Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1842)
- Date
- 1842-08-13
- Page
- Seite 262 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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262 ja, selbst einer gottesdienstlichen Feier in ihrem -Tempel beizuwoh^en nicht verschmäht hat; wenn nicht die höchsten Staatsbeamten und die g ei stli ch en BeFör d e n insbesondere ihre Sorgfalt auch den kirchlichenVerhältnissen der Juden unermüdet widmeten; wenn nicht bic hiesige jüdische Gemeinde eines, sehr achtenswerten, aus eigenen Mitteln viel beisteuernden Vorst a n d e s und — eines w ackern R el i g i o n s l eh r e r s. sich zu erfreuen hätte. Doch;der Segen kommt von oben! Ein nicht-israelitischer Theil nehmer an der oben beschriebenen ConfirmaLionsfeier. Preußen. Die Aeltesten und Vorsteher der Judenf ch a f t in Berlin hatten gegen eine öffentliche „ amtlich, beglaubigte^ Angabe .in der Preußischen Staatszeitung, daß unter der gleichen Anzahl, christlicher und jüdischer Bewohner desselben Staates durchschnittlich gleichzeitigbeträchtlich mehr von diesen als von jenen wegen Verbrechen und Vergehen in Untersuchung gerathen, dem Justizminister Mühl er und dem Minister der geistlichen ^.Angelegenheiten Eichhorn eine Denkschrift vorgelegt, in der sie das Unrichtige,der Behauptung darzuthun versuchen. .Vom Justizminister Mühler ging ihnen hierauf folgendes Rescript zu : „Die von Ihnen unterm 8. d. M. eingereichte Abschrift. Ihres an den Hrn. Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinalangelegenheiten gerichteten Schreibens nebst einer Denkschrift: betreffend die Behauptung , daß die Juden an. den im preußischen Staate begangenen Verbrechen einen verhältnismäßig größern Antheil haben als der übrige Lheü der Bevölkerung, habe ich empfangen, und aus dem Inhalte der Denkschrift entnommen, daß Ihre Erklärungen der anscheinend überwiegenden Betheiligung der Juden bei den vorgekommenen Verbrechen, größtenteils mit. den Ergebnissen übereinstimmen, welche die über diesen Gegenstand durch die Justizbehörden angestellten Prüfungen geliefert haben. Berlin, 10. Juni 1842. iGez.) Mühler/' . , Breslau, 29. Jul. Der hiesige Mi s s i onsprediger scheint seine Verirrung hierher schwer zu bereuen, wie ich früher schon berichtete (Nr.. 142); denn cs hört ihn keine von den „verdammten" Seelen an. Die gebildetere Klasse der hiesigen Juden besteht meist aus so gelehrten Leuten, daß ihnen der gute Missionsprediger gar nicht gewachsen ist/, und der niedere fanatische Troß hat weder einen Begriff, was der Missionar will, noch was er soll, und gehr ihm natürlich schon von weitem aus dem Wege. Deßhalb hat der gute Mann Breslau, als Heidenstadt, aufgegeben und reist schon seit längerer Zeit aus Kosten des Vereins auf den Messen umher. Von diesen Reisen brachte er zwei „verdammte" arme Judenseelen zurück, um sie hier mit Pomp zu taufen. Wie meist fragten aber auch diese Täuflinge: was wird uns dafür? Der Missionar war für diese Antwort mit den geeigneten Mitteln nicht versehen, 'und so gingen die Täuflinge ihrer Wege; der Missionar aber meinte: des Herrn Wille geschehe. Zu wünschen wäre, daß eine gewandte Feder das ganze Juden-Bekehrungswesen allseitigbearbeitete (was allerdings nur eine Carricatur. oder Satire geben-könnte), damit die gutmüthigen Beitragenden erfahren könnten, wie viel Geld für ein. wirkliches... Nichts beim Juden bekehrungseifer verschwendet wird, was so unendlich gute Früchte tragen könnte, wenn es Arbeit für die Armen schaffte und diesen die Mittel gäbe, daß sie ihre Kinder nicht brauchten zu Heiden werden zu lassen. Die Juden werden sich, wie neuerdings Breslau zeigt, schon selbst finden. Wenn sie nur die Christen auf der Höhe, wo die Juden ankommen werden, . judengerecht erblicken möchten! — Böhmen. Prir g, 5. Juli. *)■ Ein Weheruf durchdrin unsere Gemeinde, und ein Klageschrei. Der jetzt bebe) tendste Geistliche in der österreichischen Judenheit, He Ne hem las Trebilsch, mährischer Landesrabbiner, i heute unr Mitternacht, hier in seiner Vaterstadt verschtt den. Mit ihm erlischt die Fackel des Talmudismus, mit ihm verschwindet die letzte Säule des talmudischen Judenthums, mit ihm stirbt die Kraft des Rabbinism, geht die echte jüdische Gelehrsamkeit zu Grabe. Wer wird nun deinen Rabbinerstuhl einnehmen, beklagenswerthes Nikvlßburg! Welcher Klügler und Achselträger mit der Harlekinsjacke bunter Fetzen aus allen Fachern der Wissenschaften, ohne eine in sich verdaut zu haben; welcher Prahler mit einigen deutschen Phrasen und dem sich spreizenden Doctorhut, statt, mit dem schlichten und einfachen Rabbinertalar bekleidet, wird auf deinen/Sitze prangen? Welcher zungendreschende aber thatarme Held, der Broschürchen schreibt, und zum Besten der Schlaflosen predigt, aber die laxe Observanz der religiösen Gesetze durch seinen Jndifferentismus unterstützt, welcher Jekum-Pmkan und bameh Madlikin abschaffende Kampe der immer Zeitgeist und Fortschritt im Munde führt, sonst aber mit der Sprache nicht recht herausrückt, der mit seinem Flitterkram von oberflächlicher Bildung prunket, in deu Tiefen der altjüdischen talmudischen Wissenschaft aber schülerhaft unerfahren ist, welch ein Halbcabbiner dieser Act wild dich fortan belehren? Welche ästhetisch schöne glitzende Außenseite wird für den innern festen Kern entschädigen? Welches Stückwerk wird das iw sich selber einige organische Ganze vertreten? Welcher glatt gehauene Torso wird an die Stelle eines lebendigen. Heros voller Streb- und Regsamkeit treten? Bedauernswürdige Inden Mährens! Land, das von jeher die größten, von gcmzIsrael als Leitsterne geachteten Männer an der Spitze seiner jüdischen Bewohner süss! Welche Krähe wird ihr Nest nun da bauen, wo bisher ein Adlet gehorstet? Land, das. durch seine hohen Priester bis jetzt ein Altar des Herrn gewesen! Land, das den Tempel und das Heiligrhum bisher in seiner Milte gehegt! der Altar ist rrmgestürzt, der Tempel abgebrannt, Vas Heiligthum vernichtet. Und du in Trauer versenkte Gemeinde meiner Vaterstadt, du, die mit Stolz den selig Entschlafenen ihren Sohn nannte, die diesen weit.dahin schattenden mit seinen Aesten und Zweigen in den vier Weltgegendm sich ausbreicenden und mit seiner Krone an den Himmel ragenden, allenthalben Kühlung, und Labung spendenden Baum keimen, blühen und Früchte tragen sah^. du Gemeinde Prags, an der der selig Verblichene mit inniger Liebe hing, und die er nur mit Schmerz und der dringenden Nothwendigkeit nachgebend, » *) Von -einem andern Corr. Red.