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Der Orient · 1842-08-06 · 32 (6.8.1842) · p. Spalte 505-506

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
32 (6.8.1842)
Date
1842-08-06
Page
Spalte 505-506 (sequence 5)
Language
German
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505 Einige neuere Erscheinungen der englisch.-israel. Literatur. Besprochen v. Jos. Mendelssohn. 506 neu. Darauf giebt Maimon nach der rührenden Aeußerung eines tiefen und heiligen Schmerzes über so ungerechte Worte, die gelehrtesten und genügendsten Erklärungen in Betreff aller dieser von Simmias, oder vielmehr von dem spanischen Autor, ausgesprochenen Verdachtsgründe. Die mannigfachen Ceremonien und symbolischen Gebräuche der Osteradends-Feier werden hier in einer Weise erläutert und commentirt, die m der doppelten Beziehung des Erforschens der biblischen und talmudischen Stützpunkte, wie in der des poetischen Verklarens, eben so belehrend als anziehend ist. Die vierte Unterredung gibt uns zuvörderst äußerst wichtige Aufschlüsse über das Verhältniß der Christen und Juden zur Zeit der maurischen Herrschaft im Süden Europa'^ Die Letzteren in ihren religiösen Gebräuchen und manchen andern Punkten in verwandtschaftlichen Beziehungen zu den Arabern stehend, überdieß fast in der Gesammtmasse der Sprache derselben mächtig, wurden von ihnen ausgezeichnet, mit Schonung und Freundschaft behandelt, ja zu hohen Würden im Staats- und Kriegswesen erhoben. Juden und Araber waren in jenen Zeiten berühmt durch tiefes Wissen; die religiösen Meinungen beider Völker in Betreff der Einheit Gottes waren im Grunde so ganz dieselben, daß Alles, was den Christen an der muhammedanischen Religion haffenswerth schien, sie auch mit Widerwillen gegen die israelitische erfüllte. Nachdem nun die Araber vertrieben und somit die Juden ohne Beschützer waren, mußte sich der ganze fanatische Haß der Christen gegen .sie richten. Zur selben Periode erließen die Päbste, in der Absicht, die römisch-katholische Kirche zu kräftigen, die schärfsten Bullen in Bezug auf Vertreibung oder Bekehrung der Araber und Juden. Den pabst'lichen Verordnungen Gehör gebend, ließ Ferdinand der Katholische, König von Spanien, 800,000 arabische und jüdische Familien aus dem Lande jagen und zwang die Mehrzahl der in seinen Staaten Bleibenden zum Uebertrirt zur römisch-katholischen Kirche. — Auch die Anklage des Vergießens von Christenblut traf die Juden zuerst in dem fanatischen Spanien und nahm von da, insbesondere nach Einführung der Inquisition, den Weg der Lüge und des gräuelhaften Wahnes bald über ganz Europa. Die Völker jener Periode, eben so unwissend, als zu Grausamkeiten geneigt, schenkten ohne Weiteres der abscheulichen Beschuldigung Glauben, eine Nation betreffend, deren Treiben und Wesen ihnen unverständlich bleiben mußte, und das sie. bereis traditionell zu hassen gewohnt waren. Die Grausamkeiten, deren Opfer die Juden damals in den europäischen Ländern waren, geben dem Verfasser Stoff zur Erzählung einiger Thatsachen, deren schauerlichste wohl die folgende ist: Ein berühmter italienischer Maler wollte ein Bild des sterbenden Heilands anfertigen. Um es möglichst vollkommen herzustellen, wußte er die Kreuzigung eines Juden zu veranlassen, dessen Todeskampf ihm dann freilich das getreueste Modell zu seiner Schöpfung Lieferte! Dies Gemälde aber befindet sich noch heute in der Dresdner Gallerie. Die fünfte Unterredung der beiden ehrwürdigen Männer nimmt nur einige Seiten ein, ist indessen nicht minder wichtig als die früheren. Als einer der schlagendsten Beweise der Nichtigkeit jener Anklage stellt Maimon heraus, daß weder in ältern, noch neuern Zeiten einer der zum Christenthum übergetretenen Juden — die doch keinerlei Grund haben konnten, etwaige Monstrositäten ihres früheren Glaubens geheim zu halten gegen die Reinheit des mosaischen Gesetzes gezeugt habe. Wäre in diesem oder in einem sonstigen religiösen Schriftenthume der Juden etwas wie ein Gebot oder Gutheißen des Vergießens von Christenblut zu finden, würden jene Abgefallenen es nicht mit Freuden offenbart, und es als Grund ihres Religionswechsels hervorgehoben haben? Sehr interessant ist auch in dieser Unterredung Alles das, was über den Unterschied der Motive, in welchen ein solcher Religionswechsel früher begründet gelegen und denen, die ihn in unfern Tagen herbeiführen, gesagt wird. Auch wird Eisenmengers berüchtigtes Buch „Entdecktes Judenthum", mit Bezugnahme auf ein Urtheil des Professors Michaelis in seiner „Orientalischen Bibliothek" gebührend charakterisirt. Die sechste Unterredung macht den Leser, nachdem mit einem bewunderswerthen Scharfsinn wieder ein ganzes Heer der triftigsten Gründe und unläugbarsten Thatsachen von Maimon dem Simmias entgegengestellt ist, mit dem Zustande der hebräischen Literatur vom elften bis zum fünfzehnten Jahrhundert, mit den Verdiensten der Juden um Medicin und Philosophie, Mathematik .und Physik vertraut. Diesem ihrem höheren Standpunkte im Reiche der geistigen Ausbildung stellt der Verfasser die Nacht der Unwissenheit gegenüber, in welcher die Masse der Christenheit damaliger Zeit noch Lappte und dies ungleiche Verhältniß, fährt er fort, habe nothwendig den Haß der letzteren gegen die Israeliten noch in hohem Grade steigern muffen. — „Denn nichts erbittert den Unwissenden mehr als das Wissen". Als neues Argument, die Grundlosigkeit der Blutanklage darzulegen, wird der Leiden gedacht, welche die Samaritaner und Karaiten den Juden zugefügt. Auch hätten sie gleich bittere und ungerechte Verfolgungen von andern, wie die eben genannten, noch heute existirenden Religionssetten zu erdulden gehabt, nie aber sei es den Juden eingefallen, mörderische Rache an Einem ihrer Angehörigen zu nehmen. Hörte man je unter den Israeliten nur die Namen der Stifter jener Setten aussprechen? Und würden die Juden je den Namen Christus erwähnen, lebten wir nicht in der Mitte der Christen, durch die er uns fortwährend in's Gedächtniß gerufen wird. Als eine gar eigentümliche psychologische Beobachtung, die ebenfalls den Abscheu der Juden gegen Blut bekräftigen soll, bemerkt Maimon, daß die wenigen Selbstmorde, welche unter ihnen in Folge von Geistesabwesenheit oder Unglück sich ereignen, fast nie durch Schuß oder Stich, sondern meist durch Erhängen oder Ertränken ausgeführt werden. Der unübertreffliche Gcmeinsinn der Israeliten, die selbst in den kleinsten Ortschaften für ihre Kranken und Dürftigen zu sorgen nicht verfehlen, die selbst den arm und fremd unter ihnen Gestorbenen wie ein Glied der eigenen Familie auf würdige Weise zur Erde bestatten, wird am Schluffe dieser Unterredung, mit besonderer Bezugnahme auf die Städte Wrody und Odessa, hecausgehoben. In der siebenten Unterredung reinigt Maimon in sehr bündiger Weise den Talmud von dem Verdacht, Aufforderungen zum Hasse der christlichen Religion und ihrer Bekenner zu enthalten. Ihm zufolge findet sich nicht einmal die leiseste Erwähnung darin. Die wenigen Sätze, welche der Talmud in Bezug auf das Christenthum früher enthalten habe, seien in neuerer Zeit von einer Gesellschaft gelehrter Männer, um jede Möglichkeit, die Christen zu beleidigen, ausgemerzt worden. Wer vermöge den Inhalt dieser Sähe anzugeben, und wie könne'man über einen Gegenstand urtheilen, der sich nie dem Auge dargestellt habe? Allerdings hätten mehrere der bedeutendsten jüdischen Schristgelehrtcn von Jesus gesprochen, aber es sei dies in achtungsvoller uud anerkennender Weise geschehen. — Auf das mosaische Ceremonialgesetz zurückkommend beweist der Autor, daß Christus selbst die strengste Beobachtung desselben seinen Jüngern an das Herz legte, daß die Predigten seiner Apostel Gleiches verlangten und er erwähnt der Worte Christi, enthalten im neuen Testa-

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