Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1842)
- Date
- 1842-09-03
- Page
- Seite 287 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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287 ders des pseudonymen Uebersetzers (Essenna) von @aU vadors Instiliilioiis de Moise et du peuple liebreu (vgl. besonders die Originalabhandlung Dr. Essenna's im drillen Bande der bei 5^)offmann und Campe erschienenen Uebertragung) ans Licht gefördert ist worden. — Es war oben einer Correspondenz aus Frankfurt a. M. gedacht worden, welche sich in derselben Nummer der Rhein. Zeit, (v. 8. Aug.) befindet, in der die von der Ocker enthalten war. Aus Frankfurt wird nämlich unterm 30. Juli (* *) ein sehr treffendes Urtheil über die falschen Angaben gefallt, die sich Hermes und der Jesuit B. Mayer (vgl. die Necension seines Buches im LB. des Orients Nr. 33) über die Sittlichkeit der Juden erlaubt haben. — An demselben Tage theilte auch noch ein Corcesp. aus Franken (A) traurige Data über die Annahme der Auswanderung unter den Juden in Franken mit. — Allgemeines Interesse erweckt eilte Necension über die Schrift E. Wallers: Welche Motive können dem neuen Judengesetze zu Grunde liegen i — als deren Verfasser (Rhein. Zeit, vom 9. Aug. Feuilleton) sich Karl Nauwerk unterzeichnet. Wie Alles, was von diesem noch jungen Autor, einem Geistesgenossen L. Buhl's (vgl. Nr. 31 des ,,Orient") herrührt, ist auch diese Necension mit kaustischer Scharfe, Witz und Wohlwollen geschrieben. Ich hoffe, daß es Ihren Lesern nicht unangenehm sein wird, wenn sie zuweilen mit den uneigennützigen, redlichen und gesinnungsvollen Verkheidigecn, die unsere Sache unter der christlichen jungem Generation sinder, bekannt gemacht werden. Einmal ist diese Erwähnung, auch wenn wir sie nicht als eine heilige Pflicht betrachten müßten, gewissermaßen eine Erleichterung für den Schmerz, dm uns Bosheit, Tücke und unverdienter Haß bei Andern bereiten, andrerseits geht daraus vor, daß wir nicht, wie es jetzt unsere Gegner thun, immer wieder unsere Argumente aus dem vorigen Jahrhunderte, aus den übrigens klaren, und nur durch Gauklerkünste getrübten Quellen, wie sie uns in Dohm, Lessing, Teller rc. vorliegen, zu schöpfen brauchen, sondern daß auch die neueste Philosophie und die Rechcsansicht der Gegenwart an unserem Kampfe Antheil nimmt und ihm mit Interesse, ja mit unmittelbar lhatig eingreifendem Beistände folg:. — Karl Nauwerck, aus dem Strelitzfchen stammend, ist Docenc an der Berliner Universität. Weite Reifen, emsige Studien des klassischen und des orientalischen Alterthums haben ihn der Sympathie für die deutsche Gegenwart und Zukunft nicht zu entfremden vermocht. Ec hat seine freisinnigen Ansichten stets mit voller Namensunrerfchrift in Riedels Athenäum l'184l), in den deutschen Jahrbüchern, in der Rhein. Zeitung, wie in einzelnen selbstständigen größeren Produktionen vertreten. Was er über Censur und Preßfreiheit in den deutschen Jahrbüchern und in einer kleinen Brochüre, was er über die alten Rechte deutscher Stände in seiner Schrift über die (alt-) preußische (ständische) Verfassung mit besonderer Hinweisung auf allgemeine Reichsstände geschrieben hat, gehört zu dem Besten, was wir über diese Materien gelesen zu haben uns erinnern. — Gerade die Verteidigung durch unabhängige, unbestechliche Charaktere thut uns Noch; denn sie setzt unsere Gegner, die sonst mit Verdächtigungen schnell zur Hand sind, in eine wahrhaft tragikomische Verzweiflung. — Nauwerk spricht sich besonders, wie Waller, gegen Jost, Hoffmann, Brand und den Judenhaß, und für die volle Emancipation und gemischte Ehen aus. — Wie haben wir uns aber gegen den Verein des historischen Christus, der sich jetzt in Berlin, Halle und Bonn gebildet hat, zu verhalten? Wenn wir uns auch nicht selbst mit der Beantwortung dieser Frage bemühen wollten, so konnte man sie uns doch leicht von anderer Seite her vorlegen. Ich glaube, wir haben mit diesem Thema gar nichts zu schaffen. Wir überlassen das der rationalistischen Theologie und der modernen Philosophie. Vielleicht kommt diesen auch die freigegebene Carricatuc oder der sprüchwöctlich gewordene Witz der Berliner zu Hilfe, der sich bereits in der Benennung: ,,Verein zum historischen Christus", wie wir den Bund irgendwo bezeichnet gelesen haben, sie möge im Ernste oder zum Spotte erdacht sein (sie erinnert fast an Wirthshausschilder) Bahn gebrochen zn haben scheint. Die einzige Gefabr, die wir für den neuen Verein besorgen, ist, daß er lächerlich werde. Andere meinen, Strauß, Feuerbach und Bauer würden jetzt den Beweis führen, daß jener historische Christus gerade identisch mit dem mythischen und nicht mehr der Gottessohn sei. — Der Streit in der Breslauer Gemeinde hat durch einen zweiten Bericht der Aeltesten gegen des Rabbiners Tiktin Rechtfertigung (vgl. L. A. Z. 10, Aug., Corresp. A aus Breslau), durch eine Privaterklarung des Dc. Davidson (Neffen und Biographen des verstorbenen Dr. Henschel?) gegen Dr. Geiger (L. A. Z. vom 11. Aug.) und durch eine in der Spen. u. Voss. Verl. Zeitung (9. u. 10. Aug.) angekündigte Schrift von Isaak Vorchardt, die als „ein Friedensgesuch und zwei Fragen an das Obervorsteherkoll. der Jsraelitengemeinde und an die Mitglieder derselben zu Breslau" bezeichnet wird, neue Nahrung erhalten. Hr. Borchardt gedenkt im „Orient" und im „Judenthum" (? Zeit. d. Jud.), wie es scheint, vermittelnd aufzutreten. — Das neulich erwähnte Lob der Sittlichkeit der Juden ist aus der Rhein. Zeit, auch in die Vossische vom 9. Aug. übergegangen. In der Spenerschen vom 10. Aug. findet sich wieder einer jener Aphorismen über die Reformation der mosaischen Juden, die dort zum Lieblingsthema geworden zu sein scheint. Diesmal vertheidigt W. C. die Reformbestrebungen unter den Juden. — In der Literatur ist nichts Bedeutendes zu erwähnen, was sich direkt auf das Judenthum bezöge. Im Magazin f. d. Lit. des Auslandes vom 10. Aug. giebt F. Lebrecht einen dritten Artikel über Averroes, in welchem er beiläufig der außerordentlichen Verdienste gedenkt, die sich die Juden im Mittelalter und besonders unter den Mau-