Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1842)
- Date
- 1842-08-06
- Page
- Seite 252 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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252 — Außerdem fanden sich in mehreren polit. Blättern, die uns in der verflossenen Woche zu Gesichte kamen, folgende auf die Juden bezügliche Notizen: Die Schweiz .zahlt jetzt (unter 2,177/000 Ew.) 1755 Juden. — In Sebastopol ist den Juden von nunan(?) ein bloß temporärer Aufenthalt gestattet. —- Zu den Wahlen in Frankreich hatten sich mehrere Juden gemeldet; drei davon sind durchgegangen: der Banquier Achille Fould, der berühmte-Advokat Cremieux (in Chinon , Inäre et l-oire gewählt) und der Obnstleutnant Cerfbeec (für Weißenburg). Der Erstgenannte ist ministeriell, Cremieux gehört der Opposition an, Cerfbeer war in mehreren Zeitungen als ministeriell, in andern als Oppost'tionskandidat angeführt. Benoit Fould, bisher der einzige jüd. Deputirte, ist diesmal durchgefallen. Bei einer so geringen jüd. Bevölkerung, wie sie Frankreich zählt, ist das Berhältniß der Erwählten zu der Gefammtzahl der Deputirten (459) ein sehr günstiges. — Die Rhein. Zeit, theilt aus London mit,, in einem an Montesiore gelangten Briefe sei .die Meldung enthalten, daß die Brüder Harrari (?) in Damaskus ihre Sklaven fteigelassen hätten, und daß. man dieses Beispiel der Humanität dort bald allgemein nachgeahmt zu sehen erwartetete. — Der Graf Ratti-Menton, dessen Name durch die Damaskusgreuel mit unvertilgbarer Schmach behaftet ist, befindet sich seit Kurzem in Frankreich. — Die traurigen Ereignisse in Mantua werden meist in einem den Juden günstigen Lichte geschildert. -— lieber Negerjuden in Cochm an' der Küste von Malabar berichtete die Spen. Zeit, vom 12. . Juli nach Mitteilungen des Rabbi David zu Madras; ebendaselbst ist auch von der Verbreitung, Absonderung und vermeintlichen Entstehung der schwarzen Juden die Rede. — Unter den von Juden herrührenden neuen Schriften und Abhandlungen sind hervorzuheben: H. B. Oppenheim (Privatdocent der Rechte in Heidelberg): der freie deutsche Rhein (bei Cotta; histor. u. staatswissenschaftl. Untersuchungen); ferner die Verteidigungsschrift des Arztes, Dr. I. Jacoby zu Königsberg, in dem Prozesse wegen der vier Fragen (Zürch u. Wiitterchur); endlich V. F. Lebr-echt: Beleuchtung' der Lebensgesch. des Averroes (Zweiter Artikel) im Magaz. der Lit. des Auslandes vom 13. u. 15. Juli). —- Von B. Mayer ist eine Schrift-erschienen: die Juden unserer Zeit. Eine gedrängte Darstellung ihrer relig. u, polit. Verhältnisse in dm drei alten Erdtheilen (Regensburg bei Manz). — Nach dem -Telegraphen sollen sich viele Söhne vornehmer jüd. Familien in Preußen zum freiwilligen Kriegsdienste melden, und auch Berliner .in der Garde dienen wollen. — Das aus der Fabrik des Seidenhändlers. Abrah. Jakob Meyer in Berlin hervorgegangem Tableau wird amtlich von dem Berl. Magistrate als eine Arbeit anerkannt, wie sie wohl in Deutschland noch nie vorher ausgeführt worden sei. Es ist dies die Darstellung zweier Situationen aus dem Leben Friedr. Wilh. III. — Die von der Spen. Zeit, gemeldete Ernennung des Malers Bravo in Rom, des Verwalters der Thorwaldsenschen Kunstschatze und ausgezeichneten. Fremdenführerszum dan. Consul im Kirchenstaate, bedarf noch der Bestätigung. Herr Bravo gehört einer geachteten jüd.-portug. Familie in Altona an.. — Von Leopold Dukes Gesch. der relig. Poesie d. Juden im MA. ist nun der größte Theil gedruckt; das Ganze wird wohl vor dem jüd. Neujahrsfeste erscheinen. — Aus Brussa (Kleinasien) wurde neulich in der A. A. Z. berichtet, daß die Juden dorr an den gewöhnlichen Nahrungszweigen der meisten Ortsbewohner keinen Antheil nehmen. — Die Ernennung des H. S. Robinow in Hamburg zum Hamb. Vice-Consul in Leich (bei Edinburg) ist schon vor mehreren Monaten im Or. gemeldet worden. H. Robinow übt bereits seine Funktionen aus; man vermißt jedoch bis jetzt in den hies. Blättern die amtt. Anzeigevon seiner Er-, nennung. -— Aus Hamburg läßt sich im Ganzen wenig mittheilen. Bemerkenswerth ist der tiefe Eindruck, den die am Bußtage gehaltene Predigt des H. Dr. Salomon auf den christl. Mittelstand gemacht hat; sie wird sehr viel gekauft. Auch die erste am ersten Tage des Wochenfestes (kurz nach der Feuersbrunst) gehaltene, erfahrt noch so starke Nachfrage, daß heute eine zweite Auflage (in 500. Eppl.) davon.erscheint, von der schon weit über 100 Expl. vorausbestellt sind. In der That ist die Lebendigkeit, die. Anschaulichkeit und der kräftige Ausdruck in beiden Predigten sehr zu loben. Sogar zwei sonst den Juden nicht sehr, holde Wochenblätter, der Hamb. Beobachter und der Freischütz, gedenken ihrer mit großem .Lobe. — Wenndagegen an einer Stelle des Freischütz die Mitglieder des Tempels als die jüd. „Freien" bezeichnet werden, so ist dieser Ausdruck so unpassend und unsinnig, daß eine Entgegnung fast nothwendig erscheint. So weit ist der Tempel nie gegangen, daß er aller Offenbarung, aller positiven Religion und jeder Ceremonie entsagt hatte. — Auch ein Corresp. in der A. A. Zeitung vom 14. .Juli (* Hamb. 8. Juli) verrärh seine . totale Unbekanntschaft mit den hiesi jüd. Verhältnissen, wenn er von einer neuen deutsch-isr. Gemeinde spricht, die am Bußtage Gottesdienst gehalten habe. Er meint -damit die Tempelmitglieder; diese bilden aber keine besondere -getrennte Gemeinde, sondern gehören demselben Ge'memdeverbande an-, wie die Altgläubigen, von denen , jener . Corresp. fälschlich behauptet, daß sie nebst den Katholiken und Englisch-Bischöflichen keinen Antheil an der Feier des Bußtages genommen hatten. Es giebt hier nur zwei Gemeinden : eine hochdeutsch.-israel. und eine (sehr kleine) portugies.-israelitische. Ein Theil der hochdeutschen Israeliten folgt nun . in dem „Tömpel" genannten Erbauungslokal einem abweichenden gottesdienstlichen Ritus. Sowohl im Tempel, als in dem provisorischen Betsaale der Portugiesen (deren Synagoge bekanntlich mit ab-