist nur, insofern er in ihr ist: das ist die Consequenz der Vordersätze der Verfassers und sein Protesticen muß als subjective Will- , kür bei Seite geschoben werden. Freilich das Judenthum ist vom Standpunkte des Pantheismus aus unbegreiflich; aber auch das Judenthum hat zu beten: Herr bewahre mich vor meinen Freunden, mit meinen Feinden will ich schon fertig werden; es verschmäht durch solche Unphilosophie, wie sie unser Verfasser uns giebt, sich vor der Wissenschaft zu legitimiren. (Beschluß folgte Literarische Correspondenz. Creizenach und seine Bedeutung im Judenthume.) „In den Werten des Menschen, wie in denen der Natur, sind eigentlich die Absichten vorzüglich der Aufmerksamkeit werth." Frankfurt a. M. im August. Das ominöse Jahr 1842, welches heimtückisch der menschlichen Gesellschaft so *■) Mitgetheilt von einem Freunde der jüdischen Wissenschaft und des vernünftigen Fortschrittes im Judenthume. Red. tiefe Wunden schlug, bald durch des Feuers verheerendes Element die Habe und Schätze Vieler verzehrte, bald durch den unerbittlichen Tod so manche leuchtende Fackel verlöschte, verlangte auch in unserer Gemeinde ein Opfer, welches das schwarze Verhängniß gerade aus den edelsten Söhnen der Zeit sich erkor. Dr. Michael Creizenach, geboren zu Mainz am 16ten May 1789, starb den öten August 1842 zu Frankfurt a. M. wo er seit 1825 als Prediger und Religionslehrer an der Bürger- und Realschule angestellt war. In mehreren der verbreitetsten Blättern Deutschlands wurden bereits seinem Andenken wohlverdiente Denkmäler gesetzt, und durch verschiedene Nekrologe, von knudiger Hand verfaßt, sein Name ins Buch der Geschichte eingeschrieben. Seine Leistungen im Gebiete der jüdischen Theologie, die daselbst nur summarisch, als etwas Untergeordnetes, erwähnt sind, verdienen jedoch in diesen, der jüdischen Wiffenschaft gewidmeten Blättern eine besondere spezielle Erwähnung. Wir versuchen daher als Ergänzung zu den verschiedenen Nekrologen, eine skizzirte Ueberschau seiner Schriften zu geben. Außer den zerstreuten Aufsätzen in dm verschiedenen jüdischen Zeitblättern hat Creizenach folgende Schriften herausgegeben. 1) Geist der Pharisäischen Lehre, eine Monatsschrift. Mainz 1824. 8. Aus Mangel an äußerer Theilnahme erschienen von dieser Monatsschrift nur 6 Hefte. 2) 32 Thesen über (besser: gegen) den Talmud. Anonym. Franks. 1831. Betrachtungen über dieselben erschienen von Dr. Dernburg. (wo? Red.) 3) Vorläufige Bemerkungen gegen Dr. Paulus, (wo? Red.) 1831. Diese Brochüre rief das bekannte Pamphlet: „Die richtige Mitte" hervor. 4) Schulchan Aruch, oder encyclopädische Darstellung des mosaischen Gesetzes, in 4 Theilen. Ister Theil: Thariag. 1833. 2ter Theil: Schurath Haddin. 1839. Diese beiden Schriften, die das Resultat seiner Forschungen für das praktische Verfahren darlegen, haben manche Gegenschriften hervorgerufen und in den jüdischen Zeitblättern eine heftige Polemik veranlaßt. Von Dr. Geiger wurden diese Schemen rezensict in seiner theol. Zeitschrift 2 u. 4. 3ter Theil: Chisuk hathora. 1839. In 9 Abschnitten werden verschiedene Fragen erörtert, welche die Grundsätze der Reformen von talmudischem Gesichtspunkte entwickeln; zugleich werden auch die Einwürfe der Gegner erledigt. . 4ter Theil: Dorsche Hadoroth, oder Entwicklungsgeschichte des mosaischen Ritualgesetzes. 1840. Rezensirt wurde dieses Werk von Dr. Jost in den Annalen und von Jolovicz im Lit. Blatt des Or. 1840. No. 34—38. 5) Chesbon Hanefesch. 1840. Religiöse Betrachtungen zum Gebrauch der Bußtage. 6) Chinuch libne Mizwah, Stunden der Weihe für israel. Konfirmanden 1841. Rezensirt von Dr. Landau im Litt.- Wlatt des Orients No. 34 u. 35. 7) Sc fob Mo rah von Jbn- Esra, den Text nach einem heidenheimischen Exemplar emendirt, mit deutscher und lateinischer Uebcrsetzung. Ff. a. M. 1831. Aus allen seinen Werken geht das rühmliche Streben hervor, das Judenthum, unter Entfernung aller hinzugekommenen fremdartigen Bestandtheile, auf seine ursprüngliche Reinheit zurückzuführen, so'daß solches, von allen beengenden Formen befreit, mit der gegenwärtigen Kulturstufe und mit den Begriffsformationen der Neuzeit harmonirend, die Herzen der Indifferenten und Ungläubigen wieder für sich gewinne. Der allgemeine Charakter dieses neuen Religionssystems beruht 30*

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