Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 34 (20.8.1842)
- Date
- 1842-08-20
- Page
- Spalte 541-542 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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541 Der Geist der talm. Auslegung der Bibel Wir haben die Mühe, diesen ganzen Satz wörtlich abzuschreibcn, nicht gescheut, weil er in nuce das Hauptübel enthält, an dem dieser ganze Abschnitt, und unmittelbar durch ihn der ganze Organismus des Werkes leidet. Zuerst im Einzelnen. Es wird hier fortwährend von „Conjecturalversuchen" gesprochen. Welche sind sie? Dieselben, wie in dem dritten Abschnitt, dem Derasch. Also Buchstabenversetzungen, Anklänge an fremde Sprachen u. dergl. (ob auch und ldd u. dergl. ist unbestimmt, da der Verf. in der zweiten aus S. 445 citirten Stelle diese abweist) und giebt es daher dergleichen Versuche, die in den dritten, andere, die in den vierten Abschnitt gehören. Wer sagt mir nun, in welchen Abschnitt irgend ein solcher Versuch, den ich im Talmud treffe, gehört? „Die Versuche des dritten Abschnittes tragen mehr Wahrscheinlichkeit in sich". Aber wie groß muß diese Wahrscheinlichkeit sein, um sie in den dritten oder vierten Abschnitt zu verweisen? Und von welchem Standpunkt aus findet man es wahrscheinlich? Nehmen wir nun noch das hinzu, was das zweite Kapitel behandelt, nämlich mM und ^pin, so erfahren wir, daß diese deßwegen in den vierten Abschnitt gestellt sind, weil sie den mindesten, fast gar keinen Zusammenhang zwischen Text und Inhalt darbieten. Wer ist nun der -Richter darüber, ob ein solcher Zusammenhang stattsinde oder nicht? der Talmud? Bekanntlich aber legt die Ansicht des Talmuds der und dem die vollste Beweiskraft bei 72). Also doch nur unser heutiger Standpunkt kann entscheiden, wie weit irgend ein Commentationsversuch sich von dem absoluten Zusammenhang zwischen Text und Inhalt entferne, daß man ihm hiernach seine Stelle in der nach der Reihen- ■ folge der Abschnitte bestimmten Rangordnung geben könne. Dann aber wird man das, was das erste Kapitel (nicht behandelt, sondern) bespricht, mit dem dritten Abschnitt vereinigen; was 1F.1 und ^pi,i betrifft aber ohne noch auf das genauere Wesen derselben einzugehen, doch so viel von vornherein behaupten, daß die exegetische Kraft derselben doch nicht geringer sei, als die von ipjn Iptf! (<£♦ 330), oder von rw1? mVna — b r\m n?ra (S. 315) u. dergl. — Was aber die eigentliche Beschaffenheit von betrifft, so wird der richtige Standpunkt durch das unbestimmte Reden von einem „traditionellen Element" durchaus verrückt, und bleibt dieses für's Erste ganz unbeachtet, rw ."NU heißt nicht: „gleiche Klaffe", sondern „gleiche Gesetzbestirnrnung", eine Bedeutung, die m|.l im Talmud immer hat, vergl. das so häufige 315OT mu z eben so aramäisch j. Gen. 41, 43. re. — Gesera schawa ist — wir müssen in dieser Hinsicht der in einer früheren Beurtheilung dieses Werkes von Dr. Herzfeld (Or. 1841'. LB. Nr. 40 u. 41) ausgesprochenen Ansicht durchaus beistimmen — eigentlich Nichts als ein Versuch des Talmuds, eine dunklere Stelle durch eine Parallelstelle zu erläutern; zur Auffindung von Parallelstellen gab natürlich 72) Vgl.„ z. B. Moed katan 4 a. M NTIN NTobn lü 20p mpy öw jop NO1 nddSi mpy u. dergl. v. Hirschfeld. Beurtheilt v. Dav. Cassel. 542 die Gleichheit der Worte, die der Gesetzgeber gebraucht, den ersten Fingerzeig, da es nicht unwahrscheinlich ist, daß er immer da, wo er diese Ausdrücke gebraucht, auch denselben Sinn mit untergelegt. Da aber eine solche Parallelität, wenn sie sich blos an ein gleiches Wort, das eben so gut zufällig hier und dort gebraucht sein konnte, anlehnte, leicht zu den größten Mißbräuchen führen mußte, wenn es einem Jeden nach seinem Bedünken erlaubt war, aus gleichen Wörtern auf gleiche Gesetzbestimmung zu schließen, so wurde die (vom Vers. S. 457 aber ohne Quelle73) angeführte) Regel aufgestellt, daß keiner eine Gesera schawa schließen konnte, wenn er sie nicht von seinem Lehrer rc. überliefert bekommen. Daß freilich diese Ansicht, wenn sie auf die Spitze gestellt ist, mit der einfachen Erklärung vieler talmudischen Stellen, die einer solchen durchgehenden Regel sich nicht ganz gefügt haben, zusammenstößt, ist leicht zu denken, und hat daher dieser Umstand die Talmudcommentatoren und besonders die Methodologen zu mannigfachen Ausflüchten veranlaßt, von denen sich aber wenigstens der Verf. seinem (S. 15) gegebenen Versprechen gemäß hätte frei halten sollen (S. 459). Aus der von uns gegebenen Erklärung geht hervor, daß in den ersten Abschnitt, frop^j N‘Dt^3 gehört, da sie auf einer verständigen, nur durch die. talmudische Grundansicht modisicirten Auslegung der Schrift beruht "*). — Abgesehen von diesem allen wird die A selbst nun weiter nach ihren verschiedenen Gradationen qy-to rDDID, N2Q DJD1D TIN und -)p*>y bo rUDlD ptt abgehandelt. — Der tf/p*>n ”5) „die Begründung einer Analogie und Verwandtschaft zweier Gesetze auf commentationelle Weise im Derasch" (S. 470) bedarf keiner solchen traditionellen Sicherheit, „da eine gewiffe Wahrscheinlichkeit und eine Verbindung zwischen dem Inhalt und dem Texte nach der Theorie des Derasch' sich manifestirt" (S. 409). Es kommen hierbei die Regeln sypiri M (ohne Quelle vgl. Tos. Men. 82 b) rc. in Anwendung, die wir hier nicht weiter auszuführen haben. Statt )b jnt (S. 471) muß es heißen £> ynt* Der Irrthum, dessen Hal. Ol. (S. 473) beschuldigt wird, beruht auf einer 73) Pes. 66 a. wLZ-O A fl QNtt ptt; eben so Nidd. 19 b vgl. Raschi u. Tos. Sukk. 31a. 74) Wie nahe das was der Verf. unter xrb'ö und dergl. (S. 156) abhandelt, an t&5 stoße, geht z. B. daraus hervor, daß Hal. Olam 4, 2. §. 232 das als betrachtet, was bei dem Verf. (S. 157) als Beisp. für p d)HD IeV» gegeben wird. — Die übrigens im Hal. Olam a. a. O. gemachte Unterscheidung zwischen mM \Sx und mM ist unbegründet; denn daß, was H. O. anführt, Baba kamma 6 b keine rechte cjyj) sei, steht nur in H. O. aber nicht im Talmud, wo sie völlig als betrachtet wird. 75) Nicht ganz richtig wird S. 470. A. 2 &ypn von rabb. K/ipn ratiocinatus est" abgeleitet; die Grundform ist #pj nebeneinander setzen, anreihen (S. Fürst'sConc.); daß die Parallele im Arab. wuuU* heiße, beweist nichts für BHp im Hebr. — . ' 76) S. 406 ist Lev. 17, 13 st. 19, 16. S. 418. v. 23 st. v. 24. S. 465. Ex. 12, 48 ft. 49; 12, 48 st. 12, 49.; Lev. 22, 10 st, Lev. 2, 10 zu lesen.