Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1842)
- Date
- 1842-08-13
- Page
- Seite 259 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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259 Berlin, 1. August. Die Rabbmecwahl ist für den Augenblick diejenige Angelegenheit, welche in den jüdischen Kreisen die größte Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. Obgleich die öffentliche Meinung den Dr. Frankel mit großer Bestimmtheit als den Sieger in der Wahlconcurrenz bezeichnet *), so möchten sich doch der definitiven Erwählung dieses Herrn manche nicht geringe Schwierigkeiten entgegen stellen. Zu diesen gehört namentlich der bei der Wahl befolgte Modus, indem dieser für die eigentlichen Wünsche der Gemeinde kein Kriterium abgeben kann. Wie sollen 32, durch den blinden Zufall bestimmte Gemeindemitglieder sich als Organ einer zahlreichen Korporation betrachten dürfen, das competene genug sei, um in einer so wichtigen und entscheidenden Angelegenheit allein zu verfügen? Abgesehen davon, daß bei diesem Wahlmodus der intelligentere Theil der Gemeinde eben nur zufällig und gerade deßhalb nicht genügend vertreten wird, bleibt es auch dem Loose überlassen, die Stimmen der Partheien, die hier die meiste Berücksichtigung verdienen, nach ihrem wahren Verhältnisse zu ordnen. Dieser Uebelstand ist einem der gegenwärtigen geistlichen Funktionäre unsrer Gemeinde nicht entgangen und er hat deßhalb, wie man hört, zu wiederholten Malen gegen jenes Rabbinatslotto opponirt, ohne daß jedoch der Gemeindevorstand, gestützt auf höheren Orts 'erlassene Weisungen, diese Reclamationen berücksichtigt hatte. — Jedenfalls wird diese Angelegenheit, sollte sie auch auf dem emgeschlagenen Wege durchzusühcen sein, nicht dazu dienen, die im Schooße unsrer Gemeinde stets rege Opposition zu vertilgen. Dieser Oppositionsgeist hat in neuerer Zeit sich auch gegen die administrative Behörde unsrer Gemeinde gewendet, und von dem Vorstände eine genaue Darlegung der jährlichen Einnahmen so wie Rechenschaft über deren Verwendung gefordert, ein Begehren, dem wahrscheinlich dadurch entsprochen werden wird, daß eine bis ins Einzelne gehende Bilanz im Januar nächsten Jahres zu Jedermanns Einsicht vorliegen soll. So reflektier sich das allgemeine Streben nach Oeffentlichkeit und sachgemäßer' Vertretung in den berührten beiden Angelegenheiten auch in unsrer Gemeinde, ein erfreuliches Zeichen, daß die Indifferenz, mit welcher so Viele unter uns lange Zeit hindurch auf jüdische Verhältnisse hecabsahen, endlich einer regen und lebendigen Theilnahme Platz gemacht hat. Unsre Zeitungen vom 30. v. M. enthalten eine vom Vorstand hiesiger Gemeinde ausgehende Denkschrift über das numerische Verhältniß der jüdischen Verbrecher, zu den christlichen, in welcher die böswilligen Insinuationen, welche sich über diesen Gegenstand in neuester *) Der Red. kann mit Bestimmtheit versichern, daß Hr. Frankel nie concurrirt, noch auf den Sieg so sehr erpicht ist. Wohl aber wirbt der Vorstand um ihn. Red. Zeit hören ließen, auf das Bündigste widerlegt werden. Der Justizminister Mühler erklärt sich in einem mirabgedruckten Schreiben, mit den Argumenten jener Schrift vollkommen einverstanden, wodurch der Werth derselben wenn auch nicht erhöht, doch in den Augen derer bekräftigt wird, die keine Wahrheit anerkennen, welcher das Ämtssiegel fehlt. Dr. P. Leipzig, 22. Juli. (Neuigkeits-Musterung.) Die Tochter des frcmz. ConsulsaufHayti, des Hrn. Cerfbeer, eines Juden, ist bei dem Erdbeben in Cap Hayrien umgekommen. —- Die bei der Bußtagssammlung im Hamburger Tempel für die Kirchen eingelaufene Summe soll sich auf 7—800 M. belaufen. — Die L. A. Z. vom 20. Juli theilt Verordnungen in Betreff der Niederlassung der Juden mit (Ns. Berlinin der Regel amtliche Correspondenz);, die A. A. Z. bringt unterm 17. Juli in ihrer Beilage einen größeren Aufsatz über die Juden, bei dem sich nur die Anmerk, der Redaktion sehr unfein ausnimmt. Auch die Spen. Zeitung vom 19. Juli hat wieder einen Correspondenzartikel über die frühere Paralletisation der Juden mit den Protestanten. — Das Journal des Debats gab vor einigen Tagen in einem Privatschreiben aus Berlin die Nachricht, der Minister Eichhorn habe sich anfangs geweigert, die Wahl des Dr. Rieß dem Könige vorzulegen, bis die Akademie sich direkt an den König gewandt und dieser den Streit zu Gunsten jener gelehrten Körperschaft entschieden habe. — In Preßöurg ist (einer Wiener Zeitschrift zufolge) ein israel. Casino errichtet worden. Ueber die von den Orthodoxen angefochtene Wahl des H. Gebhardt zu Wreschen enthalt die ' L. A. Z. vom 19. Juli (□ Berlin) ein Schreiben, in wachem die Regierung die Ankläger ab- und zurückweist. — Der vom Abgeordneten Züllig in der zweiten bad. Kammer jüngst abgestattete Commissionsbericht ist für die Emancipation der Juden, besonders der strenggläubigen nicht günstig; doch läßt die erhöhete Stimmung der diesmaligen Kammer vielleicht eine bessere Entscheidung hoffen. Halberstadt, 28. Juli. Im Monat Juli des vorigen Jahres habe ich mich in dieser Zeitschrift (Nr. 31) dahin ausgelassen: „daß schwerlich die große Anzahl von Alt- und Ungläubigen im Stande sein könne, dem geistigen Vorwärksschreiten Hemmnisse in den Weg zu legen und die schöne, lichtvolle Zeit für die klaren Grundsätze und die Heiligkeit unserer wahren und echten Religionsbegriffe, wodurch einzig Glück, Heil und warmevolle Frömmigkeit die israelitischen Herzen zum ewigen Schöpfer aller Wesen erfüllen kann, einkehren werde und unsre Nachfolger dann das reinste .Wasser aus dem Heilbrunnen der Religion mit Freuden genießen würden." Ein Theil dieses Gedankens ist auch nun schon aus eine herrliche Weise in unserer Nachbarstadt Bcaunschweig in Erfüllung gegangen, in welcher 33 *