Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 35 (27.8.1842)
- Date
- 1842-08-27
- Page
- Spalte 547-548 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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54? 548 Hebet Spinoza's theologisch-politischen Trakt at. Bon Isidor Kämpf. welche Erkenutniß/auf^ natürlichem Wege nicht zu erlangen war 4). Daß manche Weltweise es versucht! haben, die Eckenntniß des Willens Gottes aus ihrem eigenen Hirn zu schöpfen, kann nicht als Einwand gegen/ das hier Gesagte dienen, und zwar theils, weil die Lauterkeit der bezeichneten Quelle noch, in Frage steht, — theils aber auch, weis die angeblichen M'ftweisen die Lehren der Schrift gleichsam mit der Muttermilch eingesogen, mithin ihre Gotteserkenntniß, in sofern sie mit der in der Schrift gelehrten harmonirt, auch nur aus dieser hervorgegangen ist. Diesbestätigt uns so manche Nation des Alterthums, die in den profanen Wissenschaften Israel übertroffen, in der Gotteserkenntniß aber ihm so weit nachgestanden, in so fern diese nicht im vereinzelten Wissen von ' dieser oder jener göttlichen Eigenschaft — zu welchem Behufe allenfalls die Kenntniß der Natur ausreichen dürfte — als vielmehr in der klaren Erkenntniß des göttlichen Willens besteht, wozu aber die Naturkenntniß um so weniger ausreichl, als sie ja zu ohnmächtig ist, selbst nur den Willen eines.Sterblichen zu enthüllen. — Wie sollte auch der Staubgeborne, der bei seinem Umherblicken in der Natur , bei seinem, Anschauen gen Himmel nur das Eine klar und deutlich erkennt, daß ein allmächtiger und allweiser Gott das Alles geschaffen, gegen welchen er selbst eine Nullität ist — wie sollte ein solch Geschöpf, frage ich, zu behaupten sich erkühnen dürfen: dies will Gott, und dies witt er nicht? — Wer hat dem Erdensohn die Erlaubniß ertheilt, mir allen andern Geschöpfen nach Belieben schalten und walten zu dürfen b)? — etwa seine Naturkenntniß? — nun diese wird ihm am besten sagen, daß er in Rücksicht der Beschaffenheit seines Körpers über' die Thiere nicht so sehr erhaben ist, als er es in stolzem Selbstgefallen wohl träumen mochte. Wie sollte der vom Gewissen (das gerade im unverdorbenen'Naturmenschen am lautesten' spricht) beunruhigte Sterbliche Trost und Hoffnung sich verschaffen? -— etwa in den Gründen seiner Vernunft? — diese würde ihn eher verdammen., als entschuldigen; sie würde ihm sagen , daß ein Verbrechen gegen ' die Majestät des hocherhabenen Weltvier zig Zähren stattgehabten Offenbarungen bezeichnet Moses die rich ^ige Erkenntniß des göttlichen W i l- - lens: ■pjJD Tprfctf M HD nnyi — Deut. 10, 12. — ■ ' 4) Daher macht der göttliche Gesetzgeber (Deut. 30, 11 seine Nation auf die große Wohlthat aufmerksam, die ihr durch die Offenbarung zu Theil geworden, indem sie nun nicht mehr über Gottes Willen in Zweifel ist: „rjnp O )?\wyb patai i'LQ, ind -cm — ■ 5) Betrachte ich deine Himmel zc. — was ist der Mensch/ daß du seiner gedächtest? — Ps. 8, 4 rc. Wenn aber der Psalmist hinzusetzt „Und dennoch hast du ihn zum Herrscher deiner Werke eingesetzt", —- so hat er dies in der heiligen Schrift (Genes, i, 28), und nicht aus den Sternen gelesen^ schöpfers . nm,-mit dem Leben zu büßen sei'6)1 — Kurz, so viel den Menschen, seine Vernunft auch lehren mag — den Willen Gottes lehrt sie nicht"). Dieses -Factum zeigt also nicht weniger die unumgängliche Nothwendigkeit der Offenbarung, als es den bedeutungsvollen Vorzug der aus dem Wege der Offenbarung erlangten Erkenntniß. vor jeder andern, sowohl, in Ansehung der Gewißheit als der Quelle, aufs unbestreitbarste an den Tag legt. Die Frage nach der Art und Weise des Offenbarungsaktes wurde demzufolge um so weniger statthast sein, als, ja. dessen Vorzug gerade darin besteht, daß ec über die natürliche Auffassung hinausragt, — und nur in so fern er diese nicht geradezu ausschließt, würde die bezeichnete Frage in Betracht kommen können. Ihre Lösung wurde aber gar keine Schwierigkeit Haben, wenn wir Folgendes gehörig in Erwägung ziehen. Niemand behauptet Etwas., ohne sich, dabn auf die Vernunft zu berufen; ja selbst derjenige, der ihr a priori alle Competenz abspricht, beruft sich dabei, ohne es sich selbst klar bewußt zu sein, auf sie selbst, und will gleichsam die Bern unft durch die Vernunft verläugnem Ein Beispiel wird uns dies veranschaulichen: Jemand behaupte, „man müsse in Bezug auf die Religion die Vernunft gefangen nehmen und glauben". Fragte man ihn aber nach dem Grunde seiner Behauptung, so würde er als, solchen die Göttlichkeit der Schrift und die Fühlbarkeit der Vernunft angeben. Würde man ihn nun ferner nach den Beweisen für die Göttlichkeit der Schrift und die Fehlbarkeit der Vernunft fragen, so würde er zu allen Vernunstschlüssen, die ihm nur immer zu Gebote ständen, seine Zuflucht nehmen, oder mit andern Worten, ec würde, um die Unbrauchbarkeit der Vernunft zu beweisen, von derselben den stärksten Gebrauch machen. Demzufolge könnte-von einer unvernünftigen Behauptung im eigentlichen Sinne des Wortes gar nicht die Rede sein, da jede Behauptung wehr oder minder auf-einem Vernunftschluß bastrt, mithin der etwaige Unterschied zwischen Zwei Behauptungen in Hinsicht der 6) Wohin der schwache Menschenverstand sich verirrt haben würde, wenn , nicht die Sonne der Offenbarung ihm geleuchtet, schildert uns der Prophet Micha, indem er den reuigen Sünder philosophiren läßt: „Wodurch beuge ich dem /Strafgericht des Ewigen vor? wodurch zeige ich Unterwerfung dem erhabenen Gott? — ...... Soll ich meinen Erstgeb o r n e n für meine MMHat hin geben? mein e L e i b c sf r u ch t für die Sünde meiner Seele opfern?" Mich. 6, 6. rc. — 7) Sie kann daher den Menschen zwar zur Bew u n d eru n g der Gr Lß e seines Schöpfers Hinreißen, schwerlich aber ihn m.it Hoffnung und Vertrauen erfüllen -rdies kann nur die N e l i g i o n j — „Die H i m m e l erzählen die E h r e Gottes; die Thaten seiner Allmacht, verkündet das F i rmament! ...... Doch die Lehre des Herrn ist vollständig, labt die Seele.'" Ps. 19, i. 8. — '