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Der Orient · 1842-08-13 · Heft 33 (13.8.1842) · p. Seite 264

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 33 (13.8.1842)
Date
1842-08-13
Page
Seite 264 (sequence 15)
Language
German
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264 sein. Es, ist daher keine Frage, welches die Haupt- und Berufswiffenschafc für den Rabbiner sei, und , ob die gründliche Kenntniß der römischen und griechischen Klassiker, orientalischer, ja selbst die der hebräischen Sprache, den Mangel an talmudischer Kunde je für den Rabbi ner aufzuwiegen im Stande sei. Eben so wenig als ein praktisch sein sollender Arzt, der ein gründlicher Psychologe, ein tüchtiger Philosoph, ein großer Botaniker und ein ausgezeichneter Naturforscher wäre, aber nur schwache medieinische Kenntnisse besäße, seinem Berufe entsprechen würde. Andererseits aber kämpfte er gegen den Leichtsinn, und die oft frivole Behandlung der religiösen Fragen. Er, der die Gemeinden in dem alten Systeme Eintracht und Harmonie, . Seligkeit und Beruhigung finden sah, konnte kein Zutrauen fassen zu den Geburten der Neuzeit, dje in steten Widersprüchen begriffen sind, und Zwiespalt und Unzufriedenheit in ihrem Gefolge haben; er konnte kein Behagen finden an den neuen Rabbinern, die mit Papierstreifen und Scheere bewaffnet, mit komischem Pathos dem jungen Israel das Maß nehmen, und nie darüber einig werden können, wo ihm seines Vaters Kleid zu weit und wo es ihm zu eng sei, wie viel man davon abschneiden und wie viel stehen lassen muß; wie jeder von ihnen eine Wage in der Hand da steht, in die eine Schale hier ein Stabilitatsin die andere dort ein Fortschrittskörnchen wirft, so daß die Zunge sich bald da bald dorthin neigt. Ihm, der gewohnt war festen, bestimmten, unwankenden Schrittes zu wandeln, ihm konnte das vage Schaukelsystem nicht gefallen. Ec glaubte in dem Thurme des Rabbinismus, an dem zwei Jahrtausende unablässig mit heiligem Ernste gebaut, mehr Schutz für. Israels Heil zu finden, als in dem über Nacht oft leichtsinnig aufgeführren zwar geschmackvollen, aber nichts weniger als festem Sommerhäuschen. Und so stritt ec mit allem Feuereifer beharrlich und kräftig, mit allen rechtlichen Mitteln gegen die Reform und ihre Apostel, seiner. Ueberzeugung und seiner Einsicht folgend. Im Leben selbst war er leutselig und herablassend, freundlich und liebevoll gegen Jedermann. Nach sechzehnjährigem Wirken nun gefiel es der Vorsehung ihn abzurufen, um den Lohn seiner Lebensthatigkeit im Jenseits zu ernten. Er hatte seinen Studien,, der strengen Erfüllung seiner Amtspflichten und seinem frommen Eifer seine Gesundheit zum Opfer gebracht; die Anstrengungen und Mühen hatten seine körperlichen Kräfte überstiegen, und der Rath der Aerzte nach Karlsbad zu gehen, kam für ihn zu spat. Auf dem Wege dahin, war es hier in Prag, wo ihn der Tod ereilte. Seine Familie verliert in ihm einen zärtlichen Gatten und Vater, seine Lokal- und Landgemeinden einen auf strenge Religiosität wachsamen, mit seinem Gotte, einigen Seelenhirten und amtsthätigen Rabbiner, und das Judenthum einen in jüdischer Wissenschaft ergrauten Veteranen. Friede seiner Asche! Personalchronik und Miseellen. Hamb. Corrcsp. vom 27. Juni über die Eultusmaßregel im Posenschen. / Ein Wort Über die Juden und ihre Geschichte. Gutzkows Telegraph Nr. 85 und 86 von 1842. Deutscher Courier vom 19. Juni für die Königsb. Zeitung und gegen das christlich - germanische Prinzip mit einem Angriffe. gegen den D Corresp. des Hamb. Corresp. Or. Worms (stanz. Jude) (vgl. Preuß. Staatszeitung von 27. uud 28. Juni) Vorlesurrg in der Akademie der moral, und polit. Wissenschaften in Paris wurde bereits in dem Märzhefte der iZraelites besprochen. Ebendaselbst <S. 173—189) eine ausführl. lobende Rec. von F. Delitzsch's Ausgabe des Hz. Chaim. . Ich habe Ihnen früher einmal aus dem Itzchoer Wochenblatt (Nr. 19 von 1842) eine auf die Rendsburger isr. Schule bezügliche Notiz mitgetheilt. Die neueste Nummer (Nr. 22, vom 3 Juni) desselben Wochenbl. kömmt noch einmal darauf zurück. Der diesmalige Artikel ist mit dem Namen Rheindorff unterzeichnet und Rendsburg den 15. Mai datirt. Aus den Mittheilungen des Res. geht Folgendes hervor: , Aus Mangel an pekuniären Mitteln mußte der zweite seit 1831 an der Rendsb. isr. Schute angestelle, wissenschaftlich gebildete Lehrer 1837 wieder entlassen werden. Die verbesserte Schuleinrichtung wurde jedoch beibehalten, der größte Theil der durch die Vakanz erledigten Stunden durch Privatlehrer gegeben, und den pädag. Anforderungen der Gegenwart durch den seit 28 Jahren fungirenden ersten Lehrer möglichst entsprochen» Beim Religionsunterrichte folgt man den Hexheimerschen Religionsbuche.. Außerdem wird im Schreiben, Rechnen, Kopfrechnen in deutscher Sprache, Geographie, allgem. Gesch. und Naturgeschichte, öffentlicher und in der stanz., engl, und dän. Sprache' Privatunterricht ertheilt. Die Zöglinge werden in der Regel bei Kaufleuten in Altona und Hamburg und zwar gewöhnlich wegen ihrer. Kenntnisse und Sitten vorzugsweise leicht untergebracht. Auch die Mädchen werden m Religion, bibl. Geschichte, Schreiben, Rechnen und deutscher Sprache«, so wie in allen weiblichen Handarbeiten unterrichtet. Die jüd. Handwerksgesellen in Rendsburg (wo auch ein Verein zur Beförderung der Handwerke unter den Juden besteht), sind tüchtig und brauchbar. —> Jedes. Gemeindemirglied muß zur Schulkontribution beitragen; jedes schulfähige Kind geht zur Schule. — Die Schute ist schon 1806 errichtet und wahrscheinlich die älteste Gemeindeschule in den Herzogthümern. Früher wurden sogar Schüler zu Schullehrern ausgebildet. Das Uebrige enthält nur Polemik gegen vr. Cohen und Elmshorn. Verlag von C. ü. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.

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