Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1842)
- Date
- 1842-08-20
- Page
- Seite 268 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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von. Lacken, wo der König bekanntlich seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat. Der Täufact des belgischen Thronerben, des jungen Herzogs von Brabant, zeigt den merkwürdigen Umstand, daß er von einem Katholiken (dem Cardknal-Erzbischof), von einem Protestanten (König Leopold) und einem Juden (dem Bürgermeister von Lacken) unterzeichnet ist. Bei der Frage in Bezug der Militairpflichtigkeit der Juden in Preußen, die jetzt die deutschen Journale in Anspruch nimmt, ist es nicht uninteressant, zu erfahren, dass laut der Listen des belgischen Kriegsministeriums nicht weniger als vierzehn Offictcre mosaischer Confession in der belgischen Armee sich befinden, darunter der Platzcommandant von Vpern, der Oberstlieutenant Louis, . 2 Capitaine, 1 Gendarmerielieutenant, 3 Premierlieutenants, 5 Secondelieutenants, 1 Kriegscassenofsicier. Deutschland. HamöttvH, 3. Aug. Der erste namhafte und sich nennende christliche Autor, der sich in Hamburg selbst zu Gunsten der daselbst ansässigen Juden vernehmen laßt, ist der Advokat Dr. Sutor, derselbe, der bereits vor einigen Jahren eine kleine Broschüre über die erste Niederlassung der Juden in Hamburg herausgab. Nachdem er nämlich in seiner kurz nach der Feuersbvunft anonym erschienenen Schrift „Briefe an Hamburg" (äAamburg bei Hoffmauu und Campe 1842) die dringendsten materiellen Fragen der Hamburg! scheu Gegenwart "erörtert und besprochen hatte, wendet er sich in seinem so eben erschienenen Werkchen: -„Die Supplik vom 8. Juni 1842 und ihre Bedeutung/ von Dr. Aug. Sütor" (Hamb. b. Hoffm. u. Campe 1842. 120 0,,„.8,>) zur Beleuchtung mehrerer Versassungsverhältnisse, und rächtet sein Augenmerk aus eine Reihe- .von Mängeln, Uebelständen und Mißbräuchen, an denen das hamburgische Gemeinwesen seit langer Zeit krankt. Kein Wunder, daß sein Blick auch aus die Lage der Juden in Hamburg fällt, die kürzlich mir schneidender Scharfe, aber zugleich mit leider nur zu wahren Zügen im Morning Herald vom 20. Juli durch einen Anglö-Hebraicus aus Manchester (vom 18. Juli) geschildert wort>cu ist. Schon am 29. August 1814 hatte die am 27. Mai defs. Jahres zum Behuf der Reorganisation auf drei Monate ernannte Bürger-Deputarion am Schlüsse ihrer Verhandlungen 36 Vorschläge in Bezug auf rärhlich und nochwendig erscheinende Veränderungen in der Verfassung und Verwaltung des Freistaates dem Senate eingereicht. Das sechste dieser 36 Postulate (Sutor S. 9) .beantragte: das Bürgerrecht der Juden , jedoch daß sie noch keinen Theil cm der Negierung und Verwaltung erlangen, und nur -eine beschränkte Zahl von ihnen in den bürgerlichen Versammlungen Zugelassen werde. .. Von diesen Postulaten sind einzelne ganz, mehrere theilweise, die meisten (und unter ihnen auch das auf die Juden bezügliche) gar nicht beachtet und erfüllt .worden. Es bleibt daher noch Alles zu wünschen übrig. - Sutor spricht sich darüber (a: a'. O. S.' 113) folgendermaßen aus: „Zn unfern frommen Wünschen gehört ferner ein Gesetz, das die bürgerlichen Verhältnisse der Israeliten regulire. Die Postulate machen .schon darauf aufmerksam. Wahrend der sranz. Zeit war der Unterschied zwischen Christen und Juden in staatsbürgerlicher Beziehung aufgehoben; es hatten"sich die letzteren im Freiheitskampfe als Bürger gezeigt und alle die tausend Gründe, die in Nord und Süd geltend gemacht sind, ihre Emancipation herbeizuführen, veranlagten denn auch unfern Senat 1814 der Bürgerschaft Propositionen zu machen,, die, wenn wir sie auch nicht in allen Stücken billigen, zumal da, wo sie eine Classification der Juden Vorschlägen, doch hatten angenommen werden müssen. Die Bürgerschaft war damals aber engherzig genug, den guten Absichten des Senats in den Weg zu treten. Es ist traurig, daß seitdem die Sache nicht wieder angeregt ist; die Ansicht des Senates wird, wills Gott, noch dieselbe sein, man möchte es aus den warmen Worten des Verfassers der Abhandlung *) schließen dürfen, und die Ansicht der Bürger muß sich und wird sich geändert haben. Hat sie sich nicht im Laufe der Zeit geändert, will sie nicht dem Fortschritte der Zeit huldigen, den Mahnungen der Humanität und der Politik nicht folgen, so wird man ihnen den Vorwurf machen müssen, der bis jetzt in.bet* Regel nur aus den Regierungen lastete, daß sie festhielten am Alten und nicht Raum geben wollten der Reform, und sie werden es sich dann selbst zuzuschreiben haben , wenn man ihre Wünsche nach anderweitigen Verbesserungen für nicht so dringend hält." ^atniuirg, 5. Aug. (Wochenbericht über jüdische Verhältnisse. 28 Juli bis 4.Aug. 1842). Auch diesmal kann nur von Büchern und Zeitungsartikeln die Rede sein, während nicht ein bemerkenswerthes Ereigniß zu melden ist. Lebhaft bleibt noch immer der Ancheil, den die öffentlichen Blätter an der Gestalj rung der jüdischen Verhältnisse nehmen. Zwei derselben, - die Spenersche und die Vossische, brachten gleichzeitig > (Sonnabend 30. Juni) die ofsscielle Entgegnung der! Aeltesten der Berliner jüd. Gemeinde gegen die wider; die preuß. Juden in criminalstatistischer Hinsicht erhoj denen Beschuldigungen. Si lacuisses, pliilosophus j mansisses! wird nun Herr Hoffmann sich ftlbst zuru-; fen können. Warum -verfuhr man auch nicht so, wie-! es, dem gestrigen Alt. Merkur zufolge, - im Schleswigj scheu zu - geschehen scheint, wo bei der Criminalstatistik j des Jahres 1841 von der Religion keine Rede ist? Man! wird zwar Anwender:, die Zahl der Katholiken und Juden fei hier äußerst gering, in Preußen sehr groß; aber eben gerade darum sollte man nicht so viele verletzen, ' "0 Damit sind die Abhandlungen über Gegenstände der Hamb. Verfassung gemeint, die im Jahre 1835 erschienen sind und einen ausgezeichneten Kenner der Hamb. Verfassung und Geschichte (den ältesten Bürgermeister Dr. Bartels) zum Verfasser haben. (A. d. Eins.)