Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1842)
- Date
- 1842-08-06
- Page
- Seite 251 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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251 Deutschland. Hamburg, 19.Juli. (Wochenbericht über jüdische Verhältnisse. 12—19. Juli 1842). Die Berichte, Ansichten und.Urtheile über die gegenwärtigen -Zustände der Juden drängen einander so sehr, daß es nicht unverdienstlich erscheinen wird, sie kurz und zusammenhängend zu resumiren. Namentlich beschäftigen sich die periodischen Blätter, Zeitungen sowohl als Zeitschriften, seit einiger Zeit viel, sehr viel, nicht selten wohl zu viel mit unfern Angelegenheiten. Da läuft denn auch manches Wort des Tadels, der Abneigung, des Vorurtheils mitunter, ohne daß es deßhalb gerathen scheinen mochte, sogleich wieder Repliken, Dupliken und Tripliken zu veranlaffen. Zum Tröste, darf es uns indessen gereichen, daß -die Mehrzahl der Blätter überhaupt, und insbesondere der deutschen, fortwährend für uns Partei nimmt. Ungünstige Stimmen vernimmt man fast nur in der Leipziger Allg. Zeitung, in der Preuß. Staatszeitung und jetzt auch in der Kölnischen Zeitung, welche zunächst nur aus Oppositionslust gegen die Rhein. Zeitung den neuen Ton angeschlagen zu haben scheint.— In der L. A.Z. ließ sich schon jüngst unter dem Zeichen >j< ein bitterer Berichterstatter über jüd. Verhältnisse vernehmen, der das beabsichtigte preuß. Judengesetz offen in Schutz nahm und ein Langes und Breites über die unter den Juden - grassi'rende Jmmoralitat schwatzte. Diese vermeintliche Jmmoralität scheint überhaupt gegenwärtig das Steckenpferd zu sein, auf dem sich die Judenfeinde herumtuwmeln. Daß man auch an höheren Orten dergleichen berücksichtigt, beweist, daß man den Juden überhaupt nur etwas am Zeuge flicken will, unbekümmert, ob nicht der Streich parirt und sogar auf die Gegner zurückgelenkt werden könne. Jener Corresp. aus Breslau tritt nun wieder in der L. A. Z. vom 17- Juli auf, nimmt sich der Reformpartei, die er früher gar nicht mehr zu den Juden gezählt wissen wollte, in dem Tiktin-Geigerschen Streite an, spricht von Scheu vor dem Kriegsdienste und erwartet alles Heil von den Corporationseinrichtungen. — Ein anderer Berichterstatter aus Breslau (□) in der L. A. Z. vom 12. u. 14. Juli, der auf die jüd. Zerwürfnisse in Breslau mit genauerer Sachkunde eingeht, sucht besonders die Schwächen und Umtriebe der Breslauer Orthodoxen darzuthun und theilt die den Widersachern Dr. Geigers zugesandten zwei Ministerialschreiben mit, durch welche sie zur Ruhe verwiesen und auf die verderblichen Folgen des innern Zwiespalts für die Gesammtheit der Juden in; ihrem Verhältnisse zur öffentlichen Meinung aufmerksam gemacht werven. -— Auch die Pr. Staatsz. nahm bereits zweimal von diesem Streite Notiz und zwar in vermittelnder und versöhnlicher Weise, obwohl mehr den Reformern sich. zuneigend. — In derselben Zeitung (15. u. 16. Juli) findet sich wieder Statistisches über die Juden von H. (Hoffmann), mit besonderer Rücksicht auf Gewerbe und Verbrechen. Hin und wieder tritt der Vers, diesmal milder auf, doch blickt der Pferdefuß noch oft genug aus dem weiten Mantel hervor.— Auch die Köln. Zeitung glaubt die Juden mit einem gewissen, d. h. sehr beschränkten Maaße von Rechten abspeisen zu können.. Schon früher verursachten ihr die vielen jüdischen Publicisten heftiges Kopfweh; nun scheint sie aus Furcht vor der Sekte der „Freien", dem alten Ueberall und Nirgends, den Verstand verloren zu Haben. Während sie früher ihre Collegin, die Rhein. Zeit, ganz ignorirte, bemüht sie sich jetzt, derselben die Censur und die Polizei aus den Hals zu schicken; sie meint, Philosophie und Religion gehöre nicht vor das Zeitungspublikum und das Christenthum sei in Gefahr, alle Bande des Staates wurden sich lösen, wenn man von jenem ungestraft sich lossagen, diesem seine christliche Grundlage rauben dürfe. Die Rhein. Zeit, verfolgt sie deßhalb mit schneidender Ironie; sie, als die Jüngere, Kräftigere, wendet sich mit tüchtigen Waffen gegen die Censur wie gegen den christlichen Staat, den sie entweder als ein Unding oder als mit dem sittlichen identisch betrachtet. Daher predigt sie unbedingte Geistes-, Gewissens- und Religionsfreiheit. Die sich speciell auf jüd. Verhältnisse beziehenden Berliner Correspondenzartikel sollen aus Dr. Veit's Feder geflossen sein. — Eine in diesen Tagen veröffentlichte königl. Ordre weist das in einer Stadt kundgewordene Verlangen, mehrere Katholiken unter die Zahl der Stadtrathe aufzunehmen und so gewissermaßen eine 'kathol. Repräsentation im Magistrate zu schaffen, als unbillig zurück und'giebt zu erkennen, daß die Wahl mit der Confesston nichts zu thun habe und lediglich vom Vertrauen der Bürgerschaft abhänge, wie ja nach dem Gesetze vom 11. Marz 1812 auch Juden zu Communalämtern gewählt werden könnten. Von einer Zurücknahme oder Beschränkung dieses Gesetzes ist an dieser Stelle durchaus nicht die Rede. -— Die sehr zahme „Spenersche Zeitung", welche nur einmal über die „Freien" gewaltig in Harnisch gerieth, gab zwei kurze Artikel mit der Aufschrift: Reformation des mosaischen Judenthums) den erstem für die Neugläubigen, die sie mit den Protestanten parallelisirte, den andern mehr zu Gunsten der Altgläubigen. — Die Vossische Zeitung theilt mit, daß der Präsident des ersten Criminalgerichtshoses in, New-Pork ein Jude sei, dessen Rechtlichkeit und Gewissenhaftigkeit von allen Parteien anerkannt und auf dessen Ausspruch überall, rekurrirt werde. — In der Zeitung für d. eleg. Welt Nr- 130 u. 131 wird den Juden vorgeworfen, daß sie zu viel von sich und ihren Angelegenheiten reden machten und' die Hohlheit einzelner jüdischer Gecken, so wie die Unmoralitat eines jüd. Ehemannes gerügt. — Der Telegraph Nr. 95 u. 96 bringt den Anfang einer historischen Schilderung: Die Bauern und die Juden im Elsaß von Heinr. Marc. 32 *