Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1842)
- Date
- 1842-09-03
- Page
- Seite 288 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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288 ren durch Übersetzung und Verbreitung morgenländischer Werke um die Cultur, Literatur, Philosophie und orientalische Philologie erwarben. Er weist deßhalb den Vorwurf des den Juden aufgebürdeten Handels- und Speculanonsgeistes in bescheidene Grenzen zurück. — Doch laßt sich eben gerade bei ihnen, wenn auch nicht indem von ihren Gegnern bis zum Ekel ausgebeuteten Sinne, von einem speculativen Geiste sprechen; es kommt hierbei immer darauf an, daß man das Rechte sucht und wenn man es gefunden, die Augen nicht wieder verschließt und es unbenutzt liegen laßt. An der Deutung der Wörter liegt ja oft so viel! So erklärte ein preußisches Edikt von 1573, das erst am 31. Juli 1842 durch eine die Aigeuner betreffende Verordnung aufgehoben worden ist, diese, ich meine die Aigeuner, nebst den Heiden und Juden für vogelftei; für die verlorene „Vogelfceiheit" haben wir nun nächstens ein Aequivalent zu erwarten; ich würde Vorschlägen, man erklärte uns nun für „frei, wie die Vögel", die doch nie um ihren Paß gefragt werden, wenn sie die Grenze überschreiten, bei denen die Religion im Signalement wegfällt und die ungehindert sogar von Posen nach Schlesien fliegen dürfen. — Ja, wir sind nicht weniger unglücklich, als die schöne Sünderin Maria Stuart, als sie von hohen Gartenmauern umgeben ihr Schicksal beklagte. Und doch könnte man so leicht alle diese Schranken fallen machen! Ja, die Negierungen könnten es; wir aber dürfen es nicht wollen. Auch Spinoza that jenen verdammlichen Schritt nicht und so dürfen wir ihn wohl zu den Unsrigen zahlen, wenn auch der Bann auf ihm lastete. Ec schlug außerhalb unserer Gemeinde fein Lager auf; unseren Ideen ist er dagegen nie untreu geworden. Die Gottheit war ihm Alles. Das erkennt man auch von christlicher Seite täglich mehr an. So hat der Pastor der französisch -reformirten Gemeinde zu Hamburg, A. Saintes, der vor einem Jahre den ersten Theil einer „Hisloire du ratioaalisme en. Allemangne“ veröffentlichte, kürzlich eine His Loire de la yie et des oeirvres de Spinosa, fondateur de l’exegese et de la pliilosopMe moderne (Paris XVI. 388 S. 1842) erscheinen lassen, aus der das Mag. f. d. L. d. Ausl, bereits Auszüge bringt. — Von Gefenius hebräischer Grammatik scheinen jetzt mehrere englische Uebersetzungen zu existiren. Dafür zeugt ein Bericht aus Kopenhagen, welcher die Ankunft zweier abgesandter amerikanischer Baptisten, des Prof. Horatio Hackett aus Boston und des Prof. Conant aus Newyork meldet und den Letzreren auch als Uebersetzec der Geseniusschen Sprachlehre bezeichnet. —■ In Palästina giebr man sich augenscheinlich alle mögliche Mühe, eine größere evangelische Gemeinde -zu stiften. Die Mission (der Missionär Mühleisen berichtet d. d. Zion 29. März 1842 über den Kirchenbau nff Jerusalem und über hebr., deutsche und engl. Pre¬ Verlag von (5. i\ F r i tz f d) e. digten in der provisorischen Kapelle) und die preußische Diplomatie streben demselben Zwecke zu. So hat die preuß. Regierung außer einem Generalconsul in Syrien, Rittmeister von Wildenbruch, noch einen Viceconsul für Jerusalem in der Person eines Königsberger Gelehrten, Dr. Schulz, ernannt. — Die Sammlung für den hiesigen Kirchenbau, die im Tempel am letzten Bußtage veranstaltet wurde, trug nicht 700, sondern nur etwas über 200 fl. ein; ob auch die Synagoge etwas zu demselben Zwecke beigesteuert habe, ist nicht öffentlich bekannt geworden. — Das in Wandsbeck erscheinende Jntelligenzblatt vom vorigen Freitage (12. Aug.) bringt einen Nekrolog des Herrn Hartvig von Essen, dessen Verfasser den Wohlchatigkeitssinn desselben preist, ungeachtet er ihn weniger orthodox gewünscht hätte. Ueber seine Spenden und Legate theilt er Folgendes mit: der Verstorbene habe in den letzten Jahren seines Lebens die Synagogen zu Wandsbeck und Segeberg bauen lassen, für die Talmud--Tora in Altona mehr als 70,000 fl. hergegeben, der Gemeindekasse in Hamburg viele Gaben zufließen und die Altonaer Synagoge restauriren lassen, auch in seinem Testamente die Wohlthäligkeitsanstalten Prags, Franks, a. M. und Hamburgs reichlich bedacht, jeder der Synagogen zu Rendsburg, Elmshorn und Friedrichstadt 15,000 fl. und den Armenanstalten seiner Vaterstadt Kopenhagen 80,000 fl. vermacht. Das ganze Testament folgt nächstens. — Personalchronik und Miseellen. Nekrolog. Den 17. Aug. c. starb tn Cassel der dortige Landradbiner Romann in der Blüthe seiner Jahre. Ungefähr sechs Jahre hat er daselbst das Rabbinat bekleidet, woher er aus Würzburg berufen wurde und obgleich sein Wirken sich nur auf dem Wege des Hergebrachten und ohne großen Aufschwung des Geistes bewegte, so erregt doch sein Hintritt wahrhaftes Bedauern. Nekrolog. Den 30. Juli c. starb der königsberger Kaufmann und Zuckerfabrikant H. Pollack zu London, wo er sich der Geschäfte wegen aufgehalten, im 66. Jahre seines Lebens. Seine Dampfzuckersiedereien waren nicht nur die größten der Provinz, sondern vielleicht des ganzen preußischen Staats, was man schon daraus entnehmen kann, daß er e. 200,000 Thaler jährlich an Steuer dem Staate entrichtete, und trotz der Dampfmaschienen an 100 Familien verschiedenen Glaubens beschäftigte. Daß er auch der größte Contribuent der jüdischen Gemeinde in Königsberg war, ist natürlich. Solche Männer der Industrie, aus der Mitte der jüdischen Gemeinde, sollten in die Wagschale der Emancipationsfrage gelegt werden, und bei der Abfassung eines neuen Judengesetzes sollte die Gesetzgebung berücksichtigen, was es dm Juden in seinem Wohlstände zu verdanken habe. Hr. Pollack stammt aus Altschottland bei Danzig, aus einer angesehenen Familie z aber zu der Höhe der Industrie schwang er sich nur durch Fleiß, Ausdauer und Redlichkeit. Druck von I. H. Nagel.