Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 31 (30.7.1842)
- Date
- 1842-07-30
- Page
- Spalte 493-494 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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493 UebersrchL einiger neueren Erscheinungen der englisch-israel. Literatur. 494 Bearbeiter setzt voraus , daß sämmtliche Classen der englischen Nation wenigstens einigermaßen mit der grausamen Verfolgung bekannt sind, deren unschuldige Opfer die Juden von Damaskus geworden. Er sagt, daß diese Greuel zunächst nur einem Vorurtheile entspringen konnten, unter dessen finstern Einflüssen das jüdische Volk zu verschiedenen Perioden der letzten sechs Jahrhunderte fast in allen Theilen Europas, deren Fortschreiten in Aufklärung und Wissenschaft nur langsam war, den entsetzlichsten Leiden ausgesetzt gewesen; in äußer-europäischen Staaten habe man jedoch nur da, wo Christen sich ansiedelten und jenes Vorurtheil wahnbefangen mir sich verpflanzten, ähnliche Ereignisse zu beklagen gehabt. Ein solcher Fall sei der von Damaskus; in diesem Augenblicke jedoch, Dank dem Allmächtigen! sei kein Grund vorhanden, eine Wiederkehr der Verfolgungsscenen in jenen Gegenden irgend zu befürchten. Gerade dort bleibe nun die Sicherbeit der Juden — at all events — ungefährdet. Die genügendste Bekräftigung dieser seiner Ansicht findet der Herausgeber vorliegender Schrift auch in jener glänzenden, am Freitag 3. Iuly 1840 in der Egyptian Hall gehaltenen Versammlung so vieler einflußreichen und gelehrten englischen Christen, die sich dort vereinigten, um ihre Sympathien für die Israeliten, ihre innigsten Wünsche für den glücklichen Erfolg der bevorstehenden Reise Sir Moses Montefi ore's nach dem Orient auszusprechen. Diese Versammlung dürfe als eins der rühmlich- < sten Zeugnisse der Aufklärung und religiösen Duldung, welche in den Annalen der Menschheit aufzusinden, betrachtet werden; und so würde gewiß vorliegende Schrift die Gesammtzahl wahrhaft aufgeklärter Britten eine willkommene Erscheinung sein; denn sie liefere die vollgültigsten Beweise, daß die gütigen brüderlichen Gesinnungen, welche man den Israeliten bei Gelegenheit jenes düsteren Ereignisses zu erkennen gegeben, nicht allein durch die gesunde Vernunft, auch durch die Aufzeichnungen der beglaubigtsten Geschichtschreiber, und durch die speciellen Zeugnisse der hervorragendsten Heroen der Weltliteratur gerechtfertigt würden. Indem der Herausgeber sie dem britischen Publikum vorlege, verfolge er den doppelten Zweck, allen Denen, welche in jener Sache Partei genommen, einige angenehme Stunden zu bereiten und dem so unschuldigen Stolze seines Volkes, der auch sein eigner sei, Befriedigung zu verschaffen, jenem Stolze, dem eine so schmachvoll verläumdere Nation sich hingeben dürfe, wenn nach langer Zeit der Betrübniß ein gerechter und mächtiger Richter der Welt ihre Unschuld verkündet und sie sich im Stande sieht, jenem Urtheilsspruche zu ihren Gunsten noch ein ergänzendes und vollwichtiges Zeugniß hinzuzusiigen. Von ganz besonderem Interesse ist noch die Bemerkung des Hrn. Dr. Löwe, daß er persönlich bekannt mit den meisten der unglücklichen Israeliten von Damaskus, welche die erlittenen Folterqualen überlebten, und daß er auch mit den unter der Tortur Verschiedenen in Berührung gekommen. Zu wiederholten Malen sprach er in seinen „Briefen, aus dem Osten" von der Ehrenhaftigkeit jener Männer, von ihrer geachteten Stellung in Damaskus, und es war dies zu einer Zeit, da keiner von ihnen die leiseste Ahnung des grausen Geschickes haben konnte, dessen Opfer sie bald darauf werden sollten. Der Herausgeber hatte nämlich nicht nur die Ehre, seinen berühmten Freund, Sir Moses Montesiore, auf dessen im I. 1840, aus eignem Antriebe unternommener orientalischen Reise zu begleiten, sondern bereits zwei Jahre zuvor, ebenfalls in Gesellschaft von Sir M. und seiner Gemahlin, das heilige Land und einige der angrenzenden Gegenden durchstrichen. Beide hatten indessen schon VI Jahre früher ihren ersten Besuch in Palästina gemacht, der, wie auch ihre zweite Reise, dorthin, nur Wenigen bekannt sein dürste. Einzig und allein in der edlen Absicht, von den Gütern, mit welchen Gottsie gesegnet, zum Besten der Bewohner jener Regionenohne Rücksicht auf deren Abkunft oder Glauben, Gebrauch zu machen, -wurden jene gefährlichen Reisen gewagt. Ueberall, wo sich im Oriente Armuth findet', ist sie auch eine wahrhaft herzzerreißende, häufig durch böse Krankheiten noch unerträglicher für ihre Opfer; indessen gerade nach den Orten, wo Armuth und Krankheit herrschten, nahmen Sir Moses und Lady Montesiore ihren Weg und wer immer der Leidende sein mochte, er erfreute sich ihrer Mildthätigkeit. Auch bei den Audienzen, welche Mehmed Ali den Abgesandten der europäischen Iudenschaft ertheilte, war Dr. Löwe gegenwärtig. Bei diesem Punkie verweilend, spricht er den Pascha von Egypten frei von der Beschuldigung, als habe er in eigner Person finstre Vorurtheile gegen die jüdische Religion gehegt. Die Gesandtschaft wurde mit ungemeinem Wohlwollen empfangen und das ganze Benehmen des Pascha's ließ erkennen, daß er Alles im Interesse seiner jüdischen Unterthanen von ihm Verlangte, gleich in der ersten Unterredung zugestanden haben würde, wäre nicht zuvor ein geheimer Einfluß, der sich zu ihrem Nachtheile geltend gemacht hatte, zu bekämpfen gewesen. Daß Mehmed Ali die Verfolgung der Juden zu Damaskus keineswegs gebilligt hatte, wurde sogleich klar. Das Hegen eines solchen Vorurcheils würde in der That im grellsten Widerspruche mit der Verstandesschärfe und Menschenkenntniß des Pascha's gestanden haben. Die einzige gegründete Schlußfotge, welche aus seinem Benehmen in dieser Angelegenheit zu ziehen, ist, daß die eigenthümliche Lage, in welcher er eben damals sich befand, ihn vor jenem Schritte, der irgend einem der französischen Agenten ernstlich mißfallen konnte, zurückschrecken ließ. Die Hoffnung, welcher er sich zu dieser Periode hingab, Frankreich in seinen Wirren mit den übrigen europäischen Großmächten zu seinem Schutze interveniren zu sehen, erklärt und entschuldigt jene Besorgniß hinlänglich. Diesen so richtigen Bemerkungen lag das verabscheuungswürdige Verfahren des französischen Consuls zu Damaskus zu nahe, als daß Dr. Löwe es hätte unberührt lassen können. Er eharakterisirt es in wenigen, aber scharf einschneidenden Worten, und meint, es sei eine gar traurige Erscheinung, in unfern Tagen der Civilisation den Repräsentanten einer der aufgeklärtesten Nationen Europa's eine mittelalterliche Fanatikerrolle spielen zu sehen. So unzweifelhaft es indessen sei, daß jener Agent auf den Pascha von Egypten hinsichtlich der Juden von Damaskus eine Zeit lang ungünstig gewirkt habe, eben so ungegründet würde die Behauptung sein, daß der französische Hof und die französische Nation jenes Verfahren autorisirt oder gebilligt. Dagegen rede am Unwiderleglichsten die außerordentlich leutselige Ausnahme, welche Sir Montesiore, nach glücklich vollbrachter Mission in Frankreich angekommen,, bei Louis Philipp gefunden. Der König gewährte ihm, in Gesellschaft des Herausgebers vorliegender Schrift, eine Audienz, nahm aus seiner Hand eine Abschrift be$ kaiserlichen Fermans zu Gunsten der Juden an und gab seine Freude und Zufriedenheit in Betreff der glücklichen Erfolge Sir Montesiore's in den wärmsten Ausdrücken zu erkennen.— Gesinnungen, welche von Allen Franzosen, mit denen Sir M. zusammentraf, getheilt wurden. Der Weisheit und Gerechtigkeit des türkischen Sultans wird nun ein lebhaftes Lob gespendet und.jener Ferman, heißt es weiter, werfe mehr Glanz auf das kaiserliche Diadem,- als der herrlichste Edelstein, den je, in Gold und Silber gefaßt, eine Künstlerhand darin befestigt. Der segensvolle Ferman selbst, dessen Uebertragung, als den deutschen Lesern sicher bekannt,