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Der Orient · 1842-08-13 · Heft 33 (13.8.1842) · p. Seite 263

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 33 (13.8.1842)
Date
1842-08-13
Page
Seite 263 (sequence 13)
Language
German
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verlassen hatte, nach 16 Jahren der 'Trennung , welch ein Widersehen! Jubelnd schlugen ihm unsere Herzen, seine alten Freunde entgegen, als er kam. Aber bald siegte die Trauer, denn der gekommen war, um das Leben zu suchen, der fand dm Tod. Der Sprößling deiner Hochschule ist verdorrt, der lautzeugende Mund von ihrer einstigen Größe ist verstummt, das lebendige Monument deines Einflusses ist verfallen in Schutt und Staub. Möge hier eine kurze Skizze seines Lebens folgen. Der Verstorbene war von armen unwissenden Eltern geboren *), fein Vater war ein sogenannter Unterschulsanger, der in größter Dürftigkeit lebte. Die Sage erzählt, daß bald seine Hochzeit nicht hätte statt finden können, weil er keine Schuhe gehabt um zur Trauung zu gehen, bis der damalige hiesige Rabbiner Hr. Ezechiel Landau diesem Mangel abgeholsen hatte. Als diesen nun seine Frau spöttelnd gefragt, was dies denn für ein Schade sein würde, -wenn ein so unbedeutender Mensch nicht heurathete, gab der würdige Greis zur Antwort, wer weiß, ob nicht einst ein großer Gesetzeslehrer aus ihm hervorgehen wird. Und, was der hohe Rabbi damals gesprochen, es war in Erfüllung gegangen. Nehemias, aus dem Armen-Kinder-Lehchause, wo er seinen Jugendunterricht genossen, mit wielversprechenden Anlagen tretend, hatte sich dem talmudischen Studium gewidmet, und in Mangel und drückender Noch blos ein brennendes Verlangen, das, in der Kenntniß der göttlichen Lehre sich zu vervollkommnen gefühlt und zu befriedigen gestrebt. Seine ausgezeichneten Talente, die sich zu -seinem rastlosen Fleiße gesellten, ließen auch bald in ihm den künftigen großen Talmudgelehrten ahnen, so daß Hr. Jakob Günzburg, der Lehrer an jener Hochschule, wo Nehemias feine Studien betrieb, ihn nicht nur zu seinem Nachfolger ernannte, sondern sich auch schon im höhern Alter in seinen Vorträgen von ihm vertreten ließ. So lebte er bis in sein 47. Jahr in unserer Mitte; kein Amt anstrebend, mittellos, bloß in dem Forschen der Gesetze, in dem sich Versenken in die -ungeheuere talmudische Bücherwelt, in der durch seine Vorträge verbreiteten Kenntniß der religiösen Lehren, sein höchstes Ziel und seine Wonne suchend. Da kam zufällig auf einer Durchreise nach Karlsbad, der vorige selige mährische Landrabbiner Hr. Markus Benedikt nach Prag und lernte ihn kennen. Er selbst einer der größten Talmudgelehrten staunte über den -reichen Schatz, der in dieser unscheinbaren Hülle verborgen lag, über den talmudischen Riesengeist, der in dem kleinen Manne wohnte, und bewirkte bald darauf seine Ernennung zum Rabbiner in Prosniz. Als Hr. Benedikt verschied, so war natürlich kein Name würdiger ihn zu ersetzen, als der von ihm selbst zu diesem Stande fähig und berufen erachtete Rabbiner zu Prosniz. So hatte Nehemias sich auf der Leiter der geistlichen Würden von der untersten Sprosse , dem dürftigen, anfangs unbeachteten Talmudjünger, bis zur höchsten, dem mährischen Landesrabbinec, durch eignes . Verdienst emporgeschwungen, keine erbettelte oder erkaufte Protection, keine dabei interessirten oder mitleidigen Gönner, keine gesuchte Gunst hatte ihn gehoben; von keinem vortheilhaften Aeußern unterstützt, war es sein innerer Werth allein, der ihn auf diesen Posten gebracht, war es seine ausgezeichnete Belesenheit und gründliche Kenntniß der jüdischen Gesetzbücher -und ihrer Quellen, der er seine Stelle zu verdanken gehabt. Von nah und fern, überallher wo Israeliten wohnen, und in ihrem angebornen Glauben leben, ergingen religiöse Anfragen an ihn, so daß man ihn mit. Recht den Lehrer der Judenheit nennen konnte. Auch 'die talmudische Literatur hatte er mir zwei bedeutenden Werken bereichert: dem D^rp 'nbw, Bemerkungen zum jerusalem. Talmud, und dem noch nicht gänzlich erschienenen T V plp, Noten zu dem Codex des -Maimomdes enthaltend. Beide liefern ein Zeugniß von des Vers, tiefer Sachkenntniß und weit umfassender Gelehrsamkeit. Und diese hatte nicht in der Eitelkeit, in der Ehr-und Ruhmsucht sondern in der Frömmigkeit und Gottesfurcht ihren Ursprung, die Pflichten und Obliegenheiten, die ihm sein Gott zu üben anbefohlen, zu diesem Behufe aufs Genaueste und in ihrem ganzen Umfange selbst zu kennen und Andere kennen zu lehren, daswar es, dem ec sein Leben widmete. Er ging unverwandten Auges stets einem und demselben Ziel entgegen, stets einen und denselben Pfad. Mit dem im vorigen Decennium entstandenen neuen Princip konnte er, in der Schule der Alten erzogen, sich nicht befreunden; er zog sich dadurch viele Feinde zu, die manchmal sogar in öffentlichen Blättern seinen Namen zu verunglimpfen sich vermaßen. Ohne über die Richtigkeit seiner Ansicht entscheiden zu wollen, müssen ihm auch seine Feinde die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß er offen und ungeheuchelt seine Gegner bekämpfte, unverholen seine Ueberzeugung aussprach, List, Ränke und Stimmenwerbung aber als.seiner unwürdig jederzeit verschmähte. Ec zog zu Felde, einerseits gegen die jetzt immer stärker werdende Zahl jener Rabbinatsaspicanten, die alles talmudischen Wissens baar und des Eigendünkels voll, sich durch universelle und andere jüdisch-literarische Kenntnisse hinlänglich befähigt glauben, das religiöse Oberhaupt einer Gemeinde zu reprasenriren, und dagegen stritt er auch mit vollem Rechte. Denn so lange die Juden sich wie bisher in Masse zum talmudischen Judenthum bekennen, den Talmud für verbindlich, und dm aus ihm geflossenen Schulchan Aruch für ihr Gesetzbuch erklären, so lange muß ein Gesetzkundiger da sein, der in fraglichen Fallen den Laien, den Ausspruch -des -Gesetzes -verkündigt, es erklärt und in seinem Namen entscheidet, und dieses soll der Rabbiner ') Wann? Red.

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