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Der Orient · 1842-08-20 · 34 (20.8.1842) · p. Spalte 533-534

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
34 (20.8.1842)
Date
1842-08-20
Page
Spalte 533-534 (sequence 3)
Language
German
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533 Spinoza. Zu den Breslauer Rabbinats-Wirren: Tiktin — Geiger. Angezeigt v. Berus. 534 führen, geht er'zur Erörterung der Art und. Weise über, wie eine Offenbarung stattgefunden. Die Schrift selbst, meint er, berechtige uns nur zur Annahme von Offenbarungen durch Worte, Gestalten und durch beide-zugleich, — welche Worte oder Gestalten aber nicht immer in der Wirklichkeit, sondern zuweilen blos in der Einbildungskraft des Propheten existirt hätten. Als Offenbarungen durch wirkliche Worte bezeichnet er diejenigen, welche nach Exod. 25, 22 dem Moses in der Stiftshütte zu Theil geworden, weil es das. heißt: frw ’mDD; hingegen will er in der Stimme, die nach 1 Sam. 3, 5 rc. der junge Samuel dreimal vernommen, ungeachtet auch, daß es ih. il). 21 ausdrücklich heißt: 'n I ibtio 'n — nur eine imaginäre erkennen, und zwar theils, weil er sich genöthigt sehe, zwischen der Prophetie Mosis und der aller andern Propheten einen Unterschied zu machen, — theils aber auch, weil der Umstand, daß Samuel die fragliche Stimme, ungeachtet sie sich mehrmals wiederholt, immer nur als die des Eli erkannte, ~~ auf Imagination hinzuweisen scheine. — (Fortsetzung folgt.) Zu den Breslauer Radbiuatswirren. *) 1) Darstellung des Sachverhältnisscs in, seiner hiesigen Rabbinats - Angelegenheit. Von S. A. Tiktin. Breslau, 1841. 4. 2) Ansprache an meine Gemeinde., Von Dr. Abraham Geiger. Breslau. 1842. 4. F. E. C. Leuckarr. 5 Sgr. So eben ist unter dem Titel: „Ansprache an meine Gemeinde" eine Broschüre von Dr. Geiger erschienen, welche die Ln der „Darstellung" des Rabbiners Tiktin nebst den dazu gehörigen Gutachten der elf Rabbiner enthaltenen Angriffe zurückweisen soll., In zwei Abtheilungen zerfallend . wird zuerst das Sachverhältniß besprochen, woraus sich mit ziemlicher Klarheit das ergiebt, was der größere Theil der Unpactheiischen schon längst erkannt, daß der Starrsinn. Tiktins die meiste Schuld an den Zerwürfnissen Habe, die m der Gemeinde herrschen, und daß er die peinliche Stellung, die er jetzt *) Die herausfordernden, in der gemeinsten Gemeinheit sich bewegenden Artikel in der L. A. Z., in welchen ein Freund des Hrn.Dr.G. unablässig diesen Gegenstand vor das Forum der Oeffentlichkeit zieht und worin mit der beispiellosesten Unverschämtheit und der bedauernswerthesten Bosheit das Iudenthum herabgewürdigt wird, machen es nothwendig, in diesen Blättern, die auch von gebildeten Christen gelesen werden, das wahre Sachverhältniß darzustellen, und das ist auch der Grund, warum ich von den vielen Zusendungen in dieser Beziehung einen theilweisen Gebrauch mache. Red. einnehme, sich selbst zuzuschreiben habe. Daß Geiger selbst sein Möglichstes gethan, den Frieden zu erhalten, wird hier durch mehrfache Belege dargethan, auch einige Bruchstücke aus Predigten desselben (wie auch Tiktin gethanhinzugefügt. Wir ersparen uns, über die Einzelnheiten, die hierbei aufgedeckt werden, zu berichten, und gehen zu dem zweiten Theil der Ansprache über, betitelt „die religiöse Verschiedenheit". Hierbei richten sich die Schwertstreiche des R. Geiger nicht sowohl gegen Tiktin, als gegen die ihm beistimmenden Rabbiner zu Posen, .Lissa, Beuchen rc. — Daß es von diesen lächerlich war, Geiger einen Karaiten zu nennen, braucht kaum erst gesagt zu werden; denn auch abgesehen von Geigers Ansichten über Karaismus, so wird wohl auch die über die Authenucität des Pentateuchs von der der Karaiten um etwas abweichen; so daß also wer die Verbindlichkeit des Talmuds leugnet, noch lange kein Karait zu sein braucht. Der Streit dreht sich also meistentheils um eben diese Verbindlichkeit, so wie über die der Tradition. Die genannten Rabbiner betrachten die Tradition als etwas vom Sinai Herstammendes, selbstständig neben dem Pentateuch Hecgehendes, Geiger betrachtet sie als etwas allmälig Entstandenes. Es sei fern von uns, hierüber etwa entscheiden zu wollen; nur einige Punkte wollen wir hervorheben, über die wir uns aussprechen, und Auskunft zu erhalten wünschen. Es heißt nämlich in der „Ansprache" S. 19. Z. 4. v. u.: „Alles, fahren sie fort, was im Talmud steht, ist Tradition, ja das ist ein im Judenthum bestehendes Dogma" (mit diesem neuen Dogma wird das Judentum, das keine Dogmen kennt, vom Lissaer s. g. Rabb. beschenkt!) „und das nimmt Geiger nicht an, er ist demnach ' ein Ungläubiger." Und dabei scheuen sie sich nicht, sich auf Maimonides zu berufen! Hören wir doch auch, was dieser sagt!" (So weit Geiger). Und nun werden einige Stellen aus Maimonides in der Uebersetzung und im Original mitgetheilt, woraus hervorgeht, daß Maim. sehr genau zwischen Talmud und Tradition unterschied, indem er letztere nur als einen Theil des Talmud betrachtete. Die angeführten Stellen, von deren Authenticität sich jeder durch Nachschlagen überzeugen kann, lassen keinen Zweifel über die Ansicht des Maimonides übrig und die Ankläger Geigers stehen mit ihrer Behauptung in geradem Widerspruch mit Maimonides, stehen beschämt und verwirrt vor den Augen der Welt da. Nun giebt es aber Leute in.der Welt, die ihren eigenen Augen mehr trauen, als fremden, und die nicht blos die aus Maimonides, sondern auch die aus der Petition der Rabbiner angeführte. Stelle nachschlagen wollen. Diese Leute sehen nach, ob Geiger die Seite angegeben, wo sich diese Stelle befinde, wie denn überhaupt Geiger — seiner sonstigen Gründlichkeit angemessen — immer genau die Stellen citirt, auf die er sich gerade bezieht, geschweige denn, die er anführt. Al- 34*

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