Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1842)
- Date
- 1842-08-27
- Page
- Seite 274 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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oder andere Jude am Sabbat kein Gewehr tragen oder am Dienstag keinen Schinken essen wollte, oder gar am Purimfeste seinen Haman todt schlüge! —- Haman ist kein christlicher Staatsbürger.; wer keinen Schinken vertragen kann, mag sich Rindfleisch 'kaufen oder Brod essen, wie der fromme Katholik am Freitag seine Fische. Wohl denen, die einen guten Magen haben! — Der Einzelne aber, der sich dem Kriegsdienste oder/irrer einzelnen militairischen Function weigerte .(was.bis jetzt.noch .nicht geschehen ist), der mag sich einen Ersatzmann Kellen, wie etwa derjenige, welcher es für verboten halt, an allen sechs Wochentagen Federn zu schneiden, kein Beamter werden kaum—' Auch der Messias glaube und eine gewisse retrograde Sehn- ' 'sucht nach Jerusalem wird den Juden vorgeworfen. Aber, macht eine solche Sehnsucht mehr untüchtig zum occidentalen Staatsleben, als etwa die Sehnsucht nach jener besseren Welt? die LhäLigkeit in dieser schlechteren vergessen ließe? — Darüber sollten die Psychologen entscheiden. Ich glaube, und die. Ecsährung Knumt bei, daß die Juden im-Allgemeinen sich einstweilen.recht gerne mit dieser schlimmeren.Welt begnügen, . in welcher man ihnen nur -zu viel -Rührigkeit zum Vorwurf; .macht. Die beste Cur gegen.solche Sehnsucht nach dem gelobten-Lande'wäre freilich die erwünschte bürgerliche Gleichstellung in dem ungelobten, das übrigens wohl der General- "Auswanderüng nach Palästina wenig Hindernisse in den Weg legen würde. — Wer aber in Deutschland schon die bürgerliche 'Gleichst ellrmnwerl'an'gt, chat -damit -praktisch -alle -ultra- - --montanen-Ansprüche-ausgegeben. Dieses Verlangen schon bet .zeichnet die m od er n e Richtung des Judenthums, und die j .Emancipation würde es, wo möglich der christlichen.Weltan- \ schauung noch näher bringen, während jede Ausschließung es! -entfernt. —! Ich für meinen Theil z. -B. resignire -jetzt schon recht j gern auf Äl' rnein grundb.-si^-liche^ ErbrheiL in Palü'stinä, und j ließe den Messias allein dahin ziehen, selbst wenn -er mich zum j Justizminister machen wollte; aber schrissttich würde -ich j diese Entsagung nicht beurkunden, denn eine-Unterschrift ist j immer eine gefährliche Sache; nicyt als ob die Furcht-vor l -möglicher Reue mich abhielte, Gott bewahre, — aber man --bedenke-bei solchen leichtfertigen Forderungen, daß es allen ^Staarsgesetzen.zuwider ist, neue Sekten-zu bilden, und eine! neue Sekte wäre eine solche ausdrückliche protestantische Ablösung vom alten Judenthum, — noch dazu der leichtsinnigste Streich von der Welt, den die Juden zu begehen sich bisher -— trotz-der Aufforderungen der badischen Kammer von 1831 —-weislich -gehütet' haben, da es äußerst schlimm wäre, wenn - die - Unterdrücktmihre letzte -Waffe, die unverbrüchliche Einigkeit und den festen Zusammenhang unter einander, vorder -'Zeit am- Händen geben. — Mitder Emancipation wird diese -Zeit allerdings-kommen, dann aber ist. auch der Plan der Vorsehung erfüllt, -den dieselbe mit -den Juden zu haben scheint, — wie einst die-re ine Gottesverehrung, so jetzt die freie -Verehrung Gottes,- nämlich'die unbedingteste Gewissensfreiheit durch sie erkämpfen zu lassen, nicht blos für sich, sondern' für Alle! — -Dieser Sendung bewußt, wollen wir auch die schwäicheren, aber gewissenhaften unter unseren Mitbrüderndurch -nichts anders als die Vernunft zur Vernunft gezwungen wissen - und -keinen^ Geisterzwang auch nur einen Finger dieser -iHand reichen. - Durchaus allen Werth verlöre ja die Einräumung des Staatsbürgerrhums unter Bedingungen und ausschließenden Klauseln. ' So etwas - widerspricht zunächst, der -Idee des Staatsbürgerrechts am sich, welches über -die Sphäre des Vertragsrechtschinausgerückt, -in .das sittliche (substantielle) Recht gehört, das absolut auftritt und keine Bedingungen duldet. Freilich, ähnliche Fehler sind schon versucht worden: So sind in manchen kleineren Staaten die Schacherer von dem Segen der Emancipation ausgeschlossen. Aber was verlieren die Schacherjuden dabei? Was gewinnt das Christenthum und die Votkserziehung? Die Schacherjuden verhandeln sich deßhalb doch nicht an das Christenthum und stehen — so, wie so — den andern Juden, erst gleich, wenn sie zu schachern aufgehört haben. Im besten Fall ist also das Gesetz überflüssig. — Auf ähnliche Weise hat das liberalere Judengesetz von 1812 in Preußen das (beschränkte, folglich eigentlich nur dem'Namen nach bestehende) Staatsbürgerrecht an die Bedingung der Annahme von Familiennamen und in deutscher Sprache und Lettern zu führenden Handelsbüchern geknüpft. Sie hätte die Bedingung so gut wie das Bedingte kategorisch 'befehlen müssen, -um die Rechtsgleichheit geltend zu machen. Denn welches Gewissen wird von deutschen Buchstaben und Namen verletzt? — Indessen bestehen in ganz Preußen noch heute ungefähr 13 Judenordnungen, und die 14te allgemeinere wird nicht mit freudigem Herzklopfen erwartet. — Die. seltsamste Bedingung aber wäre die einer Reform im Judenthum selbst, wenn sie auch nur den Ausdruck für eine schon bestehende Richtung abgeben sollte. Welche Widersprüche würden dann .erst entstehen! In Berlin hat man vor Jahren den Tempel, in welchem von Juden Deutsch gebetet ward, von Staatswegen zugeschloffen, weil das uncanonrsche Reformen veranlaßte oder schon enthielte, in Baden würde vielleicht erst darauf hingewirkt werden. Dann würde es also mit-dem verhaßten Judenthum gehen, wie dem Goethe'schen Zauberlehrling mit dem Hexenbesen, der, m Stücke zerspalten, immer neues Wasser trug. Und hätte man alsdann 2, 3 und immer mehr Judenthümer, sie würden alle dieselben alten Forderungen wiederholen! — H. B. Oppenheim, Docent zu Heidelberg. Deutschland. HzrmHuLg, 11. Aug. (Wochenbericht über jüdische Verhältnisse. 4—11. Aug.). Wie das Schwert des Damo.kles schwebt die drohende Umgestaltung noch immer über den Häuptern der preußischen Juden. Der Hamburger Eorcespondent vom 8. August verkündigt abermals das nahe Erscheinen des neuen Gesetzes und zwar für den Zeitpunkt, da der König von seiner russisch-schlesischen Reise zurückgekehrt sein werde. Die Rückkehr ist nun vor wenigen Tagen erfolgt. — Inzwischen drängt auch die in Berlin beabsichtigte Rabbinerwahl zur Entscheidung. Da die Anordnung einer solchen längst zu erwarten war, so sind wohl die Gemürher bereits chinlänglich auf diesen wichtigen Akt vorbereitet und ein längerer Aufschub kö.nnte gerade erst Zeit und Veranlassung zu Jntriguen und Umtrieben darbieten. — Von der neu erschienenen Schrift eines der wenigen jüdischen Staatsbeamten der preuß. Monarchie, des Vauinspektocs L. Sachs, die er bei Gelegenheit seines Jubiläums verfaßt .und ln welcher ec sich, dem Vernehmen nach, sehr fteimüthig über, öffentliche Verhalt-