Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1842)
- Date
- 1842-08-06
- Page
- Seite 255 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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255 etwas gibt, was zuerst dort zusammenfaltt, so ist es der Pallast, den sich die Hochkirche aus dem Schweiße des Volkes zusammengebaut hat. (Beschluß folgt.) , I La l i e n. Mantucr 13. Juli. Gazetta di Milano. Von je entferntem Punkten die Nachricht eines Vorfalls kommt, desto mehr wird dieselbe übertrieben. Vorfällen, welche an Ort und Stelle von geringem Belange sind, werden in entferntem Ländern Farben und Umstände hinzugedichtet, welche dazu geeignet sind, Neugierde zu erregen, Commentare zu veranlassen und häufig die Lecture der Zeitungsblätter, so zu sagen, pikanter zu machen. Dieß ist' dermalen mit einigen ün Aus lande periodischen Zeitschriften der Fall, in Betreff eines zu Mantua kürzlich vorgefallenen Factums, .welches sich in seiner einfachen Wahrheit folgendermaßen.verhalt: Am 28. Juni d. I. waren zwei Jünglinge, ein Obrist und ein Israelit, in einem Kaffehause zu Mantua aus einem unerheblichen Anlaß mit einander in Streit gerathen, wobei es von Worten zu Thättichkeiten kam. Die Aufregung dieses Streites verbreitete sich alsogleich und - erzeugte unter den christlichen und israelitischen Einwohnern dieser Stadt wechselseitig eine solche Erbitterung, daß sie anfingen, sich aus der öffentlichen Straße Zu beschimpfen, wonach, zur Hinterhaltung von grobern Beleidigungen, das Einschreiten der Militärmacht durch Patrouillen nothwendig ward. Nachdem einige der letztern mir Kieselsteinen getroffen wurden, welche einige Einwohner geworfen hatten, so sahen sie sich genöthigt, sich zu vertheidigenz sie thaten jedoch dieß, in die Lust feuernd, mehr um Furcht einzuflößen, als um zu schaden , so daß sie nur einen Unvorsichtigen trafen, welcher aus Neugierde in einem nahegelegenem Fenster lehnte, und noch einige Wenige, die in der Menge durch die Waffen leicht getroffen wurden. Die daselbst wohnhaften Israeliten hatten sich, als die geringem an der Zahl, schon beim Beginne der Unordnung aus Vorsicht in das JudenquarLier begeben, von wo sie übrigens seit mehreren Lagen unangefochten'und unter den frühern geselligen Umgangsverhältniffen ausgehen, nachdem, Dank dem vorzüglichen Einschreiten der Civil- und Militärbehörde, jene vollkommene Ordnung wieder hergestellt wurde, die, wiewohl ohne ernste Folgen , eine momentane Störung erlitten hatte. Die hierzu berufenen Gerichte schreiten dermalen gegen die an der vorgefallenen Storung Schuldigen ein. Venedig 17. Juli. Das Kaffehaus, in welchem der Streit ursprünglich ansing, ist das unter dem Porticus S. Carlo befindliche und die beiden Hauptpersonen, welche daselbst aneinander geriethenz waren ein christlicher Advccat und ein jüdischer junger Mann, Namens Salomon Loria, '.der, sonst friedlicher Natur durch eine Beschimpfung gereizt, seinem Gegner eine Ohrfeige gab. Aus Verona wurden 1200 Mann Infanterie und 50 Mann Cavallerie requirirt, weil die ordentliche Besatzung, während der ungesunden heißen Jahreszeit auf das Nothdürftige beschränkt ist. Den Maßregeln des Commandanten, General Mazzucchelli, der .auch den rollen Versuch Einzelner aus dem Pöbel,' die Gefängnisse zu öffnen, glücklich vereitelte, wird von diesem Berichterstatter großes Lob gespendet. Da man am Sonntag darauf einen Volksauflauf von Seite d.er Landleute der Umgegend befürchtete, so wurden die Fallthore niedergelassen, und nun scheinen die Villen der jüdischen Familien Finzi und Susani durch Fenstereinwersen und dergleichen Unfug gelitten zu haben. Böhme n. im Juli. Erst vor einiger Zeit verließen uns zwei im talmudischen Fache ausgezeichnete Männer, der Kreisrabbiner Hr. Spitz in Bunzlau und Hr. Dav. Kulp in Teplitz, und immer lichter wird die Reihe solcher Männer in Israel. Der würdige Rabbiner Hr- Rapapoct schilderte uns in einer rührenden und erbaulichen Trauerrede, die er in unserer Alt-Neu-Synagoge gehalten, die mannigfachen und verschiedenartigen Verdienste dieser Männer um Israel, und man hatte kaum geglaubt, daß bald wieder einer aus jener Reihe zu betrauern sein -wird. Den 2. Juli langte hier der Ober- und Landrabbiner Mährens, der auch als talmudischer Schriftsteller hochberühmte Hr. Neh. Trebitsch zu Nikolsburg in Prag an, um eine Gesund Heils reise nach Karlsbad zu machen; viele Würdige gingen ihm entgegen, um ihn zu bewillkommnen; auch Hr. Rapaport besuchte ihn auch den zweiten Tag, aber leider, es schien auch die letzte Ehrenerweisung zu sein, die man ihm in dieser Weit erwiesen. Eine schnelle Steigerung der Krankheit, eine heftige Lähmung der Glieder machte die Aussicht auf den Gesundbrunnen zu Nichte, den 6- Juli früh hatte der unerbittliche Tod ihn hingerafft und Israel um einen großen Mann armer gemacht. Z-M riNin njnn' nywn p ymn. Bis zum Jahre 1831 hatte' er in Prag eine ,TW gehalten und talmudische Gelehrsamkeit verbreitet, von da ging er nach Nikolsburg als Landrabbiner, wo er, kräftig im alten, hergebrachten Sinne wirkend, bis jetzt verweilte, bis der Tod viel zu früh ihn in der Stadt seines frühern Wirkens aufsuchte, da er noch nicht das 60. Jahr erreicht hatte. Den 7. Juli Nachmittags fand die Beerdigung statt; der Verblichene wurde von den achtbarsten und edelsten Männern Prags zur Gruft geleitet und getragen, wie von den Hrn. Vorstehern M. I. Landau, Ed. v. Lammet, Hr. Sale.msftls u. Ä. außer der Begleitung von einer großen Masse des Volkes. Hr. Rapaport, der schon sein Schmerzenslager besucht, folgte ebenfalls mit stummer Wehmuth seiner Bahre, und ganz wie man es von diesem gefeierten Manne erwartete, hielt er eine herzergreifende Trauerrede, den trefflichen talmudischen Satz (Moed-Katan.25) anwendend: nHl pN mn ijwptf 'Dl Der 3. Obecjurist Hr. Tebeles erwähnte der Vorzüge des Verstorbenen, und begleitete dieselben mir mo-