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Der Orient · 1842-08-06 · Heft 32 (6.8.1842) · p. Seite 253

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 32 (6.8.1842)
Date
1842-08-06
Page
Seite 253 (sequence 9)
Language
German
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brannte) und nicht minder in der Hauptsynagoge wurden am Bußtage Vortrage gehalten. Die Predigt im Tempel ist gedruckt; den Vortrag bei den port. Juden hielt der Chasan Herr Cassuto und den in der großen Synagoge Herr'BernUys, der jenen Corresp. am besten durch den Druck seines damaligen Vortrages widerlegen könnte. — Die den Juden in Altona ercheilten Rechte sind nun auch-für Wandsbeck und Elmshorn gültig erklärt worden. — Auch über die Befugniß der Juden, sich an verschiedenen Orten niederzulassen, behält der König seiner schlesw.-holst. Kanzlei die Bestimmung vor, so daß die Stande auch darüber nicht mehr sollen entscheiden können. — Mit den bisherigen sogen. Privilegien in Wandsbeck verhielt es sich folgendermaßen: 1671 erhielten die Juden in W. unter Friede. III. die Freiheit auf Pfänder zu leihen und das Privilegium, gestohlene Sachen, wenn sie nicht als gestohlen gekauft, nur gegen Rückgabe der Kaufsumme ausliefern zu dürfen. Dieses Privilegium soll schon 1754 durch Friedrich V. aufgehoben und seit 1811 kein Gebrauch mehr davon gemacht worden sein, so daß die jetzige Aufhebung ■ schon darum als überflüssig erscheint, weil den Wandsb. Juden die Fortdauer desselben gänzlich unbekannt gewesen zu sein scheint. — E. C. Bevlrn, 22. Juli. Den Aeltesten der hiesigen Judenschaft ist ein Ministerialrescript zugegangen, das ihnen aufgibt, zur Wahl eines Ober-Landesrabbiners, der die Aufsicht über die gesammten Rabbiner des Staates führen würde, zu schreiten. Einer äußern Mittheilung nach hätten die Judenältesten bereits die nöthigen Einleitungen getroffen und den zeitigen Rabbiner in Dresden, Dr. Z. Frankel, zu diesem wichtigen Posten designirt. Hinzugesügt wird, daß seit dem Jahre. 1800 das Ober-Landesrabbinat erledigt sei. Sondershausen, 22. Juni. (Verspätet.) Wir halten es um so mehr dem öffentlichen Jntereffe angemessen,'Ihnen beikommend ein Exemplar des hiesigen Unterhaltungsblattes, zum beliebigen Abdrucke in Ihrem geschätzten Blatte zu überse'nden, als der darin enthaltene Aufsatz, aus der Feder unseres ersten Staatsbeamten, wie wir durch untrügliche Quelle überzeugt sind, geflossen ist. Davon abgesehen, verdient das rastlose Mühen unseres Predigers und Lehrers Herrn Heiden heim, für Schule und Tempel/ die dankbarste Anerkennung; und haben schon die ausgezeichneten Leistungen unserer Schule durch die gänzliche Hingebung des Herrn H. unfern durchlauchtigsten Fürsten-bewogen, dem Hrn. H. eine öffentliche Anstellung an der hiesigen Realschule zu geben, so ist ebenfalls der trefflich geordnete Gottesdienst zumeist mit den gebildetsten der christlichen Mitbürger gefüllt, so oft Herr H. das Wort Gottes in einer Sprache vorträgt, die wir am besten zu bezeichnen glauben, wenn wir sagen: man hört ihr es an, daß sie aus reiner Herzens-Quelle fließt. Es freuet uns, dessen erst vor kurzem, errichtete Pensions-Anstalt in gedeihlichem Fortschritte zu wissen;'und wüßten wir in der That Eltern,, denen eine glückliche Erziehung und Bildung ihrer Kinder heiliger-Ernst ist, kein vorzüglicheres Institut zu empfehlen, als sie unbedingt Herrn Heidenheim anzuvertrautn. Möge dessen ununterbrochene Thatigkeit und unverdrossene Ausdauer ihn nicht zu früh entkräften, und der Himmel ihm seinen Beistand nicht versagen, daß er noch lange ein Segen unserer, Gemeinde bleibe. Eine israelitische Confirmationsseierlich- Bett’) zu Sondershausen. Wie viel man auch der gegenwärtigen Zeit zur Last legen möge, sie ist doch unbestreitbar eine Zeit des F ortschreitens, das sich nicht immer blos auf die materiellen Interessen, nicht blos auf Verstcmdesspeculatkon bezieht, sondern hm und wieder — neben mancher bedauerlichen Erscheinungen — auch in erfreulicher Weise auf dem Gebiete des religiösen Lebens und in den Einrichtungen d.es Cuttuö sich zeigt. Es beweist sich dies selbst an dem Volke, welches seit vielen Jahrhunderten in alle Länder der Erde zerstreut, doch überall seine Eigenthümtichkeit beibehalten, aber auch bis auf unsere Tage an starren Formen, an althergebrachten Ceremonün festgehalten hat, — an den Jude n. Erst in der neuesten Zeit haben sie hier und da angefangen, ihren Cultus den Bedürfnissen der Gegenwart mehr anzupassen, ihrem Gortesdienste eine zweckmäßigere Einrichtung zu geben, und haben Schritte gethan, welche die nächste Vergangenheit kaum geahmt hätte. Zu denjenigen israelitischen Gemeinden aber, welche hierin vielen andern mit lobenswerthem Beispiele vorangehcn, gehört ohne Zweifel die hiesige, deren Vorstand und Geistlicher vereint und unablässig für die Förderung alles Guten thätig sind und auch dem Gottesdienste in dem erst vor etwa 16 Jahren erbauten Tempel eine immer würdigere Gestaltung zu geben sich bemühen, was von den meisten Gemeindegliedern dankbar anerkannt und nach Kräften unterstützt wird. — Einen sprechenden Beweis davon gab der 21. Mai d. I. An dem genannten Tage fand nämlich die feierliche Confirmation oder Einsegnung von sieben Kindern, 3 Knaben und 4 Mädchen im Tempel Statt, und dieser Act, der nach 9 Uhr Morgens begann, verdient es wohl, daß seiner mit einigen Worten gedacht werde, da er die allgemeinste Theitnahme bei allen Anwesenden — nicht bloß Israeliten, sondern auch christlichen Zuhörern — fand. Zuerst wurde aus dem Hamburger Gesangbuche des neuen israelitischen Tempels der erste Vers des Liedes 413 von der ganzen Gemeinde gesungen. Alsdann bestieg der Prediger, Hr. Heidenheim, ein Mann, der sich um den Iugendunterricht, wie um die gottesdienstlichen Versammlungen seiner Gemeinde mit aufopfernder Liebe verdient macht, die Kanzel, und die Consirmanden traten auf die Stufen, welche nach der heiligen Lade führen. Nach einem erhebendem Gebete sprach der erstere über die zum Texte seiner Rede sehr passend gewählten Worte 4 Mos. 6, 24—> 26: „Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse fein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden" — und drückte in einer Homilie über *) oder genauer: Einsegnung, Aufnahme unter die Erwachsenen, — ein Act, welcher der Confirmation bei den Protestanten sehr ähnlich ist, wenn auch im eigentlichen Sinne keine Confirmation bei den Israeliten Statt findet.

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