Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1842-08-06 · Heft 32 (6.8.1842) · p. Seite 256

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 32 (6.8.1842)
Date
1842-08-06
Page
Seite 256 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2360092-2360201-2360234--2585-3529548
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

- 256 - ralischen Sprüchen aus dem Talmud., welcher Vortrag in hergebrachter gewohnter Manier auch nicht die Gemüther unberührt gelassen. Ueber die Exposition des Hcn. Freund mag ein Anderer urtheilen, wenn sie überhaupt der Erwähnung werth ist. Ueber den^ Vortrag des Hrn. Rapapoct am 14. d. M., zur Erinnerung an den sel. Trebitsch, werde ich Ihnen nächstens ausführlich berichten, da wie ich glaube, die. Vorträge dieses gelehrten Mannes, so wie sein jüdisch-wissenschaftliches Wirken überhaupt, für unsere Gemeinde nicht ohne kulturgeschichtliche Bedeutung ist. H....N. Literatur. Theologische Gutachten über das Gebetbuch nach dem Gebrauche des Neuen Israelitischen Tempelvereins in Hamburg. Mit einer Einleitung. Hamburg bei, Berendson. 1842. Bei dem Referate über diese, dem Unterzeichneten zur Berichterstattung zugesandte Schrift, dürste es als ungehörig erscheinen, die in derselben enthaltenen Gutachten einzeln nach dein Maßstabe seiner Ansichten von der Lempelliturgie zu prüfen und so ein neues Gutachten über das Gebetbuch des Hamburger Tempels selbst zu geben. Es ist daher meine Absicht nur, hier auf diese Ausgabe der theologischen Gutachten sowohl jeden Anhänger als Gegner des Hamburger- Tempels aufmerksam zu machen und sie allen jüdischen Theologen und Rengionslehrern, wie überhaupt allen Israeliten, sie mögen dem Stabilismus oder der Reform huldigen, angelegentlich zu empfehlen. Rur denjenigen, welche so indifferent geworden, daß ihnen weder das alte, noch das reformirte israel. Cultuswesen mehr von Interesse ist, oder denjenigen, welche von vornherein ohne alle Prüfung Alles hassen und verdammen, was nicht von Männern ihrer Farbe .ausgegangen, wird eine Schrift fremd und gleichgiltig bleiben tonnen, die schon in sofern höchst wichtig erscheint, als sie einen reichen, aus dem Schacht des Talmuds zu Tage geförderten Stoff .enthält, den zu können für die Erörterung unsrer synagogischen Zeitfragen unentbehrlich ist. Wie bedeutsam ist sie aber auch dadurch, daß sie ein Bekenntniß von ' neun Rabbinern und drei Predigern mirtheilt, die in den verschiedensten Gegenden Deutschlands im Amte und größtentheils an der Spitze bedeutender Gemeinden stehend, sich öffentlich für eine Cultusform aussprechen, die im Jahre 1818 noch kein einziger Rabbiner in Deutschlünd laut und freimüthig zu verteidigen, vielweniger zu rechtfertigen, eine imposante - Anzahl Rabbiner aber energisch zu verketzern wagte. Dies ist gewiß ein merkwürdiges Zeugniß, daß und wie weit schon . VerLag von C. L. Fritz f che. T . 7 *"*" in unsrer Zeit die Ueberzeugung, die als unantastbar gegoltenen Synagogen-Observanzen abändern zu dürfen, in das Bewußtsein - der deutschen Judenheit eingedrungen und zur rückhaltlosen Aussprache durch ihre Geistlichen erstarkt ist. Das Votum dieser Geistlichen hätte nicht kräftiger bevor- und befürwortet werden können, als durch die Erwähnung der inzwischen ins Leben getretenen Agende zu Braunschweig, die von dem dasigen wahrhaft ehrwürdigen, hinsichtlich seines rabbinischen Wissens, wie seiner Orthodoxie als unanfechtbar geltenden Landesrabbiner 7Eger genehmigt, durch diese Autorität für die Anerkennung des Prinzips entscheidend geworden, daß die Reform unsres Cultus eben so zulässig, als nothwendig ist. Je mehr aber in Folge dieser Erscheinung zu Braunschweig überall nun die Reform versucht und mit dem geschlagenen Stabilismus nur noch über den Grad ihrer Ausdehnung zu kämpfen sein möchte, um so willkommner wird diese Hülfe sein, welche die Gutachten über Ausdehnung der Hamburger Lempelliturgie hierzu darbieten. Aber auch die, von Herrn Dr. M. Frankel im Namen der Redaktion des Tempelgebetbuches Unterzeichnete Einleitung zu diesen.Gutachten, welche sich über, deren Geschichte und die Stellung des neuen Tempels sm Judenthume verbreitet, und diesen wie jene Gutachten..sehr wahr und trefflich als ein „Denkmal der Fortbildung". charakterisirt, wird gewiß Jeder mit dem höchsten Interesse lesen, dem seine israelitische Religion die heiligste Angelegenheit seines Lebens ist. In derselben wird auch bemerkt, daß die Direktion des Tempels mit der Bitte um Gutachten sich selbst an solche Gelehrte gewandt habe, deren, abweichende Ansicht über manche Punkte nicht unbekannt war, weil man wünschte, daß der Wahrheit ein Zeugniß gegeben werde (S. 17), und (S. 19) daß sie keinen Anstand genommen, auch die Ausstellungen, welche diese Gutachten enthalten, abdrucken zu lassen, obgleich sie manche derselben ungegründet findedenn sie achte jede /Ansicht, wenn sie sich mit Unparteilichkeit und Humanität ausspricht. — Dieses einer achtbaren Behörde würdige Verfahren kann der Sache, welche sie vertritt, nur förderlich sein. Nur scheint uns, daß eben aus. genannten Rücksichten aus Wahrheit und Unparteilichkeit, auch das zum Theil gegnerische Gutachten des Dr. Frankel in dieser Sammlung hatte abgedruckt werden müssen, denn wenn er es auch „selbst dem Drucke übergeben" (S. 18), so sind ja auch die übrigen in der Zeit. d. Judent. und dem Orient bereits einzeln gedruckten Gutachten hier nicht übergangen, und es durste in einer von aller Einseitigkeit entfernten, dem Kirchenhistoriker und jedem Leser ein vollständiges Bild von der heutigen Stellung und Geltung des Tempels und seines Gebetbuches im Judenthüme gewährenden Ausgabe von Gutachten, auch das verketzerndste eine Ausnahme um so mehr finden, als sie sich „Gesammtausgabe der Gutachten über das Tempelgebetbuch" nennt. Bernburg Dr. Z erxh e im er. Druck von I. H. Nagel.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.