Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 34 (20.8.1842)
- Date
- 1842-08-20
- Page
- Spalte 535-536 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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535 Breslauer Rabbinats-Wirren. lein, an der besprochenen Stelle findet sich zufällig kein , ditat. Nun die Gutachten der elf Rabbiner zusammen betragen ja kaum sieben Quartseiten, wie leicht sind diese durchgelesen. Man liest, man liest noch einmal, man liest ein drittes Mal, die von Geiger angeführte Stelle findet sich weder in dem Gutachten des Poftner Rabbiners, noch in dem des Lissaer Nabbinats, noch in der Petition der 9 Oberschlesier. — „Vielleicht ist die Stelle aus mehren andern zusammengezogen? obgleich die Anführungszeichen auf ein wörtliches Citiren schließen lassen?^ — Nun findet sich zwar, daß dcls. Lissaer Rabbinat, von einem Dogma spricht, aber diese Worte : „Alles, was im Talmud steht, ist Tradition", oder andere Worte, die dasselbe bezeichneten, finden sich durchaus nicht, und man könnte nicht nur dem moralischen 3iuse Geigers, sondern auch der unparteiischen, aber doch Interesse an der Sache nehmenden Zuschauerwelt einen Dienst leisten, wenn man diese Seitenzahl auffände. Man könnte sich wundern, daß auf diesen Umstand so viel Gewicht gelegt werde, allein hierauf beruht ja eben der Differenzpunkt zwischen Maimonides und . "Geiger auf der einen, und den elf Rabbinern auf der andern Seite, daß jene behaupten, die Tadition sei nur ein Theil des Talmuds, diese aber beide identisiciren. Doch einen Vortheil haben wir aus dem mehrmaligen Durchlesen der Gutachten, nämlich, daß wir genau die Meinung der fraglichen Rabbiner über Talmud und Tradition angeben können. Der .Posener. Rabbiner spricht dreimal (S. 25. Z. 18 und 23 v. o. S. 26. Z. 5 v. o.) von Auslegungen der Tora, die im Talmud zusammengetragen seien,, ja er bezeichnet (S. 26. Z. 8. v. u.) nur denjenigen als unfähig, einem Rabbinatscollegium beizuwohnen, von dem man die Ueberzeugung hat „daß er an die Echtheit des Talmuds hinsichtlich der Auslegung der Tora als einer göttliche Ueberlieferung von Moses nicht glaubt." Das Lissaer Rabbinat stellt nicht das Dogma auf, daß der ganze Talmud Tradition sei, sondern „daß alle im Buch Mosis enthaltenen Geboie und Verbote und zwar in der Ausdehnung, welche die im I Talmud verzeichneten Traditionen ihnen! geben, göttlichen Ursprungs sind" rc. Die Petition der neun Oberschlesier enthalt gar nichts, was auch nur ein Anklang an jene heimathlose Stelle wäre. Wenn man nun die bündige Beweisführung liest, die Geiger gegen diese Stelle führt, so fühlt man sich' versucht, wie einst Jesajas dem Sanhereb, ihm zuzurufen: hdti hn b)p nninnn 'D-tyi rmtt (Jes. 37, 23). O des leichten Sieges, wenn man mit der Lust kämpft. Hat es der irrende Ritter doch wenigstens noch mit einer Windmühle ausgenommen, Geiger aber nur mit Wind, mit bin nn niym, mit einem Hauch und dem, was man selbst will. (Beschluß folgt.) Methodik des Talmuds. 536 Methodik des Talmuds. Der Geist der talmudischen Auslegung der Bibel von Dr. H. S. Hirschfeld. Auch unter dem Lite): iWTiV DHD rd?nn. Halachische Exegese. Ein Beitrag zur Geschichte der Exegese und zur Methodologie des Talmuds. Verlag von M. Simion. Athenäum in Berlin. 1840. 8. (X und 479 S.) (Schluß.) S. 358: „R. I. .streitet auf diese Regel". S. 364: „Rabbi streitet auf diesen Fall." — S. 465: ),Ein Unbeschnittener, d. h. ein Priester, dessen Brüder in Folge der Beschneidung gestorben find darf die Hebe nicht essen" (soll heißen: ein unbeschnittener Priester, d. h. ein solcher, dessen,....) — S. 231. A. 2: „Sie theilen sich in dem Werthe". — S. 434: „lies das Ohr und den Zehen". — S. 394: „Von Hülsen und Kernern". — Eine Flüchtigkeit anderer Art ist es, wenn S. 285. Anm. 1 gesagt wird: „die Kinder, welche aus dieser" (Levirat's) „Ehe entspringen, werden nämlich nach dem Namen des verstorbenen Bruders genannt." Vgl. Deut. 25, 6: -nTQn mm. — Nach dieser Episode, welche den strengen Gang der abstrakten exegetischen Regeln auf eine ähnliche Art unterbricht, wie im Talmud oft mitten in der hitzigsten halachischen Disputation gleichsam zur Erholung sich ein Stück Hagada einfindet, kommen wir zum zweiten Kap.: die Verbindung der einzelnen Wörter, oder die Lehre vom Satze. Aus dem Verhältniß der Begriffe zu einander und aus der Natur des Satzes im Besonder«, werden hier weitere talmudische Regeln über die Exegese entwickelt. Da der Satz zwei Begriffe identificirt, so wird jeder auf der einen Seite zu einem höheren erhoben, auf der andern in einen nieder» verwandelt. Freilich ist dies — wie der Verf. S. 370 selbst gesteht — nicht immer deutlich und müsse in solchen Fällen analysirt werden; allein wir zweifeln überhaupt, ob es immer der Fall sei. Um uns an das vom Verf. gegebene Beispiel zu halten „der Mensch ist gut" so können wir nicht entscheiden, ob die Sphäre „Mensch" Her „gut" größer sei, weil diese beiden Begriffe kein gemeinschaftliches Maß haben. Also durste das oben Gesagte nur von solchen Begriffen gelten, welche die genannte Eigenschaft haben67), und würde damit immer nichts von seiner allgemeinen Gültigkeit für die talmudische Satzbildung (wenn inD) als solche zu betrachten ist) verlieren. Hier können nur diejenigen Fälle betrachtet werden, wo diese j beiden Begriffe, der allgemeine und der besondere in einen 67- Dies scheint der Verf. auch zu fühlen, wenn er später S. 410 sagt: „die Begriffe, die mit einander verbunden werden, müssen auch eine gewisse Verwandtschaft mit einander haben;- sie müssen mit einander in einem gewissen Verhältniß stehen und einander gleichen. Zwischen dem besondern und dem allgemeinen Begriff herrscht, insofern der letzte der umfassendere ist, und auch diesen in sich einschließen soll, in der Regel einesolche Aehnlichkeit und Verwandtschaft vor."