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Der Orient · 1842-09-03 · 36 (3.9.1842) · p. Spalte 563-564

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
36 (3.9.1842)
Date
1842-09-03
Page
Spalte 563-564 (sequence 2)
Language
German
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563 Die Religion des Geistes, von Dr. Formstecher. Beurtheilt von Dr. Samuel Hirsch. 564 nicht ihr Wesen."2) „Sie selbst muß immer als existent, obgleich nicht wahrnehmbar gedacht werden, wenn sie auch diese Fähigkeiten — nämlich alle Kräfte, welche, als Erscheinungen wahrgenommen werden, die ganze sinnliche Welt — nicht enthüllt und entäußert. Der Träger der Welt an sich ist nicht Leben, aber auch nicht Tod (sic), er behauptet ein Sein auf eine uns unerfaßbare Weise rc. " „Der Träger aller Erscheinungen hat ein Dasein, wenn auch alle Erscheinungen hinweggedacht werden." „Zu den erscheinenden Kräften der Weltseele, welche sie auf Erden manifestirt, gehört auch der Mensch. Insofern nur. er und' keine andere Kraft der auf Erden sich manifestirenden Weltseele, um sich selbst weiß, kann er als die zum Bewußtsein gekommene Erdenkraft (Schellingianisch) betrachtet werden." „Die Weltseele, welche in dem Menschen als Selbstbewußtsein und dadurch als Selbstbestimmung bei ihren Thätigkeiten sich darstellt, muß diese Eigenschaften, um sie als wahrnehmbare Kräfte erscheinen lassen zu können, für sich selbst besitzen, wenn sie dieselbe auch nicht im Menschen geoffenbart hatte." Eine Seite vorher hat der Verfasser das Verhältnis; von Kraft und Erscheinung,- daß „beide eins und dasselbe sind und nur getrennt in unserem Abstraktionsvermögen" richtig angegeben. Doch hier spricht er das Gegentheil aus; sie sind nicht eins und dasselbe. Die Weltseele hat Bewußtsein, weil sie diese Kraft im Menschen manifestirt. Aber sie hat auch Bewußtsein, wenn es auch keinen Menschen gäbe. Was thut das dem Eklekticismus? Er spricht der Naturphilosophie ihr Sätze unbesehen nach und ihre Consequenzen weist er mit einem Machtspeuch ab und spricht das Gegentheil. „So ist der Träger aller Erscheinungen nicht nur physische Weltseele, sondern durch sein Selbstbewußtsein und sich selbst Bestimmen ein selbstständiger, freier Geist, er ist Gott." Später wird dem Verfasser das PrädikatG eist noch zu schlecht sein, um Gott so zu nennen. „So wie der menschliche Geist existirt, wenn er auch nicht in bildlichen Gedanken sich darstellt — (aber der nicht denkende menschliche Geist ist nur der sch lafend e) 2) Wir müssen uns schon daran gewöhnen, den Verfasser Ausdrücke gebrauchenzu sehen, von deren strikter Bedeutung er sich schwerlich Rechenschaft gegeben hat. Die Weltseele ist nicht ein Aggregat von Kräften, aber wer behauptet denn, daß die Kräfte der Weltseele ungefähr so zusammengehören, wie die Schaafe eines Hirten? Niemand anders als unser Verfasser selbst. Denn wenn die Weltseele auch dann ein Dasein hat, wenn sie sich nicht manifestirt, wenn also die Kräfte der Weltseele so lose mit ihr verknüpft sind, daß sie auch von ihr ungebraucht bei Seite gestellt werden können, so gehören sie zu ihr wie die Schaafe zu dem Hirten und kommen nur zufällig mit ihr zusammen —. der Vers, nennt das Freiheit. — Es fehlt ihnen daher ein ihnen immanentes, einheitliches Band, oder sie sind ein Aggregat. — so muß auch Gott als existent gedacht werden, wenn er sich auch keine Welt denkt, wenn er auch keine Schöpfung da sein läßt." „Gottes Eigenschaften sind für uns nur wahrnehmbar, so weit die Erscheinungen der für uns wahrnehmbaren Weltschöpfung sie uns darstellen, und da als die höchste dieser Erscheinungen sich der Mensch uns zeigt, so ist ein jedes Gemälde von Gott nur eine Apotheose des Menschen und drückt daher das Wesen Gottes nicht aus" 3). Der Verfasser schließt alsdann dieses Kapitel mit einer Ermahnung a la haut „daß der Mensch bescheiden die Grenzen seiner Wissensfahigkeit erkennen soll und überzeugt sein, daß es für ihn Probleme giebt, die er in dieser Wirklichkeit wenigstens nicht zu lösen vermag; dergleichen sind : Was ist Gott nach seinem Wesen? Wa um offenbart er sich in einer Welt (d. h. warum schafft er eine Welt? die Weltfchöpfung ist unserm Verfasser naturphilosophisch eine Offenbarung Gottes)? Gab es eine Vorschöpfungsperiode, in welcher Gott ohne Welt existirte?" Diese Frage hat aber unser Verfasser ja so eben erst bejahet. Denn da die Welt weggedacht werden kann und die Weltseele — eine coatradictio in adjecto — doch bleibt, so muß das auch einmal so gewesen sein, denn was bei Gott möglich ist, muß doch auch irgendwie wirklich werden. „Warum manifestirt er sich auf diese und nicht auf eine andere Weise? u. dergl. mehr." Durch dieses Raisonnement — wir möchten es noch Anders nennen, hatten wir nicht zu viel Achtung auch schon vor dem Streben, in die Wissenschaft des Judenchums die Philosophie einzuführen — soll also sowohl, dem modernen Pantheismus als dem alten Dualismus entgangen werden. Allein so leichten Kaufes gehet daS wahrlich nicht. Die moderne Philosophie ist keine solche Kokette, daß sie mit sich liebäugeln und dann höchst gutmüthig sich auch wieder einmal eine Untreue gefallen ließe. Es gehet nicht, sagen wir, daß man die Vordersätze des modernen Pantheismus unbesehen, weil sie Mode sind und fast zum guten Tone gehören, nachspreche und die Eonsequenzen durch Machtsprüche abweise. Der Verfasser kommt nur vermittelst der Welt zu > Gott. Weil die Welt veränderlich, alles Veränderliche aber nicht blos ein bleibendes Substrat, sondern auch j ein die Veränderungen Bewirkendes voraussetzt, deswegen j muß es für die Welt eine Weltseele, Gott, geben. Wer \ giebt nun dem Verfasser das Recht zu behaupten, daß j Gott noch Gott bleibe, wenn er sich auch nicht in der 3) Höchst sonderbar ist folgender Passus, welcher gegen die neueste Philosophie gerichtet sein soll: „Wer kann die Eigenschaften sich denken, welche Gott auf andern Planeten und Sonnen offenbart?" Allein selbst, wenn wir diese alle uns denken könnten, so wäre ja nach dem Verfasser damit Gott noch nicht erreicht; da Alles weggedacht werden-kann und Gott doch bleibt.

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