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Der Orient · 1842-07-30 · 31 (30.7.1842) · p. Spalte 489-490

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
31 (30.7.1842)
Date
1842-07-30
Page
Spalte 489-490 (sequence 5)
Language
German
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490 489 . Zur Geschichte der Juden iw Mittelalter. Von P. I. Literarische Miscellen. obgleich das Volk darüber im höchsten Grade erbittert war und nur durch die fleckenlose und imponirende Tugend Bernhards .von Gewaltthatigkeiten abgehalten wurde 35). >— War nun hiermit auch der lebendige Mittelpunkt, von dem die Verfolgungen ausgingen, entfernt, so wirkten doch die Folgen des von.Rudolph einmal gegebenen Impulses noch lange nach. Ueberfalle, Ermordungen, erzwungene Taufen hörten sobald nicht auf. Die Würzburger Juden waren in ihrer Stadt zurückgeblieben; zu ihrem Verderben. Mahrchen wurden ausgesprengt, sie hätten einen Christen umgebracht und ins Wasser geworfen; und dieser thue nun Wunder. Am 9. Marz des Jahres 1147 3f3) fielen sie daher über die Juden in Würzburg her und tödteten fast alle. Rabbi Isaak wurde über einem Buche erschlagen, und mit ihm einundzwanzig andere. Ein jüdisches Mädchen wurde in die Kirche, geschleppt, und da sie auf das Crucisix spie, geschlagen, wider Willen getauft und fast todt in der Kirche zurückgelassen, aus der sie eine mitleidige Christin rettete. Die noch verschont waren unter den Würzburger Juden, flüchteten sich am nächsten Morgen nach einer Burg, die Stolpen genannt wird. An demselben Tage ließ Bischof Embricho von Würzburg die Leichen der Ermordeten sammeln und in einem seiner Gärten begraben, den ihm spater ein Rabbi Rachakia mit seiner Frau Judith als jüdischen Begräbnißplatz abkauften. — In Aschaffenburg wurde eine Jüdin Gothitde ersäuft, weil sie sich nicht wollte tauftn lassen. — Manche fanden ihren Tod, weil sie zu früh ihre Zufluchtsörter verließen. So drei Juden aus Bachacach: Eliakim Nidri der.Sohndes Moses, Abraham der . Sohn Samuels und Calonymus der Sohn Mardachais. Sie verließen ihre Burg am 5. Juni3''), wurden überfallen und zur Taufe geführt. Calonymus spie auf das ihm vorgehaltene Bild, und erhielt sogleich den Todesstreich. Die beiden andern waren entwischt und hatten sich im Hause verborgen. Bald aufgespürt hatten sie mit Calonymus dasselbe Schicksal. Begraben wurden sie in Mainz. — Viele andere wichen der Todesfurcht und ließen sich taufen, kehrten aber, so wie die Gefahr geschwunden war, zum alten Glauben zurück 38). 35) O tto Frisi ng. 1. c. C. 39: „populo graviter indignante et nid ipsius snnctitatis consideratione revocarentuv, etiam seditionem movere volente“. 36) Rabbi Joseph, p. 124. §. 162.: „on the twenty second of the twelfth month in the year 4997" —. muß heißen 4906. 37) Rabbi Joseph p. 123. §♦ 161.: „in the fouvth month, on the sifth day of the month", nämlich im Jahre 4907. 38) 11 ab bi Joseph p. 124: „Also soine Jcws Kaiser Konrad III. trat bereits iw Frühlings dieses Jahres (1147) mit seinem Heere aus Deutschland gezogen; aber erst nachdem das nachzügelnde. Gesindel sich verlaufen hatte, durften die Juden es wagen, aus ihren Verstecken hervorzukommen und zu ihren Städten, zu ihren Häusern zurückzukehren; dieß geschah um den 14. Juli 1147 39). — Die Anzahl chec Erschlagenen läßt sich nicht angeben, nur wird berichtet^), daß in Böhmen hundert und fünfzig etwa getödtet worden sein. Auch in Kärnten gingen viele unter, obgleich erst nach kräftiger Gegenwehr. Unter Anführung zweier jungen Männer, hatten sich dort viele auf einem Hofe versammelt und drängten wirksam eine Aeitlang die Angriffe der Feinde zurück, bis sie auch im Rücken angegriffen der Ueberzahl unterliegen mußten. —- Auch nach Frankreich hatte sich, wie schon oben erwähnt, die Verfolgung verbreitet. Indessen kam sie da zu keiner großen Ausdehnung. Nur in einer Stadt, die Mid o« genannt wird (vielleicht 2)?ß§41), überfielen sie am 8.. Mai 1147 42) das Haus eines Rabbi I akob, plünderten, vernichteten seine Bücher und schleppten ihn aufs Feld, um ihn da zu ermorden. Doch wurde er durch das Mitleid eines Vornehmen gerettet. —- Literarische Miseellerr. Der erste Polemiker gegen das Christenthum unter den Juden. Unter dem Kaiser Hadrian lebte ein jüdischer Gelehrter mit Namen Tryphon (), derselbe der in den Talmuden stets mit dem berühmten Akiba genannt wird, und von diesem hat ein Kirchenvater uns die Polemik erhalten. Der Kirchenvater heißt Justin, der Märtyrer, unter dessen Werken ein Dialog mit Tryphon in zwei Abtheilungen vorhanden ist; und obgleich der philosophisch-redselige Justin den jüdischen Polemiker nur von seiner Seite aus darstellt und von diesem Gespräche nur so viel mittheilt, als er überhaupt zu widerlegen im Stande ist, so läßt sich doch ein vollständiges Bild der jüdischen Ansicht daraus entnehmen. Tryphon, der in jener bewegten Zeit aus Judäa nach Italien und Griechenland ausgewandert, traf so were compelled by force and were defiled vvith the water; but they afterwards returned unto the Holy One of Israel". 39) Rabbi Joseph p. 129: „And all the Jews who were in Ashkenaz returned unto' their desired haven — in the year 4907 on the sifteenth day of the sifth month." 40) Rabbi Joseph p. 126* 41) So meint Wilken; Bialloblotz ky bezweifelt es. s 42) Rabbi Joseph p. 127: „And in the third month, on the seventh day of the month" nämlich 4907.

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