Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1842)
- Date
- 1842-08-27
- Page
- Seite 276 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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276 daß die Regierung bis jetzt eingeschntten wäre. 'Man will daraus-auf nhre nahe Anerkennung schließen. Die Seele des jetzigen Vereines ist der auch als Alterthumsforscher bekannte Professor der Rechte, Dr. Huschke in Breslau, dem eine Act beruhenden Collegiums zur Seite gestellt worden ist. Wie früher, bei dem ersten Hervortceten der Scheibelschen Ansicht, mehrere getaufte Juden, namentlich die Professoren Braniß, Fischer u. A. sich dem Altlutherthum anschlossen, so findet man auch unter den jetzigen Rathen der neuen Gemeinde einen Convertiten, den Auditeur Barschall, einen gebornen Schlesier, der lange in Berlin sein. Amt bekleidet hat. — Von hier aus ist aus voriger Woche über einen Todesfall in der jüd. Gemeinde zu berichten. Am 4. Abends 10£ Uhr starb ziemlich plötzlich im 66. Lebensjahre an einer Herzkrankheit Herr Isaak Hartvig, meist unter dem Namen Hartpig von Essen bekannt. Der Verstorbene, einer früher sehr zahlreichen kopenhagnec Familie angehörig, kam vor mehreren Jahre hierher, ließ sich als Mitglied in die Gemeinde zu Hamburg, Altona und Wandsbeck aufnehmen und bekleidete bis an seinen Tod die Stelle eines Präses (Parnas) der hiesigen Gemeinde. Streng orthodox, spendete er zu religiösen Zwecken reichlich. Viele Leute der armern Klasse erhielten privatim Beweise seines Wohlthatigkeitssinnes; außerdem ließ er die neue, kleine aber zierliche Synagogezu Wandsbeck bauen, kaufte ein Haus für die Talmud-Tora in Altona und beschenkte auch die hiesige Gemeinde mehrfaltig: Vor etwa zwei Jahren hatte er der Gemeinde 100,000'M.' zum Baue einer neuenSynagogeangeboten/jedochUnter der Bedingung, daß ihm die Zinsen bis an sein Le- , bensende abgetragen würden und - daß die Stiftung seinen Namen trüge. Die Vorsteher lehnten jedoch dieses Anerbieten ab. — Zur Zeit, als der Tempelstceit ausbrach, tauchte die Idee des Baues einer neuen Synagoge mit Einrichtung eines Chors, öffentlicher Vorträge rc. von Neuem auf und der Verstorbene interessirte sich besonders lebhaft für die Ausführung, an die wohl seit der großen Feuersbrunst, ungeachtet der Einäscherung einer großen hochdeutschen Synagoge, so bald nicht zu denken sein dürfte. ■ Auch die Anstellung eines strengorlhodoxen Religionslehrers suchte Herr von Essen zu erwirken und so ist denn auch die Vorliebe, die er für die hiesigen Vorträge des H. Pleßnec äußerte, leicht erklärlich. —- Man spricht von großen Summen, die er öffentlichen Wohlthatigkeitsanstalten (sogar dem christlichen allgemeinen Krankenhause) hinterlassen habe; eben so von der Creirung einer neuen Klausnerstelle; hier und da hört man auch von werthvollen Souvenirs, die er dem hiesigen Chacham und dem Altonaer Rabbiner vor seinem Tode übersandt habe. Das Leichengefolge (Sonntag, den 11 Uhr Vormittags) war . sehr zahlreich. Er hinterlaßt keine eigenen Kinder, dagegen mehrere Neffen und Nichten. Executor seines Testaments ist Herr Bernays, und die Herren Vorsteher Moses Heilbut und Nathan seine Assistenten. -- Ich habe vor längerer Zeit die Leser des „Orient" darauf aufmerksam gemacht, daß der erste Angriff auf das preußische Judengesetz von hier aus (durch die Hamb. N. Zeitung) und zwar anfangs durch einen christlichen Publicisten geschah; seitdem ist die dem Gesetze feindselige Richtung die in den meisten Blättern vorherrschende geworden. Nur der sehr ängstliche Hamb. Corresp., der auf dem diplomatischen Felde das Graschen wachsen hören zu können glaubt, Hatte auch in dieser Angelegenheit kläglich debutirt. Zuerst leugnete er das Vorhandensein des Entwurfes (Schreiben aus Berlin), dann gestand er es wieder direkt ein (Auszüge aus einer Frankfurter und der Aachener Zeitung), später behauptete ec (Schr. aus Berlin), es sei wegen des dagegen erhobenen Geschreies der Juden Meder aufgegeben worden. Der einzige erkennbare Faden in diesem dunkeln Labyrinthe der Widersprüche war die Beschönigung, ich sage geflissentlich nicht Rechtfertigung, der bei den projektirten Maßregeln waltenden Absicht. Diese ist es denn auch, welche ein längerer raisonnicender Artikel im Corresp. vom 10. Aug. in Schutz nimmt. Der Verfasser dieser Apologie tritt unter der Chiffre ** aus Preußen auf. Es ist derselbe Ritter von der traurigen Gestalt, den ich Ihnen bereits früher, als er unter dem Zeichen □ aus Preußen, Feuer und Schwert gegen Philosophen, Juden und Atheisten predigtedes Breiteren. abkonterfeit habe. Die preußische Regierung —' ich werde nicht mit dem ungeschickten und plumpen Herrn Magister Viereck gemeinsame Sache machen und die Person des Königs in die Controverse hineinziehen, da ich diesen für keine peusöe immuable im eigentlichen Sinne des Wortes halte — die preußische Regierung ist aufrichtig zu bedauern, daß sich ihr ein solcher Wortführer aufdrängt. Wie wenig gerade dieser Correspondenzschreiber befähigt und berechtigt ist, in Angelegenheiten der Juden unbefangen mitzureden, wollen wir hier nicht näher erörtern. Nur so viel steht fest, daß, wenn der preuß. Staat nur streng-orthodoxe Juden zu Unterthanen haben und das Wunder der Erhaltung , derselben oder vielmehr ihres Ritus nicht verschwinden lassen will, die Zulassung von Missionspredigern unter den Juden und — da es keine evangelische Gemeinde in Palästina giebt — der dem Bischof Alexander bei seinen Bekehrungsplänen — . darauf reducirt sich ja die ganze anglikanische Expedition — geleistete Vorschub durchaus unerklärliche Fakta sind» -— Da tobe ich mir den Unbekannten in der Spen. Zeitung v. 8. d. M. („die Judenfrage in Preußen" in der Beilage); auch er scheint den Juden nicht hold,zu sein, aber er macht sich wenigstens keine Illusionen und Andern keinen blauen Dunst, so wie den Regierenden keine Complimmte; er sagt rund heraus: Wollt Ihr Euch nicht großen Gefahren aussetzen, so emancipirt die Juden völlig. So wollen wir denn auch wegen der oft sehr absonderlichen Motivirung 1 dieses Satzes nicht mit ihm rechten. — Von des Arztes