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Der Orient · 1842-08-13 · Heft 33 (13.8.1842) · p. Seite 261

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 33 (13.8.1842)
Date
1842-08-13
Page
Seite 261 (sequence 9)
Language
German
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- 261 — nicht mehr direkt von dem Stamm erhält, so entsteht eine Schwächung, die für das Ganze gefährlich wird. Nicht blos weil wir keine Heloten : haben können, weil wir keine reichen Großen haben, überhaupt kein Stand darf sich von dem andern sondern, ohne daß die Spannkraft verloren geht, welche allein bei einem Kampfe die Minorität gegen die Uebermacht retten kann. Nicht der Juden wegen erscheint..uns daher ein Korporationsedikt so gefährlich, sondern wegen der Folgen, welche im Allgemeinen daraus entspringen können, weil der Versuch nicht isolirt bleiben wird. Eben so ist es nicht der Juden wegen, was uns den Versuch mißlich erscheinen Laßt, wenn er blos aus religiösen Motiven ausgegangen sein sollte. Wir haben zwar in einem Ministerialreskript gelesen, es scheine unstatthaft, daß ein Jude in einem christlichen Staate über einen Christen zu Gericht sitzen sollte. Aber warum unstatthaft? Was beißt ein christlicher Staat? Ist es der Staat, welcher bloß nach christlichen Moralprincipien regiert? Denn religiöse kirchliche Satzungen gehören nicht zum Regiments. Was die Moral betrifft, so sagte schon Lessing: Was mich Dir zum Juden macht, macht dich mir zum Christen. Rechtlichkeit bleibt überall dieselbe, und beim Regieren, wie beim Rechtfprechen unterscheidet man sich — bei gleichen Geistesfahigkerten — nur durch größere oder geringere Redlichkeit. Keine Religion aber macht Jemanden unredlich, sondern nur die Erziehung, die Noch, das Leben überhaupt in seiner äußern Erscheinung. Man findet den Jüdischen Minister, Deputaten, Richter, weder in Holland, noch Belgien, noch in Frankreich unstatthaft, und sind dies weniger christliche Staaten? Der Staat heißt nur christlich, weil die Majorität der Unterthanen Christen sind; will er rein christlich sein, so muß er konsequent alle anders Glaubende aus seinen Grenzen verbannen. Soll der Staat aber heißen die Regierung, so muß auch die Spaltung noch weiter gehen und man gibt sich selbst gefährlichen Consequenzen Preis, denn man kommt vom bloßen Christenthum zu den einzelnen Konfessionen. Man darf nicht bei dem Allgemeinen stehen bleiben, sondern muß sagen, dieser Staat ist altlutherisch, protestantisch oder katholische Eine solche Trennung liegt aber außer dem Bereiche der Möglichkeit, und selbst die Regierung, welche protestantisch oder katholisch ist, muß sich, ihrer übrigen Unterthanen wegen, in den meisten Fällen ihrer Ausschließlichkeit begeben und oft, ohne es außzusprechen, zu dem Principe zurückkommen, daß die Religion, als Familiensache, außer dem Staate liegt, und was den bloßen Glauben betrifft, den Bekennern anheimgestellt bleiben muß. Wenn er dies aber im Großen thut, im Kleinen dagegen einen religiösen Eifer entwickeln wollte, blos weil dieser gegen eine geringe Zahl, wie die Juden, gerichtet ist, begeht er eine Kraftäußerung, die inkonsequent, unnöthig, illiberal ist, und hinter welcher man schlimmere Tendenzen suchen könnte, als vielleicht vorhanden sind. Aus allen diesen Gründen können wir uns nicht überzeugen, daß der Beschluß gegen die Juden, selbst wenn ec im Staatsrache durchgegangen wäre, die Königliche Genehmigung erhalten werde, nachdem erst vor einigen Tagen der König die Ernennung eines jüdischen Gelehrten zum Mitglied der Berliner Akademie bestätigt hat — eine Ernennung, zu welcher das gewichtige Fürwort Humboldt's wesentlich beigetcagen hat. Es ist dies der zweite Fall, welchen die Akademie auszuweisen hat, aber das erste Mal wurde die Wahl verworfen. Freilich hieß damals der Gewählte blos Moses Mendelssohn. Die Zeit ist doch vorgeschritten. Sonbershausen, 22. Juni. (Beschluß.) Jetzt erinnerte der wackere Religronslehrer die Consirmirten, daß sie hingehen und um den Segen ihrer im Tempel anwesenden Väter bitten möchten. Tief gerührt folgen sie dem Winke. Nur ei« Knabe blieb an [feinem Platze stehen — er hatte keinen Vater unter den Versammelten, sondern derselbe ist ihm schon vor einigen Jahren durch den Tod entrissen worden. Der Prediger wandte sich nun an diesen Knaben. indem er etwa folgende Worte sprach: „Und du allem mein Sohn, gehst nicht, dir den Segen des Vaters zu holen? Ach, ja, er weilt nicht mehr hier in diesem Tempel, nicht mehr auf dieser Erde, sondern er ist heimgegangen zu seinen Vätern. Doch ich will jetzt seiue Stelle bei dir vertreten; ich will aussprechen, was er in diesem Augenblicke zu dir sagen würde, wenn er noch lebte auf Erden iu" — Wenige Augen blieben thränenleer. — Jetzt ertheilte der Geistliche den Kindern auch seinen Segen, indem er seine oben angeführten Textesworce auf sie noch besonders kurz anwendete. Hierauf sang die Gemeinde (V. 4): „Ertönt, des Dankes Lieder! Die Feier ist vollbracht; Ein frommer Sinn ist wieder In jeder Brust erwacht! Es ward die Saat der Tugend Ins junge Herz gestreut; Sie bring' in früher Jugend Schon Frucht der Ewigkeit." Dann die Consirmirten (V. 5): „Ich fühle, daß von oben Der Segen mich umschwebt;^ Ich fühle mich erhoben, Mit neuer Kraft belebt. Gott, deine heil'gen Lehren — Das Wort der Ewigkeit — Sei durch die That zu ehren Mein Wille stets bereit." Nun sprach der Prediger einige Schlußworte an die Gemeinde und sodann das Gebet für Fürsten und Vaterland. Zum Schluffe wurde der sechste und letzte Vers des mehr erwähnten Liedes von der Versammlung gesungen: „Es fliehn die schnellen Zeiten; Gott ist unwandelbar In allen Ewigkeiten; Sein Wort bleibt ewig wahr. Von ihm kommt unsre Lehre, Von ihm der heil'ge Bund; Drum weihe Lob und Ehre Ihm jedes Frommen Mund." So endete eine Feierlichkeit, die gewiß erhebend war und einen bleibenden Eindruck auf die Gemüther derer, denen sie galt, hintertaffen muß, eine Feierlichkeit, die von dem Fortschritte des Judenthums, oder doch der israelitischen Gottesverehrung zeugt. Doch wie kommt es, daß gerade hier in Sondershausen diese einen solchen Aufschwung gewinnt? Es würde nicht möglich sein, wenn nickt der glücklichen Umstände mehrere sich vereinigten; wenn nicht ein Fürst über Schwarzburg regierte, der ein edler, hochherziger Landesvater allen seinen Unterthanen ist, der auch der Israeliten so huldvoll sich angenommen hat, sie in Bezug auf Tempel und Jugendunterricht reichlich unterstützt, den öffentlichen Prüfungen ihrer Kinder,

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