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Der Orient · 1842-08-20 · Heft 34 (20.8.1842) · p. Seite 267

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 34 (20.8.1842)
Date
1842-08-20
Page
Seite 267 (sequence 5)
Language
German
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267 Orient. Algier?, Juli. (Arch. Jsr.)' Der vor kurzem erst zu Algier errichtete Wohlthätigkeitsverein hatte, in Ermangelung eigener Hilfsmittel, einer äußern Hilfe nöthig. Französische Israeliten mit zwei Mitgliedern dieses Vereins und dem Vorstande daselbst haben sich an die Behörden gewandt, und es wurde bestimmt, daß die einheimischen Israeliten in den Krankenhäusern nur den Unterhalt zu bezahlen hätten. Frankreich. Metz, 1. Aug. Auch die Israeliten bleiben nicht zurück, ihre Lheilnahme an dem Schicksale des Kronprinzen an den Lag zu legen.. Hier sowohl als in Nancy haben sie feierliche LräuergotLesdienste gefeiert, und namentlich hat der Rabbiner von Nancy, Hr. Marx, -bei dieser Gelegenheit eine ausgezeichnete Rede gehalten?! Leipzig, 12. Aug. So eben ist das Juli- Heft der Archiyes Israeliles erschienen, und wir beeilen uns den Inhalt desselben anzugeben, was wir allmonatlich von nun an thun werden. 1) Tod des Herzogs von Orleans. Ein patriotischer Ruf. In schwarzem Rande eingefaßt. — 2) Die jüdischen Deputaten Cerfberr, Ccemieux und Fould. Früher saß nur Hr. Benoit Fould in der Kammer; dieser ist aber jetzt durchgefallen, und die Israeliten haben keine Ursache, sich darüber zu betrüben, denn er zeigte sich bei der Damaskus-Geschichte und bei der Verhandlung über das Budget für den jüd. Kultus sehr lau und thcilnahmlos und bei einer Frage über den Sabbat unwürdig. Was der jetzt gewählte Achille Fould leisten wird, muß man abwarten; Adolphe Cremieux und der Lieutenant Max Cerfberr sind schon bekannte Persönlichkeiten, über deren Wahl man sich freuet. Dieser ausführliche Artikel von Ben-Levi, worin über die polnische und jüdische Stellung dieser Gewählten gesprochen wird, ist sehr schön geschrieben. — 3) Der 9. Ab und die Julifeier von dem Rabb. und Prediger Chaclville. Eine bei politisch Freien erklärliche Betrachtung, wobei aber das Judenthum leer ausgehr. — 4) Briefe über die Israeliten in Algier*).— 5) Uebec einen gewissen Joseph von Reipertswill, der in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ein Schulbuch ptt ^^'geschrieben. Der Red. besitzt es selbst und kann bezeugen, daß es unter aller Kritik ist. — 6) Fortsetzung von Sal. Maimon's Leben, aus der bekannten Selbstdiographie von .einer Dame übersetzt. — 7) Ueber den jüdischen Kalender. — 8) Eine jüdische Trauung in Libourne. — 9) Die hebr. Sprache in 16. Jahrh., eine Bemerkung. Ohne Interesse. — 10) Inschrift zur Statue *wEine auszügriche Uebersetzmrg derselben, werden wir im Orient geben. des Marschall Fabert zu Metz. Dito. —- 11) Reklamation der Lehrer in Haut-Rhin. Ohne Interesse. — 12) Project einer Kultusreform von dem R. zu Zwolle, das hebräisch und holländisch so eben in Gravenhage bei Belinfante erschienen ist. Für Deutschland gewiß nichts Neues. — 13) Trauergottesdienst für den Herzog von Orleans, auch in den andern Städten des Landes, ausführlich beschrieben. Für uns nur von geringem Interesse. — 14) Wahl zu einem Mitgliede des Central- Consi'storiums. — 15) Reklamation des Hrn. Cohen, daß die englische Zeitschrift Kol Jakob viele Artikel aus den Archiyes abdcuckt. Aber eben so gut könnte er gegen die A. Z. d. I. reclamiren. — 16) Recension über Löwknsteins Überzeugungen. — 17) Besprechung deS geographischen Commentars zu Exodus vom Hrn. Leon de Laborde, von A. Cohn, worin blos der Aufsatz von Zunz über die jüd. Geographen übersetzt ist,-also für uns in Deutschland ohne Werth. 18) Neuigkeiten und Berichte. Belgien. Brüssel, 30. Juli. (N. C.) Während dieser ganzen Woche waren die Straßen unserer Stadt mit wehenden Fahnen, Blumenkränzen und grünen Reisern geschmückt; die große St. Gudulakirche war festlich geziert, und die Geistlichkeit zog in langer prächtiger Processton über die großen Plätze. Es war die ,,groote Keermeß," die gefeiert wurde. Seit Jahrhunderten-ist dieses Fest stets das wichtigste der brabantischen Hauptstadt. Wettrennen, Fischerstechen, Bolzenschießen und ähnliche Volksbelustigungen werden von dem Gememderath angeordnet; drei große Preise, werden für den Geschicktesten ausgesetzt. Den einen von ungefähr 1000 Franken zahlt der König, den zweiten die Regierung und den dritten die Stadt. Merkwürdig ist es, daß der Ursprung dieses Festes an eine schaudervolle Juden - Massacre sich knüpft, an eine der heftigsten Brunncnvergiftungs- und Hostienentweihungsanklagen, wodurch die Blätter der mittelalterlichen Geschichte so viele Blutflecken erhielten. Fast alle Brabanter Juden wurden zu Anfang des vierzehnten Jahrhunderts, in Folge einer solchen Beschuldigung, die ein getaufter Hebräer gegen sie erhob, niedergemetzelt; die flamändischen Maler haben die Folterscenen und Blutaustritte mit ihrem Pinsel auf die Leinwand gebannt, und diese Bilder werden jedes Jahr während der „Keermeß" in der St. Gudulakirche feierlichst aufgerollt. Ein hiesiges Journal hebt mit Recht den Umstand hervor, daß die .größte politische Freiheit und der eifrigste religiöse Glaube sehr wohl Hand in Hand mit einander gehen können. Die Juden, wegen deren Verfolgung man bis aus den heutigen Lag ein Kirchenfest feiert, sind doch politisch und social hier so vollkommen mit den Christen gleichgestellt, daß man im Leben auch nicht den leisesten Unterschied findet. Die gemischten Ehen zwischen Juden und Christen sind hier sehr häufig. Bei den städtischen und politischen Behörden, im Militair, wie bet dem Unterrichtswesen, bekleiden Juden sehr bedeutende Stellen. Um einige Beispiele anzuführen, nenne ich Ihnen blos die hiesige Universität, wo der Professor des Civilrechts und der Professor der Physiologie, zwei auch als Schriftsteller bekannte Männer, dem israelitischen Cultus angehören. Dasselbe ist auch der Fall mit dem Bürgermeister 34*

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