Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1842-08-13 · Heft 33 (13.8.1842) · p. Seite 258

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 33 (13.8.1842)
Date
1842-08-13
Page
Seite 258 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2360092-2360201-2360235--2588-3529560
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

- 258 - Machthabern über dm immer verheerender um sich greifenden innern Zwiespalt die Augen öffnet, wagen Andere ihre politische Haltung nach den Hoffnungen ab, die sie aus der Loyalität oder aus dem Liberalismus für die künftige politische Stellung der'Juden herleiten. Am ehrlichsten, vernünftigsten und zugleich dem Geiste des Judenthums angemessensten bleibt es immer, der freien Forschung und der freien Gesinnung selbst treu zu bleiben und ihnen bei Andern ihr Recht widerfahren zu lassen. Sollten wir auch dadurch in den Augen der Hohen Manches einbüßen, so gewinnen wir dafür Alles vor dem Auge des Höchsten. Schmeichelei, Kriecherei, hündische Demuth entadelt uns und macht uns wahrhaft unsittlich. Mehr als je aber kommt d'accmf an, daß wir die Organe des Fortschrittes mit Wort und Thm unterstützen; denn von ihrem Gedeihen hangt auch uvlsete Zukunft ab. Der Sieg der sogenannten konservativen oder vielmehr korporativen Ideen, der Triumph der .mittelalterlichen 'Denk- und Anschauungsweise würde bald auch bei uns Scenen Hervorrufen, wie wir sie so eben ln Mantua erlebt haben, wo trotz der Energie der Regierung und der bewaffneten Macht das Feuer unter der Asche ffortglimmt. — Was helfen einer solchen Tchat fache gegenüber alle Beweise der Vervollkomm- Nungsfahigkeit,!der wissenschaftlichen Thatigkeit, -der staatsbürgerlichen "Gesinnung der Juden. — Es ist löblich, die Facta, versteht sich ohne Uebertreibung, zu sammeln, die Leistungen der-Juden zu registriren: aber jeder Fortschritt der Juden wird der Staatsmaschine so-lange gefährlich erscheinen, so lange .sie Maschine bleibt und nicht zum Organismus sich erhebt.—- So meldet uns der Humorist vom 21.'Juli, daß Hr. Dr. M. Oesterreicher eine Zusammenstellung der Verdienste gelehrter und kultivirter Israeliten um die Fortbildung ihrer Nation (Pesth 1842) habe erscheinen lassen. Nennte man uns doch lieber Juden statt Israeliten, aber auch Confessiott statt Nation! — Ein Theil des norwegischen Volkes scheint jedoch weder in der -einen noch in der andern Eigenschaft;an uns Geschmack zn finden. Ich gedenke hierbei noch einmal -mit hoher Anerkennung Stein'h e-i-ms, Riessecs und einiger anderen Hamburger und Altonaer als -mittelbarer, Wecgelands, Stören.sens und anderer Storthingsmanner als unmittelbarer -Beförderer .unserer hochheiligen Sache; ich freue mich, daß unsere Angelegenheit durch die nochmalige Verlängerung des Storthings (bis -zum 15. September) Hoffnung hat , statt, .wie es schon einmal in Baden und -nun auch in England der Fall war, verschoben oder unberücksichtigt gelassen zu werden, für die Vertreter Norwegens bald den Gegenstand der Berathung zu bildenaber wenn ich wieder an die perfiden Berichte des schwedischen und norwegischen Consuls in Amsterdam über die holländ. .Juden und an die Einwücft des Prof. Hjelm in Norwegen denke, der mit den Juden ganze Horden von Katholiken, Mönchen und Jesuiten über Norwegen hereinbcechen sicht und dem Steinheim so eben im Telegraphen in einem gehaltvollen, nur etwas £u ftmenzenreichen Aufsätze (ei. d. Altona., 21. Decbr. 1841) geantwortet hat, so entfallt' mir fast der Murh wieder. Und nun vollends, wenn ich sehe, daß die Juden in Hannover so eu passant, ich möchte sagen, en eai'iüero behandelt oder vielmehr mißhandelt, und unter ein Gesetz gestellt werden, das ihnen und den Christen nur zum Verderben, nie zum Segen gereichen kann. — Aber nnchr blos im Vaterlande, auch im östlichen Theile .Frankreichs, wo doch die Juden seit 1791 völlig emancipirt sind, dauert die Mißlichkcit ihrer Stellung noch fort, küieuwir dies.-aus einem lebendig und geschichtlichtreu gehaltenen Aufsatze im Telegraphen (die Bauern und die Juden im Elsaß von Henri Marc) ersehen. — Langsam uns bedächtig, aber sicher und fest schreitet -die dänische Regierung auf der Bahn des Rechtes in Bezug auf die Bekenner der mosaischen Lehre fort. So hat sie jetzt an die zu Roeskilde versammelten Stande derJnselstifte eine Proposition gelangen lassen, in welcher sie für eine Verordnung -über die Art und Weife, wie die Juden künftig beeidigt werden sollen, die Zustimmung der Stande fordert, um die bisher gültige Verordnung vom 15. Septbr. 1747 Aufheben zu können. — Von der Sulamith von Dr. David Frankel in Dessau ist nach ziemlich langer Pause wieder ein neues Heft erschienen. — Der Israelit des 19. Jahrh. von Dr. M. Heß Nr. 20 u. 21 enthalt eine Recens. über Riessers jüd. Briefe; in Nr. 22 beginnt ein Aufsatz, überschrieben: Die über das Gebetbuch des . Ham burger Tempels erschienenen Gutachten. — Die vor Kurzem von der Dorfzeitung gegebene Noriz, daß De. M. Heß in Stadt-Lengsfeld einen jüdischen Knaben, nachdem er von einem Christen in der.(jüd.?) Neligionslehre unterwiesen worden, konsirmirt habe, ist wohl nur ein schlechter Witz jenes Blattes. Auch von einer erneuerten Anklage Legen Dr. Levi in Fürth, durch welche derselbe mir dem Verluste seines Amtes bedroht sei, erinnere ich-mich nur-in der Dorfzeitung etwas erwähnt gefunden -zu haben. — Das vor feinem Erscheinen viel verkündete und vielbesprochene Buch'.des Professors D a umer in Nürnberg (der als Pflegevater Kaspar Hausers und als Geistesgenosse des Philosophen Feuerbach bekannt ist) ist .nun unter dem Titel: Oer Feue'b- und Molochdienst der alten.Hebräer, in Braunschweig bei Otto erschienen. Schon vor mehrern Jahren hat Prof. Daumer-seine Conjektur, daß dieeingebornen Amerikaner mit den alten Hebräern in Sitte, Sprache und religiöser Ansicht verwandt feien, pseudonym alS Amadeus Ottokar in Riedels Athenäum, das damals in Baiecn erschien, veröffentlicht. Nous Yerrons! — In Ungarn wohnen in fammtlichen 248 Städten des Landes zusammen 59—60,000 Juden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.