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Der Orient · 1842-08-06 · 32 (6.8.1842) · p. Spalte 499-500

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
32 (6.8.1842)
Date
1842-08-06
Page
Spalte 499-500 (sequence 2)
Language
German
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499 Methodik des ersten Unterrichts unter Israeliten. Brandeis — Schwarzauer. 500 gerichtet. Der ganzen israelitischen Bildung ist auf dem ersten Blick noch jene eilige, unvorbereitet erhaltene, geistige Emancipicung anzumerken. Uebecall noch äußerer Glanz und Flittergold, ohne solides Unterkleid. Das Ganze noch zuviel ein Treibhausgewächs, dessen Wurzeln nicht tief genug, den äußery Elementen Dauer und Halt entgegenzustellen. Und. so ist nichts mehr an der Zeit, als eine solidere Methode in der Erziehung und Bildung der ersten Jahre unserer Knaben und Mädchen einzufühcen. Keinerlei Unterricht ist geeigneter, die junge Menschenseele zu wecken, zu stärken und zum geistigen naturgemäßen Wachsthume durch sich selbst anzuleiten, als der Anschauungsunterricht, die Denk- und Sprechübungen. Die Nützlichkeit und Nochwendigkeit dieses Umercichtsgegenstandes überhaupt, dürfen wir wohl mit Recht, als eine unwidersprechliche Ueberzeugung bei jedem, dem die Jugendbildung Berufsinteresse ist, voraussetzen. Allein den Anschauungsunterricht dem israelitischen Lehrerganz besonders zu empfehlen, dünkt uns einer kleinen. Abschweifung werth. Es ist bekannt, daß es noch viele, sehr viele jüdische Lehrer und resp. Schulinspectoren giebt, deren Bildung und Berufstüchtigkeit einer Zeit anheiwfällt, die im Entfernsten nicht geeignet war, ihnen systematisch-pädagogische Kenntnisse zu verschaffen. Daran hat aber nicht allein die politische Stellung der Israeliten Schuld, sondern es liegt dies zum Theil in der Art und Weise der Auffassung des Judenthums selbst. Dieses war von seiner Entwickelung bis auf unsere Zeit mehr eine Religion, der That und der Wirklichkeit, als der Idee und des Glaubens. Ueberatt wird auf Erfüllung der vorgeschriebenen Gesetzegedrungen und selten nur, daß das Innere des Menschen dahin in Anspruch genommen wird, ihm die Bejahung oder Verneinung einer Idee zu ge- oder verbieten. So Hatte der Israelit früherer Zeit einen natürlichen Widerwillen gegen jegliche Theorie. Ju allen seinen Lebensäußerungen griff er gleich zur Sache selbst, jede Vorbereitung für überflüssig betrachtend und vermeidend. In Wort, und Werk giebt er seine Liebe zur Kürze zu erkennen. In seinen Augen. vermindert sich die Zeit in eben dem Maße, wie seme Lebensaufgabe wächst, welche die Religion ihm gestellt. So. alles Methodische wie nutzlose Pedanterie betrachtend, studirte er feine Sprache zumeist ohne Grammatik, diese nur durch gelegentliche Bemerkungen , beim Erlernen, des Sprachstoffes ersetzend. Andrerseits waren auch die an den jüdischen Lehrer gestellten Anforderungen so. sehr Eines Menschen. Kräfte, übersteigend, daß. er in. der That zu entschuldigen ist, wenn es ihm hauptsächlich und zunächst mehr um den Stoff und. die Materie des Wissensals um dessen Behandlung, zu thun ist. Eben so wenig, waren die Lokalverhältnisse geeignet, den Lehrer bei seinen Schülern an einen geistbildenden/ Vorbereitungsunterricht denken zu lassen. In seinergänzlichen Abhängigkeit von den Eltern konnte und kann er diesen nicht schnell genug sichtliche und handfaßliche Resultate liefern, was bei der in Rede stehenden Methode, wo es auf selbstwirkende Seelenthatigkeit abgesehen .ist, für unwissende Eltern-freilich nicht ostensibel genug hervortreten kann. Diese fragen nur nach dem Was und nie nach dem Wie. Der Zeitaufwand behufs der Erlernung der sogenannten Elementargegenstände dient ihnen zum einzigen Maßstabe, des Lehrers Tüchtigkeit und Amtsbeflissenheit zu messen. An Bildung und Veredlung des Geistes durch Vereinigung des Erlern ten mit dem Lernenden, das Objects mit dem Subjecte, wurde nicht gedacht. Man setzte dieses bewußtlos als einen sich von selbst ergebenden Erfolg voraus. Man tauschte sich aber allzumal, dieser Erfolg lllieb aus, und der ausgestreute Saame wurde nichts weiter — um mit den Worten des Propheten zu reden — „als ein auswendig gelerntes Menschengebot". Einem Jeden leicht in die Augen fallende Schattenseite hat nun diese Methodenlosigkeit, in dem Sichselbstüberlassen der jungen Seele, aus dem erhaltenen Wissen Beliebiges zu schaffen, darin hervorgebracht: daß die ganz e produktiv e G eist es richtung derjenigen Israeliten, welche vorzüglich einer solchen Periode angehören, eine transscendental-reflectirende genannt werden kann. So haben die Naturwissenschaften, welche den beharrlichen Beobachter in Anspruch nehmen —- ausgenommen die Medicin, welche aber zum großen Theil wieder den transscendentalen Geist beschäftigt —. wenig jüdische Namen unter ihren Jüngern. Elieser Bloch steht wie eine Ausnahme unter diesen. Die Kunst der scharfen Anschauungund Beobachtung mit dem körperlichen Auge, und die daraus sich ergebende Fähigkeit, durch die genaueste Darstellung, dm beobachteten Gegenstand naturgetreu wiederzuqeben, ist eine seltne Eigenschaft des israelitischen Philosophen. Gar oft begnügt er sich, dem Objecte irgend eine scharfsinnige Seite abzugewinnen, ohne dessen Bild in seiner Totalität auf sich wirken zu lassen und in der Seele aufzunehmen. Vielleicht ist dieses überhaupt eine Eigenschaft des Scharfsinnes, wir halten uns aber durch die allgemeine Verbreitung dieser psychologischen Erscheinung zu der Annahme berechtigt, es als Erziehungsresultat zu betrachten. Allein auch dieses, kein W. Scott's-Talent unter den Poeten und keinen Linnv und Büffon unter den Gelehrten unseres Glaubens noch zahlen zu können, konnten wir schweigend ertragen, stellte sich nicht ein Nachtheil von unvechattnißmäßig größerer Art heraus, welcher das Reden zur heiligen Pflicht machte. Die Erscheinung, so viele unterrichtete,, ja zuweiten gelehrte Israeliten noch zu finden, die bei den mannigfaltigsten und-oft gründlichen Kenntnissen, dennoch keine wahre

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