Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1842)
- Date
- 1842-08-20
- Page
- Seite 269 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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269 und auch die Unschuldigen verdächtigen. Im Schleswigschen fallen häufig (vgl. Steinheims Meditationen II) entsetzliche Verbrechen vor; aber ich würde mir selbst gewissenlos erscheinen, wenn ich sie als protestantisch bezeichnet. So wenig es aber eine protestantische -Mordthat, einen katholischen Diebstahl u. decgl. giebt, eben so wenig giebt es eine jüdische Gaunerei k. — Spricht man dagegen vernünftig und vorurtheilsfrei über die jetzt meist unter den Juden herrschende Erziehung mit uns, so werden wir, übrigens jede Vergleichung mit der christlichen ablehnend, gern zugestehen, daß sie an vielen Orten, ja selbst in großen Städten (Hamburg, Breslau, Berlin u. a.) noch sehr im Argen liege. — Die Vossische Zeitung, die schon vor einiger Zeit einen Aufsatz: „die Juden in Preußen, ihre Rechte und Wünsche" gebracht hatte, rheilt in ihrer Nummer vom 29. Juli einen Artikel: „die Presse und die Judenfrage" von I. Fr.' mit. — Wir hatten nach dieser Aufschrift eine zusammenhängende Darstellung der Einsichten, wie sie von der Presse in Bezug auf die Juden geäußert worden, erwartet; wir glaubten, es werde von unfern wenigen publicistifchen Widersachern und unfern zahlreichen Bundesgenossen die Rede sein. Statt dessen folgte ein breites, ziemlich schlecht stylisirtes, übrigens wohlmeinendes und wohlwollendes Raisonnement über die Ansprüche der Juden auf Zulassung zu den Rechten der übrigen Bürger des Staates. — Dr. Hermes, der ehemal. Redakteur der Nationalzeitung, der jetzt die Kölnische redigiren hilft, ist für seine Diatriben gegen die Juden von Dr. Philippfon mit einem in der Rhein. Zeit, abgedruckten „Sendschreiben" bedacht worden, welches aber in der Kölner Zeit, schon eine harte Zurechtweisung erhalten hat. — Neu erschienen sind in Betreff der preuß. Judenangelegenheit'. 1) Theodor Brand, Jüdische Prätensionen oder Einwurf auf den Entwurf zu einer zeitgemäßen Verfassung der.Juden in Preußen. Brest. 1842. (Es wäre zu wünschen , daß die Juden mit dieser Broschüre den Anfang machten, den Ankauf;eder judenfeindlichen Schrift zu unterlassen). 2) SB aller, Welche Motive können dem neuen Jndengeletze zu Grunde liegen Berlin, Springer. 5 Sgr. i842. 3) S. S a ch se skonigl. Regierungs-Bau-Jnspecroc zu Berlin)*). Mein fünfzigjähriges Dienstleben und literarisches Wirken. Ein Beitrag zur tharsachlichen Beleuchtung der Frage: Sind Juden zum Staatsdienst geeignet? Zum Besten der Berliner Armen. 20 Sgr. (In Commiss. b. Beit und Comp.) 1842. Kleinere mehr oder minder judenfeindlich abgefaßte Artikel (L. A. Z. v. 29. Juli, Breslau A. A. Z. 30. Juli * Posen) finden sich wobl zuweilen; doch wird ihnen durch Reininiscenzen (wie in der Rh. Zeit, das Schreiben Mirabeau's an Fr. Will). ') Ein geachteter Schriftsteller über Algebra, Verfasser der Auflösungen zu Meir Hirsch's Aufgaben.- (A. d. E.) II. über die Juden' (Beiblatt zur Nr. vom 31. Juli) und durch Zurückweisung der Idee vom christlichen Staate (Stirner über Rosenkranz in der Rh. Zeit, vom 26. Juli) reichlich die Wage gehalten. Eine Correspondenz 0 von der Elbe (aus Dresden?) in der L. A. Z. vom 2. Aug. berichtigt mehreres in Betreff der Stellung des künftigen Oberrabbiners in Berlin in derselben Zeitung kürzlich aus Berlin'Gemeldete. —.Das Morgenblatt vom 27* Juli u. ff. bringt treffliche Proben aus Fr. Rückerts Hamasa. Für die Leser des „Orient" , dürfte der Abdruck des Gedichtes: „Samuel ben Adija,! der Jude", besonderes Interesse haben. Der geachtete junge Arzt Dr. Leopold Meyer, der erst vor Kurzem in! die Direcnon der israel. Freischule in Hamburg eingebetteten war, starb vor etwa 14 Tagen in Frankreich, j — Von Dr. Salomons Psingstpredigt wird bald die! dritte, von feiner Bußtagspredigt die zweite Auflage er-! scheinen.! Berlin, 9. Aug. Ueberraschend und erfreulich : für alle, die an jüdischen Verhältnissen Theil nehmen,! war das Resultat der am 3. d. M. stattgehabten Preis-! vertheilung an hiesiger Universität. Es waren in der i medicinischen und philosophischen Facultat drei Preise zuerkannt worden, von denen zwei an Studirende jüdischen Glaubens (Doctor der Medicin und Chirurgie Röhmann aus Märkisch-Friedland und Lttic!. pllil. PH. Jaffü aus Schwerfenz); außerdem wurde die Arbeit des Sind. ineil.! Semon aus Danzig (ebenfalls jüdischer Confession) einer i ehrenvollen Erwähnung werth gehalten. Wenn man! auch zugeben muß, daß die medicinische Fakultät keine! geringe Menge jüdischer Studirender zählt, so wird das! Verhaltniß derselben zu den christlichen Commilitonen doch 1:5 nicht übersteigen, und oben angeführtes Ergebnis bleibt ein glänzender Beweis, daß es den Juden keinesweges an jenem wissenschaftlichen Ernste und jener Gründlichkeit der Studien mangle, welche feindlich Gesinnte ihnen so oft absprechen. In der juristischen und . theologischen Facultat war keine einzige bewer-; b e n d e Arbeit eingereicht worden. Wie unglaublich naiv in unsrer Zeit und in unsren Zeitungen, die sonst eben keine Spiegelbilder der Zeit sind, noch gefragt' werden kann, davon gibt uns die Beilage zur Spenerschen Zeitung Nr. 179 vom 4. August ein großartiges Beispiel. Ich sitze Ihnen den betreffenden Satz ohne An-; merkung hierher: „Mosaischer Glaube — Gibt es einen Glauben an Moses? —~ Kann der (Moses) selig machen?" Der Frager zeichnet sich N — p in Z. „Du i.gut’ö, unschuldig Kind!" — Der Gesetzentwurf über die Feststellung der jüdischen Verhältnisse in Preußen soll den Ständen zur Begutachtung vorgelegt werden, ."und; ihr Votum wird, wie man hört, ein entscheidendes sein, j Wie viel oder wie wenig von dieser Maßregel zu er-! warten ist, kann Niemand sagen, da unsre. Provincial-! Repräsentanten-und ihre politischen Meinungen so wenig