Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 33 (13.8.1842)
- Date
- 1842-08-13
- Page
- Spalte 525-526 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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525- Der Geist der talm. Auslegung der Bibel v. Hirschfeld. Beurtheilt v. Dav. Cassel. 526' benverwechselung (S. 316) sagt: „Aus der Mitte des einen Wortes dagegen in die Mitte des andern zu transponiren, oder überhaupt in der Mitte der Wörter, so scheint er, was die hier hervorgehobenen Worte betrifft, nicht beachtet zu haben, daß er einige Seiten später (S. 337) aus Sifra Lev. 1, 3 ein Beispiel von Buchstabenvertauschung in der Mitte eines Wortes bringt (tf :mp'> Mpl? ); auch sonst ist dies nichts Seltenes z. B. Moed Katan 9 b D:P)p D,"Op. — Jetzt erst zerfällt der Verfasser die zu der Begründung des substituirten Inhalts zu machenden Versuche in drei Klassen, nämlich 1) über einzelne Buchstaben, Wörter und Satze; 2) die Verbindung der einzelnen Wörter zu einem Satze: 3) die gegenseitige Beziehung der Sätze und Textesstellen auf einander. Wie man von selbst sieht, waren die oben angezeigten Sätze auch unter diese Klassen zu vertheilen, und man weiß nicht, warum dies nicht geschehen ist. — Der Verf. stellt nun, was schon mehre Male hervorgehoben wurde, aber immer schärfer , die deraschastischen Versuche denen einer jeden Exegese gegenüber, indem er in beiden das Gemeinschaftliche findet, daß man den einmal substituirten Inhalt im Text wiedererkennen will 64), und hierzu jede Andeutung zu benutzen sucht; nur die Art und Weise, wie dies geschieht, bildet den Differenzpunkt. Daß diese Versuche bei dem Talmud mehr Scharfsinn in Anspruch nehmen mußten als sonst, geht schon daraus hervor, daß die Widersprüche des Inhalts mit dem Texte als durch die Praxis des Lebens gebildet, schärfer entgegentraten, und daher diese unglaublich weit getriebene Spitzfindigkeit, die merkwürdig genug — die Talmudisten selbst zu sehr heftigen Urtheilen über den babylonischen Talmud veranlaßten *s). — Zuerst waren nun die im Leben herrschenden Gebräuche unter die biblischen Gesetze unterzubringen, was um so leichter war, da die talmudische Gesetzgebung nur eine Entwickelung der biblischen ist; und hier konnte ein doppeltes Verhältniß eintreten; „entweder nämlich hatte die Schrift es" (ein. bestimmtes Gesetz) „von dem fraglichen Gesetz, auszuschließen, oder mit unter dasselbe zu bringen; jenes heißt in der talmudischen Sprache HZ-OQ" (besser tsyß) „verringern (den Inhalt); dieses nm vermehren". Das Wort, das einschließt, heißt O^n)/ das da ausschließt (S.326). Die Andeutungen des!Textes sollen nun auf den Inhalt Hinweisen; manche. Wörter, Buchstaben und Zeichen blieben stereotyp ein- oder ausschließend 1 — s?n>n1), andere wechselten. Nun ergiebt sich hieraus,^ daß wenn von dem Ausgeschlossenen wieder etwas ausgeschlossen wird, der Inhalt des Gesetzes vermehrt wird: 64) Wie hiernach der Verf. S. 231. A. 2 von einem „strengen Wortsinn" im Gegensatz zur talmudischen Erklärung sprechen konnte, bleibt unbeantwortet. 65) Die bekannte Anwendung von Klaget. 3,. 6 (nicht 5) auf den Styl des babylonischen Talmuds findet sich nicht Chag. 10-a- (wie der Verf. S. 324. A. 1 angibt), sondern Sanh» 24 a. - Noch stärker ist wohl Beza 16 a. ^33 \3n 'NBfDD. rra-b N^N DIJl'D' ’TIN DIJJ'D pN; die Antithese hiervon 'Ql TIN rh"i l'N, die der Verf. im Talmud : nicht mit Bestimmtheit ausgesprochen fand <S. 328. vergl. jedoch Horaj. 1, 1), ist schwerer zu rechtfertigen, und wird : sogar in der Hagada (nach der 3. der 32 Auslegungsregeln ' des R. Elieser Sohn des R. Jose ha-Galili) als be- : trachtet b 6). Die commentationellen Versuche durch Assonanzen, Gi-; matria und Vergleichung mit fremden Sprachen sind theils! schon einmal erwähnt (S. 119), (Heils viel vollständiger und - geordneter bei Zunz G. V. S. 326 ff. zu finden, auf den der Verf. hinzudeuten scheint, wenn er sagt, daß dergleichen Versuche vorzüglich in der Hagada üblich waren (S. 330. Anm. 4). — Wenn nun auch in der Regel das andeutende Wort oder Zeichen auf dasjenige bezogen wird, auf das es sich nach seiner natürlichen Auffassung und Stellung bezieht, so wurde doch auch zuweilen eine Beziehung auf das Vorhergehende oder Folgende mit angenommen (vid^ tenlJ *OpD VHriN^ VÜQ S. 331). Zur Erläuterung und näheren Kenntnißnahme aller dieser commentationellen Versuche führt der Verf. . aus halachischen Schriften, nämlich aus Sifra,- Sifri, Talmud (Mechilta) und Ialkut einzelne Stellen aus, und zeigt wie die biblischen Gesetzesstetten interpretirt werden (S. 333). , Wir können dies nur billigen, wundern uns aber, warum dies nicht zu Ende des Buches geschah, und warum noch dazu in Mitten eines Abschnitts. Es konnte daher auch nicht fehlen, daß der Vers.-auf etwas erst Folgendes verweisen mußte (z. B. S. 335. A. 1), da er natürlich kein Kap. -suchen konnte, wo nur die bisher schon behandelten exegetischen i Regeln verkommen. Sonst haben wir zu den Beispielen j selbst nur einzelne, unwesentliche Bemerkungen zu machen. E S. 336 heißt es: „Bei allen diesen wird immer natürlich nachgewiesen, daß man mit einem rm oder einem Schluffe des Gegensatzes diese Resultate nicht hätte ermitteln können". Aber warum übergeht das der Verf.? Dieselbe Frage thut man S. 340, wo auf Sifra Lev. i, 5 mit den Worten verwiesen wird: „Man lese hier die treue Einfachheit zweier' Rabbiner, und man wird sich ein Bild ihrer Studien machen."' Aber da - eben diese ausgehobenen Stellen 66) Von beiden Grundsätzen bemerkt Hal. Olam §. 298 sehr richtig, daß sie nur unter gewissen Bedingungen angewendet wurden;, da> oft mehre hinter einander doch nur ein geben; und etwas Aehnliches läßt sich auch über feD sagen, womit die Anm. S. 338 — nach welcher der Umstand, daß der Sifra Lev. 1, 2 nicht nach einem behandelt, dadurch erklärt wird , daß die Satzbildungstheorie als jüngeren Ursprungs ihm (d. h. dem im Sifra auftretenden Rabbinen) noch nicht geläufig war — Erledigung findet; auch wenn wir nicht urgiren wollten, daß schon zu Hillel's Zeiten (vgl. oben Anm. 29) diese Erßlärungsart gäng und gäbe war. Und etwas Aehnliches ist auch über die Anm. zu S. 373 zu sagen, wo es dem Verf. unbekannt war, woher das dort angeführte Beispiel hätte. (Hierbei ist Seb. 34 a falsch.) Er hat es aus Hal. Olam 4, 2. §. 239 und dieser wahrscheinlich einer noch älteren Quelle entnommen.