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Der Orient · 1842-08-06 · 32 (6.8.1842) · p. Spalte 501-502

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
32 (6.8.1842)
Date
1842-08-06
Page
Spalte 501-502 (sequence 3)
Language
German
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501 Methodik des ersten Unterrichts unter Israeliten. Brandeis — Schwarzauer. 502 Bildung haben, deren ganze Lebensthatigkeit zu dem Verhältnisse ihres Wissens steht, wie ein Bücherschrein zu seinen Bewohnern; — diese höchst betrübende Erscheinung, schreiben wir ebenfalls, neben einer isolirten Erziehung, wo das Leben selten einen entsprechenden Reflex der Schule bietet, auch erwähnter Methodenlosi'akeit des Unterrichts überhaupt, und des ersten insbesondere zu. Nur wenn Lehrer und Schüler, wie Magnetiseur und Noctambulus, in einem immerwahrenden geistigen Rapport stehen, — nur dann kann die Schule im Leben eine Wahrheit werden. Das Lehr- und Erziehungsgeschäft wird oft mit dem eines Gärtners verglichen. Aber nicht wie dieser , einem wilden Stamme seine natürlichen Zweige beschneidet, und auf den nackten Stamm ein fremdes edles Reis oculirt — ec kann ohne schmerzliches Blutvergießen, die später dennoch nachwachsenden, wilden Sprossen, immer wieder mit der Baumschere beschneiden —- sondern die Menschenseele, welche aus dem edelsten Kerne, aus dem göttlichen Ebenbilde gewachsen, sie soll aus sich selbst heraus veredelt und gebildet werden, nicht fremder Nahrungsstoff ihr zugeführt, sondern wie die Erde, mit dem aus ihrem eignen Schooße entstiegenen Regen und Thau, bewässert und befruchtet werden. Die Thätigkeit des Anschauungsvermögens äußert sich zweifach, nach dem äußern und innern Leben. Jene entwickelt sich zuerst und führt zu dieser. Deshalb muß der Lehrer naturgemäß dem Kinde die Sinne öffnen für die äußeren Eindrücke, damit die Merkmale und Dinge der äußern Welt sich in Bildern in seinem Geiste abspiegeln und zu innern Anschauungen werden. Reale Gegenstände werden den Sinnen der Kleinen vorgeführt, angeschaut, betrachtet und besprochen. Der Lehrer bedient sich des Frageunterrichts und die Schüler sprechen in bestimmter, scharfer Weise in einzelnen Sätzen. Sehen, Hören und Sprechen fallt in eins zusammen. So wird zugleich die Sprache und mit dieser der Geist gebildet. Pestalozzi verdanken wir diese Methode und sein „Buch der Mütter" liefert uns sein Verfahren hierbei. Vorliegende „Materialien-Sammlung zum Vorbereitungs-Unterrichte" ist das erste Buch dieser Art aus den Händen eines jüdischen Lehrers; und deshalb heißen wir es doppelt willkommen. Denn einerseits überzeugt es uns von dem Anbruche der Morgenröthe einer zweckmäßigen Methode in der jüdischen Schule, und anderseits können wir dasselbe zu dem vortheilhaftesten Gebrauche jedem-Schulmanne und gebildeten Eltern angelegentlichst empfehlen. Das Inhalt-Werzeichniß liefert uns die Überschriften folgender Themata. „Erster Abschnitt: Materialien zur Uebung der Beobachtungskrast und Kenntniß der umgebenden Gegenstände. Die Farben. Die Gestalt. Die Fornn Die Schwere. Der Mensch. Die Kleidung. Die Nahrung. Die Wohnung. Die Heilung. Die Haussiere.-. Die Jahreszeiten. Die Welt. — Zweiter Abschnitt: Materialien zur Uebung des Verstandes, in Verbindung mit dem Anschauungsvermögen. Die fünf .Sinne des Menschen. Die Pflanzen. Die Thiere. Die Steine. Nutzen und Schaden der Dinge. — Drrtter Abschnitt: Materialien zur Uebung des Gedächtnisses. Von den Gesellschaften und Lebensarten der Menschen. Die Zeiteintheilung. Vom Maße und Gewichte. Worterklärungen. Sprüche. — Vierter Abschnitt: Materialien zur Uebung der Vernunft In Gesprächen. Ueber Mitleid. Ueber Ursache und Wirkung. Von der Eckenntniß durch die Sinne und den Verstand. Aehnlichkeit des Menschen mit den Pflanzen rc. Ueber die Einrichtung der Welt, als eine Einleitung in den Beweis des Daseins Gottes. Ueber Gott. — Fünsrer Abschnit t: Materialien zur Einwirkung auf Phantasie und Gemüth, durch Erfassung der Natur in ihrer sinnbildlichen Beziehung. Ueber ein Blumenbeet. Ueber den Winter. Bilder des Todes im Sommer. — Sechster Abschn itt: Materialien zur Bildung des sittlichen Charakters. Kleine moralische Erzählungen mit kurzen Denksprüchen. — Der.„Leitfaden für die erste geistige Entwicklung der zartern Jugend. Ein Handbuch für Eltern und Lehramtskandidaten" verbreitet sich in drei Abteilungen über folgende Gegenstände: Erste Abt Heilung. Von der intellectuellen Erziehung: Sprachübungen. Weckung der Aufmerksamkeit. Anschauung der Merkmale. Vergleichen und Unterscheiden. Ueber Ursprung und Gebrauch der Dinge. Erste Begriffe von Wirkung und Ursache. Uebung der Ur thei (straft., Bildung der Vernunft. Uebung des Gedächtnisses. Anregung der Phantasie. — Zweite Abtheilung: Von der ästhetischen Erziehung, als erste Anregung. — Dritte Abtheilung: Von der moralischen Erziehung." — Druck und Papier ist vorzüglich gut. Zu beklagen ist es nur, daß diese Schrift nicht im Buchhandel erschienen und so der Ankauf erschwert wird. Wir möchten dem Herrn Verfasser rathen, solches noch bewerkstelligen zu lassen. Möge derselbe sich aufgefordert fühlen, ferner seine Erfahrungen im Felde der Methodik, wozu dessen Wirkungskreis reiche Gelegenheit bieten kann, zu veröffentlichen. Es thut wahrlich Noch, daß ein regeres, von Liebe und ernstem Eifer zum Heiligen Berufe gewecktes Leben unter den Lehrern unseres Glaubens erstehe; denn aus dem Munde der Kinder und Säuglinge soll ja der Sieg des Herrn gegründet werden. Da es uns namentlich darum zu thun ist, wie bereits bemerkt, die Aufmerksamkeit solcher Herren Lehrer dieser Methode zuzuwenden, welchen es nicht vergönnt war, eine systematische Lehrerbildung zu erhalten, so scheint es uns angemessen, hier zugleich die vorzüglichste Literatur dieses Unterrichts-Gegenstandes beizufügen: 1) Anleitung zu Denk- und Sprechübungen, als der naturgemäßen Grundlage für den gesammren Unterricht ,von F. H. G. Graßmann. Berlin, bei G. Reimer. 2) Der Unterricht in der Klern-Kinder- Sch ule, oder die Anfänge der Unterweisung und Bildüng in der Volksschule. Von Dr. I. A. W. Diesterweg. Crefeld, bei Funke. . 3) Uebungen im An schauen, Denken, Reden und Aufschreiben, als Vorschule der Weltkunde 32*

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