Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1842)
- Date
- 1842-08-27
- Page
- Seite 277 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Johann Jacob y in Königsberg Vertheidiguugsschrift ist bereits die zweite Aust. (Zürch u. Winterthur bei Fröbel) erschienen. — In Mantua ist die Ruhe wiederhergestellt. v n Berlin, 16. 2tug. Am gestrigen Tage hielt das für die Nabbinerwahl durch das Loos bestimmte Collegium der 32 im Verein mit dem Gemeindevorstand seine erste Sitzung. Hr. Dr. Veit eröffnete dieselbe mit einer Anrede an die versammelten Wähler, in welcher er die Wichtigkeit des vorzunehmenden Actes darstellte, und sich, wie dies bereits Seitens des Vorstandes im Circular vom 28. Juli d. I. geschehen, auf die im Jahre 1835 eingeceichte Motion mehrerer angesehenen Gemeindemitglieder berief, um die Besetzung des Rabbinats als mit den Wünschen der Gemeinde übereinstimmend zu bezeichnen. Auf Verlangen wurde das bezeichnete Aktenstück der. Versammlung zur Prüfung vorgelegt. Es wurden demnächst mehrere eingereichte Vorstellungen zur Berathung gebracht. In der einen wurde der Antrag gestellt, den jetzigen RabbinaLs-Assessor Lettin ge r zum Rabbiner zu ernennen und ihm einen Prediger zur Seite zu stellen, um so beiden Partheien zu genügen. Der Antrag erhielt keine beipflichtende 'Stimme. Dasselbe Schicksal hatte eine von 62 Mitgliedern^ der Gemeinde Unterzeichnete Bitte, die Wahl noch um 8 Wochen hinauszuschieben, um eine vorläufige Besprechung dieser wichtigen Angelegenheit möglich zu machen. - Ein Wähler, Hr. L. warf demnächst die Frage auf, ob denn gegenwärtig von der Gemeinde wirklich eim Rabbiner gewünscht werde, ob also das Wahlcollegium sich als competent betrachten dürfe? Die Mehrzahl der Wähler versicherten, daß sie Gelegenheit genommen hätten, die Stimmung der Gemeinde über diesen Gegenstand zu erforschen, und daß sich überall das Bedürfniß ausspreche, die wichtige Stelle unsres Rabbmats auf eine würdige Weise auszufüllen. Herr Vorsteher Lehmann (Mitredakteur der Staatszeitung) sprach bei diesem Anlaß herzliche und eindringliche Worte über die Vernachlässigung und Gesunkenheit unsrer Cultusverhältniffe und die Nothwendigkeit, einen würdigen Repräsentanten an deren Spitze zu setzen, um so die Bedeutung des Judenthums wieder in allen Gemüthern namentlich der jüngern Generation wieder aufgehen zu lassen. Von einem andern Wähler, Herrn G., ward darauf aufmerksam gemacht, daß in Kraft jener bekannten Cabmetsordre des verstorbenen Königs alle Neuerungen in Cultussachen prohibirt seien, und das in Folge dessen auch die Wirksamkeit des zu erwählenden Rabbiners eine beschrankte sein dürfte.' Man sollte deshalb vor aller Wahl erst eine Zurücknahme jener Ordre zu veranlassen suchen. Diesen Einwurs beseitigte Herr Lehmann mit der Bemerkung, es sei wohl jene Ordre speciell gegen den Jacobsonschen Tempel gerichtet gewesen (dessen Tendenz bei dieser Gelegenheit einige Jnvectiven zu erdulden hatte),, wohingegen einer freien, durch die Gesammtheit der Gemeinde gewünschten Entwickelung nichts im Wege stehen dürste. Dem könne man um so eher vertrauen, als des jetzigen Königs Maj. bei der den Vorstehern hiesiger Gemeinde im Juni 1840 ertheilten Audienz gnädigst vtrsichert hatten, die Fortbildung der israelitischen Cultusverhältnisse allein von den Wünschen der Israeliten selbst abhängig machen zu wollen. Auf den von mehreren Seiten geäußerten Wunsch, Anschreiben an Wahlkandidaten ergehen zu lassen und dieselben um ihre Daherkunft zu ersuchen, damit die Gemeinde durch Probepredigten von ihrer Befähigung unterrichtet werde, ward geantwortet, daß Männep von Ruf (und nur solche eigneten sich zur Besetzung des hiesigen Rabbinats), einem solchen Ansinnen nicht Folge leisten würden. Man schritt darauf zur Bestimmung der Wahlcandidaten. Der Vorstand wollte die Freiheit der Wahl durch keinerlei Vorschläge beeinträchtigen, und so setzte sich.durch die Wähler selbst folgende Liste zusammen: Mannheimer in Wien. Frankel in Dresden. D. I. Mayer in Stuttgart. S. Mayer in Hechmgen. Grünbaum in Landau. A. Cohn in Hohenems. Sachs in Prag. Fürst in Heidelberg, Bamberger in Würzburg. Saal schütz in Königsberg. , Marco Mortara in Venedig. ' \ Wolfs in Kopenhagen. Herxheimer in Bernburg. Pinner von hier. Adler in Hannover. Bei einer solchen Liste hört man die Gebildeten fragen: Wie kommts, daß gerade die Gelehrtesten und Gebildetsten Israels auf derselben fehlen? Sollte neben Pinner, Saalschutz, Adler, Grünbaum u. A. nicht Stein, Zunz, Jost, Reggio, Geiger, Frensdorf, Carmoly, Solomon, Rapaport, Fasset u. A. stehen können oder minder würdig erscheinen? — Die nächste Sitzung ist auf Montag den 22. d. M. anberaumt, man sieht ihr allgemein mit gespanntem Interesse entgegen. Noch immer halt man Dr. Frankel für denjenigen, der die meisten Stimmen zahlen wird, obgleich eine im Trüben fischende Parthei durch allerhand persönlichen Tadel die günstige Meinung von ihm abzuwenden sucht. Daß es überhaupt nicht an Wahtumtrieben mangle, geht aus einer "Aufforderung hervor, die in unfern beiden Zeitungen enthalten war, und in welcher Dr. Herxheimer als ein Kon plus ultra, aller Verdienste und Vorzüge, die zum Rabbmat befähigen können, angepriesen wird; „mehrere Mitglieder der Gemeinde" sind unterzeichnet. Der Gegenstand, welcher nächst der Rabbmenwahl, die meiste Besprechung findet, ist das S. Sachs'sche Buch: „Mein fünfzigjähriges Dienstleben und literarisches