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Der Orient · 1842-08-13 · 33 (13.8.1842) · p. Spalte 517-518

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
33 (13.8.1842)
Date
1842-08-13
Page
Spalte 517-518 (sequence 3)
Language
German
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517 518 Die Juden unsrer Zeit. Do» Prof. sinne. Wenn er anders noch am Leben ist, mag er vielleicht t jetzt in Mitte der vierziger Jabre stehen 2). Vierzehn Jahre alt henrathete er, und von der Zeit an ist ihm auch das Amt eines Oberrabbiners3) übertragen. Mehrmals im Jahre bereift , er die Orte, in welchen seine Anhänger wohnen, und verweilt in jedem während der Feier eines Sabbathes.4 *) Wer nun gegen irgend Jemanden Etwas hat, der kömmt zu. dieser Zeit zu ihm und bringt seine Klage vor. Da entscheidet dann nicht eine durch Studium geläuterte Rechtskenntniß, sondern der ihm angeborne Scharssinn schlichtet jeden vorliegenden Fall. Wie aber fein Spruch lautet und sein Schreiber denselben ausgezeichnet, er selber aber mühsam unterschrieben hat — denn er ist des Schreibens so unkundig, das er mit genauer Noth nur seinen Namen zeichnen kann — so bleibt es, und dabei hat es sein Bewenden. Sein Spruch ist heilig und Jedermann muß sich demselben fügen. Aber nicht bloß - in Rechtssachen, sondern auch in jedem andern Verhältnisse! .des Lebens sucht man bei ihm Rath und Hilse. Har einer; eine unfruchtbare Frau, oder will es in seiner Branntweinfabrik! nicht vorwärts gehen, wird er bestohlen, oder ist er überhaupt ' in seinen Geschäften nicht glücklich, mit einem Wort, in einer! jeden Lage nimmt man zu ihm seine Zuflucht, bittet um seii nen Rath oder um sein Gebet. Oesters hat eine solche Bitte; glücklichen Erfolg, gar oft aber auch, wie es denn nicht ani ders sein kann, findet das llebel keine Abhülfc. Sem Ruf ist! so groß, daß sich selbst russische Fürsten und Edelleute nicht! scheuen, bei ihm Rath zu suchen, uud ihn ehren und lieben. ' So traf ich zufällig, als ich im Jahre 1826 den Oberrabbiner! besuchte, den Feld mar schall Wittgenstein bei ihm.! Dieser Fürst erwies ihm alle Ehre, ja er bot ihm den schön-! sten Pallast in einer der ihm untergebenen Städte an, wenn : er dort wohnen wollte. Er verdient aber auch diese allgemeine Achtung. Mag eine Sache noch so dunkel und ver- ' wickelt sein, seinem Scharfsinne entgeht sie doch nicht, seinem ,Auge liegt sie klar und offen da. Auch seine Persönlichkeit wirkt wohlthätig auf die Seinen. Er ist, was man sagen kann, durchaus von edler Gestalt. Sein Gesicht, mit Ausnahme der Oberlippe, ist ohne Bart. Er besitzt die seltene Gabe, sich Jedermann geneigt zu machen. In seinem Blicke liegt eine wahrhaft magnetische Kraft, der selbst sein Feind nicht widerstehen kann. Obschon seine Wohnung mit fürstlichem Luxus eingerichtet ist, lebt er doch äußerst mäßig und hält, was kein anderer Jude in Rußland Lhut, sehr viel auf Reinlichkeit. Er verzehrt in einer Woche, ohne uns einer UeLertreibung schuldig zu machen, kaum mehr, als ein An-' 2) Er ist noch am Leben, aber aus Rußland verjagt und von der Regierung nicht ohne Grund verfolgt, wie wir in der Erzählung, die wir als Supplement zu der des Prof, geben, zeigen werden. 3) Er heurathete mit 13 Jahren und er ist nicht Oberrabbiner, sondern nur Haupt der Chasidim, im Uebrigen nur Kaufmann erster Gilde. 4) Der erste Theil des Satzes ist richtig, der zweite falsch. Es hätte dabei aber noch erwähnt werden sollen, daß das Bereisen keinen andern Zweck hat, als seine Anhänger zu plündern, obgleich er persönlich nichts annimmt, sondern alles durch seinen Diener (Gabbai) vermittelt. So hat er vor Jahren aus Jassy, wo er auf Besuch war, gegen 10,000 Rubel seinen Anhängern abgenommen; jede Lasse Kaffee, die er von einem seiner Anhänger angenommen, ließ er sich mit einem Duralen bezahlen, jeden Besuch mit 10—50 Thaler, eben so jeden Segen rc. und die zweibeinigen Esel waren dumm genuges zu geben. Mayer. Schul - Literatur. Ablation. derer, der eben kein Kostverächter ist, bei Einer Mahlzeit^). Von den vierundzwanzig Stunden des Tages sind nicht mehr als drei dem Schlafe bestimmt. Die übrige Zeit füllen Geschäfte aus. Vom frühen Morgen bis um eils Uhr nimmt er die Menge der ihn Besuchenden an. Von zwölf bis ein Uhr schließt er sich, um zu beten 6), ab. In den Nachmittagsstunden stehen seine Zimmer wieder Jedermann offen. Täglich speist er eine Menge von Personen aus allen Ständen. Jedermann ist sein Gast. Ost steigt die Zahl seiner Gäste, besonders an Festtagen bis auf Tausend. Er selbst aber erscheint nie bei Tafel, als eben am Sabbathe und an sonstigen Feiertagen. Vor acht Jahren widerfuhr ihm das Unglück, in eine höchst verdrießliche Sache verwickelt zu werden, und zwar, wie es sich später zeigte, ohne Schuld. Unter den unter ihm stehenden Israeliten befand sich nämlich einer, der sich der Angeberei gegen seine Glaubensgenossen schuldig machte. Es mochte da Jemand Schleichhandel treiben, mit Dieben in Verbindung stehen rc., Alles wurde von ihm den russischen Gerichten angezeigt. Darüber wurden die Seinigen so erbittert, daß sie ihn heimlich festsetzten und verbrannten. Die Sache blieb nicht verborgen. Um sich nun zu retten, wätzten sie alle Schuld auf ihren Oberrabbiner, als hätte er sie hiezu angeleitet. Das Ende dieses Prozesses ist uns nicht bekannt geworden. So weit der Verfasser in der Beschreibung dieses Rabbi, wir wollen ihm den Dienst erweisen, und hier die Erzählung fortsetzen. Wer diese Menschen und diesen Fanatiker kennt, weiß, daß der Verdacht, als hätte er den gräßlichen Mord veranlaßt, nicht ohne Grund sei, und die Behörden schienen das gefühlt zu haben, obgleich die Beweisführung bei dieser fanatischen Anhänglichkeit seiner Partei schwer war. Nur durch ungeheuere Opfer konnte er sich der Strafe entziehen, aber die Regierung wurde nun aufmerksamer auf dieses Treiben. (Fortsetzung folgt.) Schul Literatur. Abtäliom 1. Theil. Erstes Lese- und Sprachbuch für die israelitische Jugend zur Weckung religiöser Gefühle. Deutscher Theil. Mit zwei Steindrucken. Die hebräische Abteilung, das Hebräisch-Lese-Lehrbuch ist angehängt. II. Theil. Ein Lesebuch für die isr. Jugend zur Weckung und Hebung religiöser Gefühle. Von I. H. Jacobson (in Mislowitz). Breslau, 1842. 8. F. E. C. Leuckart. Dazu gehören Wandtabellen für den deutschen wie für den hebräischen Leseunterricht, die bei Parthieen-Abnahme des Lesebuchs gratis verabfolgt werden. Schon die Vorworte zum ersten u. zweiten Theil zeigen uns, daß dieser denkende Schulmann seine Aufgabe durchdacht und reiflich überlegt hat, da er sich des Einwandes gegen derlei Bücher vollkommen bewußt war und ihn selbst zur Besprechung herbeizieht. Dieser Einwand ist aber nicht unwichtig, und dessen Beseitigung noch weniger, als daß wir ihn nicht hier beleuchten sollten, zumal er sich uns öfter, bei Beurthellung ähnlicher Bücher aufdrängen würde. Seit vielen Jahren ist von oberflächlichen Gleichmachern, 5) hier wieder eine Uebertreibung. 6) um sich zu pflegen. W

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