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Der Orient · 1842-08-06 · 32 (6.8.1842) · p. Spalte 503-504

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
32 (6.8.1842)
Date
1842-08-06
Page
Spalte 503-504 (sequence 4)
Language
German
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503 Einige neuere Erscheinungen der englisch-israel. Literatur Besprochen v. Zos. Mendelssohn. 504 und der Sprach- und Größenlehre. Für zwei auf verschiedenen Stufen stehende Schülerabtheilungen einge-: richtet und unterrichtlich dargestellt von Ehr. Gottl. Scholz l.-i*. 2. Bd. Neiße, bei Hennings. 4) Versuch planmäßiger und natu rg e m aß er unmittelbarer Denkübungen für Elementarschulen, von K. H. Krause. 3 Kurse. Halle, Schwetschke. 5) Hilfsbuch für Lehrer und Erzieher bei; den Denkübungen der Jugend; von K. C. G. Je renne r. 4 Thle. Leipzig bei Barth. Aebersicht einiger neueren Erfchemungen der englisch-israelitischen Literatur. I) EFES JDAMMIM. A Series of Conversations at Jerusalem between a Patriarch of the Greek Church and a chief Rabby of the Jews, concerning the malicious Charge against the Jews of using Christian blood. By J, B. L evin s ohn. Translated from the Hebrew as a tribute to the memory of the Martyrs at Damascus, by Dr. L. Loewe, membre of the royal asiatic society of great ßritain etc. — London, 1841. 8. (Schluß.) Von hoher Wichtigkeit ist in der ersten Unterredung die Darlegung des Maimon, daß bald nach der Gründung der christlichen Religion die Bekenner derselben von den Römern gerade des Verbrechens geziehen wurden, das man heutzutage aufs Neue den Juden zur Last legt. Man beschuldigte sie, sich zur Vollziehung religiöser Ceremonien bei der Feier ihres Osterfestes des Menschenblutes zu ^bedienen. Simmias bleibt nach diesen Worten seines Freundes und Gegners einige Augenblicke nachdenkend, giebt ihm dann Recht, denn er entsinnt sich , dieselbe Angabe bei mehreren Schriftstellern gefunden zu haben. Aber, meint er, gerade dieses Argument wäre gegen die von Maimon pertheidigLe Sache zu kehren; denn die Römer könnten im Grunde bei jener Beschuldigung nur das jüdische Ceremonialgesetz gemeint haben, da sie die christliche Religion als der jüdischen entstammend betrachten und deshalb die muthmaßlichen Verbrechen der letzteren auch der ersteren zur Last legen mußten. Maimon,; durch diese geschickte Wendung keinesweges in die Enge getrieben, erwicdert, daß erstens die Juden damals bei den heidnischen Fürsten in der höchsten .Achtung, gestanden, und daß zweitens, wie die Annalen der Weltgeschichte dartegten, jene entsetzliche Anklage gegen die Juden ausschließlich von christlichen Völkern erhoben wäre. Christen allein hätten eine solche Beschuldigung und immer in Bezug auf Vergießung von Christ en bl ut ausgesprochen. Uebrigens seien erst 600 Jahre verflossen, seit die erste Anklage dieser Art gegen Israeliten vorgekommen, während die Christen ihrerseits bereits vor 1000 Jahren und früher Opfer derselben geworden wären. Den Grund dieses unsinnigen Wahnes findet Maimon, einer Bemerkung Tugendholds *) . seine Beistimmung gebend, in dem Hostien- Gebrauche, der das Fleisch und Blut Christi, seinen Jüngern versinnlichen sollte. Das rein Geistige dieser Ceremonie konnte von den Heiden unmöglich begriffen werden, und da sich übri- In seinem Buche Obrona Israeiitow. Warschau 1831. gens das Christenthum in seinen ersten Zeiten in zwei Secten theitte, deren eine, wie authentisch bewiesen ist, allerdings beim Bereiten der Hostie einige Tropfen Kinderblut (welche indessen nicht durch Mord und Abschlachten, sondern durch Prickeln des Fleisches mit einer Nadel erzielt wurden) in dieselbe mischte, so wäre die Basis jener unseligen Anklage hiermit wohl aufgefunden. Ihren eigentlichen Stützpunkt fand sie in den Worten Christi: „Nehmet dies als wein Fleisch und Blut!" welche er am Abende des Osterfestes zu seinen Jüngern sprach. Wir bedauern, durch den beschränkten Raum verhindert zu sein, auch nur in der Kürze Alles das anzudeuten, was der Verfasser mit eben so viel Scharfsinn als Gelehrsamkeit zur Vertheidigung der Juden und ihres Ceremonialgesetzes ebenfalls in der ersten Unterredung ausspricht. Auch das sociale Verhältniß der Israeliten wird bereits berührt, ferner ihr frisches geistiges Streben, mit besonderer Beziehung zu Polen und Galizien. Die jüdischen Einwohner des letztgenannten Landes werden gegen die Unzahl der hämischen Angriffe vertheidigt, und der Einfluß, welchen sie auf Fabriken, Ackerbau und Industrie jeder Art üben, wird als ein höchst wohlthätiger bezeichnet. Die versöhnliche Gesinnung, von den Juden selbst für ihre Peiniger und Unterdrücker gehegt, wird dann herausgehoben und durch Beispiele dargelegt z welche namentlich das Verfahren der Spanier, den Israeliten gegenüber, mit ewiger Schmach bedecken. In der zweiten Unterredung beweist Maimon zuvörderst aus der Bibel und dem Talmud, daß unter den Juden nicht nur jedes Blutvergießen, insofern es Bekenner ihrer eigenen Religion trifft, mit dem Tode bestraft wird, sondern daß auch dem Tödten der Glieder eines andern Glaubens, und sei es Knecht oder Magd eines jüdischen Hausherrn, dieselbe Ahndung folgt. Der Abscheu, den die Juden gegen das Genießen von Blut empfinden, die Strenge, mit welcher ihre Gesetze ihnen verbieten, auch nur ein Stück Brot, dem das Zahnfleisch eine Blutspur aufgedrückt, zu essen, wird hierauf zur Sprache gebracht und der unsinnigen Beschuldigung, daß sie zu Zeiten Menschenblut verbrauchten, gegenübergestellt. Nach einer Abschweifung, welche die beiden Freunde und - Gegner in ihrer dritten Unterredung in Erörterung über die Wunderkuren Christi am Sabbat, und andere auf die Stiftung der christlichen Religion bezügliche Ereignisse verwickelt, kommen sie zum eigentlichen Gegenstände ihrer Unterhaltungen zurück. Simmias bemerkt, daß er in einem spanischen Buche gefunden, wie der rothe Wein, den die Juden auf den Abend des Pesachfestes ausschließlich trinken, eigentlich das Symbol des Mensch enblutes sei, wie es höchst seltsam erscheine, daß man ihnen das Trinken des rothen Weins bei Gelegenheit ihrer Osterfeier zu einer eben so bindenden Pflicht gemacht habe, wie das Essen des ungesäuerten Brotes, daß selbst der Aermste unter ihnen — und wäre er auf die Mildthätigkeit der Gemeinde angewiesen, in welchem Falle er in der That arm zu nennen wäre — mindestens 4 Gläser rothen Weins trinken müsse. Derselbe spanische Autor zählt ferner eine Menge wunderlicher geheimnißvoller Ceremonien auf, welche die Juden am Abende ihres Osterfestes vornehmen; auch unerklärliche, räthselhafte Gesänge, namentlich in dem Buche Hagada enthalten, stimmten sie an, deren mehrere., sich nur. auf das Lamm, nämlich auf Christus selbst, beziehen könnten. Alles dies gelte dem spanischen Schriftsteller als Beweis von der wirklichen Blutschuld der Israeliten. Obwohl nun Simmias dieser Meinung keineswegs beipflichte, müsse er ebenfalls das geheimnißvolle Ceremoniell bei der Feier des Osterabends als den eigentlichen Anlaß der gegen die Juden erhobenen Beschuldigung bezeich-

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